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Alles sinnlos? – Motivation für die Tage, an denen der sichtbare Erfolg ausbleibt

Eigentlich liebe ich meinen Job, aber es gibt auch Tage, da erscheint mir einfach alles sinnlos. Manchmal rede ich mir den Mund fusselig und es interessiert ja doch niemanden. Manchmal bringe ich eine Engelsgeduld auf und frage mich nachher wofür eigentlich…

Wer wie ich mit Menschen arbeitet, kennt vermutlich das unbefriedigende Gefühl, am Ende des Tages „nichts geschafft“ zu haben. Denn nicht jeder Tag ist mit Erfolg und Durchbrüchen gekrönt. An den allermeisten Tagen geht es einfach darum, die ganz normale Routine zu (über)leben: dafür sorgen, dass sich niemand verletzt, Essen zubereiten, aufräumen, zuhören, ermahnen, trösten und dergleichen. Manchmal wünsche ich mir dann einen Job mit einem Schreibtisch voller Papiere, die ich nacheinander abarbeiten und so den Fortschritt sehen kann. Bei meinem Beruf könnte ich oft auch einfach mit der Wand reden, das wäre genauso effektiv. Zumindest fühlt es sich so an. Für die, die es noch nicht wissen oder ahnen: Ich bin übrigens Erzieherin.

Das mit der Dankbarkeit ist dann auch so eine Sache. Welches Kind bedankt sich schon dafür, dass ich es zu einem selbstständigen und respektvollen Menschen erziehe? Sicherlich gibt es Eltern, die das hin und wieder tun, doch viel lauter hört man doch generell immer die Kritik an der eigenen Arbeit.

Das ist nur einer der Aspekte, an die ich beim Lesen von 4. Mose 11 sofort denken musste. Mose arbeitete auch mit Menschen. Diese waren zwar erwachsen, aber man könnte sagen, er hatte sehr ähnliche Herausforderungen. Wie sehr hat er sich für sein Volk eingesetzt, es aus der Sklaverei in die Freiheit geführt, durch Gottes Hilfe Wunder gewirkt und Israel in Richtung einer guten Zukunft in einer neuen Heimat geführt… Doch andauernd murrten sie nur herum, zweifelten an ihm und forderten ihn heraus.

4. Mose 11
1a Und das Volk wehklagte vor den Ohren des HERRN, dass es ihm schlecht gehe.

4b-6 Da fingen auch die Israeliten wieder an zu weinen und sprachen: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und an die Kürbisse, die Melonen, den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch. Nun aber ist unsere Seele matt, denn unsere Augen sehen nichts als das Manna.

Dieses Manna war ja schon ein Wunder an sich – eine Speise direkt von Gott selbst. Jeden Morgen fiel es mit dem Tau herab; alles, was sie noch tun mussten, war es einzusammeln. Doch was einst ein Wunder war, reichte ihnen nun nicht mehr, sie wollten Abwechslung. Achja und früher, da war ja sowieso alles besser!

4. Mose 11
10-15 Als nun Mose das Volk weinen hörte, alle Geschlechter miteinander, einen jeden in der Tür seines Zeltes, da entbrannte der Zorn des HERRN sehr. Und auch Mose verdross es. Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? Woher soll ich Fleisch nehmen, um es all diesem Volk zu geben? Sie weinen vor mir und sprechen: Gib uns Fleisch zu essen. Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss.

Zugegeben, so verzweifelt war ich noch nie. Mose hatte wirklich die Nase voll von dem Gejammer und wusste keine Lösung mehr. Er fragte sich, warum Gott ihm solch eine aussichtslose und unsinnige Aufgabe gegeben hatte. Würde Israel denn jemals verstehen, dass Gott es gut mit ihnen meint und sie einfach nur auf ihn hören müssten? Ach ich kann Mose so gut verstehen!

