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Was ich von 4 Sorten Bergsteigern gelernt habe

Warum gehen verschiedene Menschen so unterschiedlich an die selben Herausforderungen ran? Diese Frage kam mir heute kurz vor dem Teide Gipfel in den Sinn, als mir erst ein hoch professionell ausgerüsteter Trail-Runner und dann ein Pärchen in den bekannten Stoffschuhen mit dem Stern entgegenkamen.

Ich selbst hatte mich ausgiebig im Internet und bei Freunden informiert, was es alles zu beachten gäbe und was auf mich zukommen würde. Ich las von Höhenkrankheit, Kreislaufbeschwerden, zu wenig Wasservorräten, Schließung der Seilbahn etc und so zögerte ich die Entscheidung, ob ich diese Herausforderung annehmen wollte, heraus.

Nein, Unerschütterlich wird nicht zum Wanderblog umfunktioniert, aber heute müsst ihr da mal durch. Ich sehe in dem ganzen tatsächlich auch einige geistliche Parallelen, zumindest für meine ganz persönlichen Entscheidungen, die ich so zu treffen habe.

Leider zögerte ich mit der Entscheidung dieser Wandertour aber so lange, dass ich weder die Gipfel-Genehmigung noch die Übernachtung in der Schutzhütte mehr buchen konnte. Gut ausgerüstet aber doch mit etwas mulmigem Gefühl machte ich mich trotzdem auf den Weg. Nein, es wird nicht empfohlen, solche Touren alleine zu machen, doch manchmal hat man einfach nicht die Wahl und ich bin es ehrlich gesagt satt, mich so vieles nicht zu trauen nur weil ich da „alleine“ durch muss. Schluss damit! (Allerdings übernehme ich auch keine Haftung für irgendwelche Dummheiten…)

So zog ich los. Genug Wasser für den Auf- und im Notfall auch den Abstieg hatte ich dabei, 1. Hilfe Set, Kopflampe falls es länger dauert, Jacke, Mütze, Handschuhe, denn oben sollte es Minusgrade haben, Sonnencreme, Proviant und natürlich gut eingelaufene Wanderschuhe. Ich machte brav Pausen, achtete auf meinen Puls und eventuelle Anzeichen der Höhenkrankheit. Aber außer, dass nach knapp 1000 Höhenmetern meine Beine langsam müde wurden merkte ich ehrlich gesagt gar nichts.

Und so fragte ich mich, warum hatte ich mir so einen Kopf darum gemacht und so lange gezögert? Ich bin doch kein Wander-Neuling und kann meine Fähigkeiten eigentlich ganz gut einschätzen. Warum lasse ich mich nur weil ich noch nie über 3000m Höhe war von Internetberichten so verunsichern? Das Stoffschuh-Pärchen tat das ganz offensichtlich nicht…

Vielleicht gibt es noch mehr aber mir sind heute 4 Arten von Bergsteigern aufgefallen:

Der „lass ma gucken“ Typ
Das wäre mein Stoffschuh Pärchen. Ich habe keine Ahnung, ob sie es geschafft haben, sie waren hoch gefahren und auf dem Weg nach unten, entgegengesetzt zu meiner Richtung. Vermutlich haben sie irgendwann gemerkt, dass Stoffschuhe nicht so praktisch sind, haben es aber trotzdem irgendwie geschafft und hatten unten eine coole Geschichte zu erzählen. Solange nichts unvorhergesehenes passiert, ist das vermutlich auch kein Problem.

Der voll ausgerüstete Anfänger
Den erkennt man daran, dass die Schuhe noch keine Schramme haben, die Kleidung bekannte Markennamen trägt und er für alle Eventualitäten ausgerüstet ist. Dieser Bergsteiger hat sich in einem Fachgeschäft beraten lassen und fühlt sich nun sicher für seine erste Tour. Oben angekommen merkt er, dass er mehr als die Hälfte seiner Ausrüstung nicht gebraucht hat, aber es hätte ja schließlich sein können…

Der Profi
Das wäre dann mein Trail-Runner. Auch der hatte teuere Ausrüstung dabei aber nur ein Minimum und man sah sofort, dass jedes Teil eine Funktion hatte und er wusste, wie man sie einsetzt.

Der Normale
Der Großteil der Wanderer, die mir heute begegnet sind, zählen wohl dazu. Sie hatten die wichtigste Ausrüstung dabei, manches qualitativ hochwertig, manches behelfsmäßig. Sie stachen optisch nicht heraus, waren keine durchtrainierten Überflieger, sahen aber auch nicht so aus, als hätten sie so etwas noch nie gemacht. Sie hatten sich eine realistische Herausforderung ausgesucht und gingen diese nun zielsicher an.

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Wie ihr seht bin ich heil oben angekommen und habe mich dann von der Seilbahn herunterfahren lassen. Ich bin müde aber glücklich über die bestandene Herausforderung und frage mich wirklich, warum ich mir manchmal so wenig zutraue.

Und hier kommt auch meine geistliche Parallele ins Spiel, denn da bin ich glaub ich jeder der 4 Bergsteiger Typen schon gewesen. Ich stelle sie bewusst übertrieben dar und wenn ich mich über jemanden lustig machen möchte, dann höchstens über mich selbst.

Als junger Christ dachte ich in vielen Dingen „Ey, lass ma gucken“. Heute schüttle ich den Kopf darüber, in was für dumme Situationen ich mich gebracht habe, einfach weil ich die Bibel grade so ein Bisschen kannte, mir aber irgendwie mit meiner Erkenntnis unbesiegbar vorkam. Da fielen dann so Sätze wie „aber du musst…“ und „das darf man nicht…“. Aber Gott ist geduldig, auch mit übereifrigen Gipfelstürmern, die noch nicht viel von ihm begriffen haben.

Auch der voll Ausgerüstete war ich schon in einigen Bereichen. Ich hatte z.B. Reime und Eselsbrücken gelernt, um das Evangelium zu verkünden oder effektiv zu beten. Nur getan hab ich’s nicht. So stand ich quasi mit Profi Bergsteigerausrüstung auf dem Sandhügel meiner Gemeinde und traute mich nicht, den Sandkasten zu verlassen.

Vom Profi bin ich weit entfernt, aber ich sehe mir gerne Profi Vorbilder an und lerne von ihnen.

Heute würde ich mich irgendwo zu den Normalen zählen. Ich weiß, für manche ist das ein Schimpfwort aber für mich bedeutet das, die Ausrüstung die ich habe angemessen einzusetzen. Es bedeutet Herausforderungen zu suchen und Sicherheit im Gottvertrauen und nicht in übermäßiger und unangemessener Ausrüstung zu finden. Das bedeutet Risiken einzugehen aber auch den Verstand zu nutzen. Das bedeutet lernbereit zu bleiben und nicht vorschnell mit frommen Floskeln um mich zu werfen. Und das bedeutet für mich ganz persönlich, mich weniger von der Angst vor dem Unbekannten bestimmen zu lassen.

Bitte verzeiht mir heute Rechtschreibfehler, zu große Gedankensprünge und fehlende Bibelverse. Ich bin geschafft aber dankbar für einen so schönen Tag aber diese Gedanken wollten irgendwie noch schnell raus.

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