 

Ich möchte wirklich nicht mit Mose tauschen. Er hatte sich diese Aufgabe von Anfang an nicht zugetraut (2. Mose 3) und nun hatte er auch noch die Unterstützung seines Volkes verloren, stand mitten in der Wüste und wusste nicht mehr weiter. Ich vermute, so hatte er sich seinen Job nicht vorgestellt…

In meiner Vorstellung verläuft mein Job auch zu jeder Zeit glatt, angenehm und gesegnet mit persönlichen Erfolgen. Doch dann komme ich schnell wieder in der Realität des „der hat das und das gesaaaaagt“ an und ich frage mich, wann wir endlich mal weiter arbeiten können…

Was bewegt mich dann überhaupt noch zu sagen: „Ich liebe meinen Job?“
Es sind einerseits die positiven Erfahrungen, die ich schon gemacht habe. Das sind die wenigen, besonderen Momente, in denen Fortschritte plötzlich sichtbar werden. Das sind die Momente, in denen man gemeinsam erreichte Ziele und Erfolge feiert. Dazu gehören aber auch die Tage, an denen man erhobenen Hauptes mit einer Horde Kindergartenkindern durch das Dorf oder ein Geschäft spaziert und weiß, sie werden sich benehmen – dank der zahllosen vorher investierten Stunden. Es sind eben genau die Momente, wo sich das erfüllt, worauf man so lange gewartet und hin gearbeitet hat. Es ist genau die Hoffung darauf, dass meine Worte und meine Bemühungen eben doch auf fruchtbaren Boden fallen, auch wenn es eine Weile dauert, bis man etwas erkennen kann.

Israel hat irgendwann die Wüstenwanderung beendet und durfte in das verheißene Land einziehen. Und auch unser Bürgerrecht ist nicht hier, wo so manches schwer und zwecklos erscheint, sondern im Himmel (Phil 3,20).

Das mit dem Erfolg ist eben auch so eine Sache. Wenn man von der Arbeit mit Menschen spricht, ist er oft nicht objektiv messbar. Wie schafft man es dann, im alltäglichen Wahnsinn nicht zu verzweifeln und alles für sinnlos zu erachten? Mir helfen da zum Beispiel die Erfahrung, dass vieles, was in Menschen vorgeht erst einmal unbemerkt geschieht, aber auch Zusagen wie diese:

Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. (Galater 6,9)

Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. Dient dem Herrn Christus! (Kolosser 3,23-24)

Das ist die Herausforderung für diejenigen von uns, denen Verantwortung für andere Menschen übertragen wurde: Darauf vertrauen, dass nichts, was ich für und mit Gott tue umsonst ist und weitermachen, auch wenn die sichtbaren Ergebnisse auf sich warten lassen.

Vielleicht arbeitest du ja im Büro oder fertigst echte Produkte und siehst somit die Früchte deiner Arbeit. Aber dann kennst du diese „sinnlosen“ Aufgaben vielleicht aus dem Haushalt, der Gemeinde oder der Familie. Vielleicht fragst du dich auch, ob es überhaupt jemandem auffällt, was du tust, oder ob es erst bemerkt wird, wenn es etwas zu meckern gibt. Dazu kann ich dir tatsächlich eine eindeutige Antwort geben: Es fällt jemandem auf, nämlich Gott. Also lasst uns nicht müde werden, Gutes zu tun.

 

Wollt ihr wissen, wie es mit Mose und seinem nicht so ganz einfachen Volk weiter gegangen ist? Kurz vor seinem Tod segnete er sie, gab Instruktionen für seinen Nachfolger und das Volk weinte um ihn, denn „es stand aber in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose“. Scheint also doch nicht alles umsonst gewesen zu sein, was Mose da getan hat!

Mose 34:7-12
Und Mose war 120 Jahre alt, als er starb; seine Augen waren nicht schwach geworden, und seine Kraft war nicht gewichen. Und die Kinder Israels beweinten Mose in den Ebenen Moabs 30 Tage lang; dann hörten sie auf, um Mose zu weinen und zu trauern. Josua aber, der Sohn Nuns, war mit dem Geist der Weisheit erfüllt, denn Mose hatte seine Hände auf ihn gelegt; und die Kinder Israels gehorchten ihm und handelten so, wie der HERR es Mose geboten hatte. Es stand aber in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der HERR kannte von Angesicht zu Angesicht, in all den Zeichen und Wundern, zu denen der HERR ihn gesandt hatte, dass er sie im Land Ägypten tun sollte an dem Pharao und an allen seinen Knechten und an seinem ganzen Land; und in all den gewaltigen Handlungen und all den großen und furchtgebietenden Taten, die Mose vollbrachte vor den Augen von ganz Israel.

 

 

Bibeltext:
Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Bibeltext der Schlachter Übersetzung
Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf,

 

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