AlltäglichesMotivation

Aus eigener Kraft

Hast du dich schon mal voll motiviert auf den Weg gemacht, weil du ein richtig gutes Zeugnis sein wolltest oder etwas Geniales für Gott machen wolltest? Hat es funktioniert? Ich hoffe ja, aber vielleicht ging es dir ja auch wie mir und du bist voll auf die Nase gefallen…

Das erinnert mich an eine Stelle in dem Film „Die Hütte“. Da zeigt Jesus Mack, wie viel Spaß es macht, übers Wasser zu laufen. Die beiden rennen. Kurz darauf versucht Mack es noch einmal alleine und natürlich funktioniert es nicht.

Ich unterbreche die „Verankert“ Reihe kurz, obwohl mir noch ein wichtiger Punkt eingefallen ist, über den ich nächste Woche unbedingt noch schreiben möchte. Doch heute muss ich euch von einem irgendwie beschämenden aber doch so typischen Erlebnis erzählen:

 

Duftende Hingabe

Sonntag habe ich eine Predigt über Christsein am Montag gehört. Es ging um Maria, die Schwester von Martha und Lazarus, die Jesus die Füße salbte (siehe Joh 12). Thema der Predigt war ihre komplette und radikale Hingabe und dass diese Hingabe „riecht“. Also in der Geschichte war es natürlich das teure Parfum, aber in unserem Leben sollte Hingabe auch einen angenehmen Duft verbreiten.

Ich also Montag voll motiviert aufgestanden und mir gedacht, heute machst du deinen Job so gut wie noch nie. Heute bist du positiv und besonders fleißig und lässt jeden an deiner Hingabe schnuppern. Ja, spätestens da hätte mir der Fehler auffallen müssen, aber immerhin hatte ich ja gute Absichten.

7:00 Uhr – Arbeitsbeginn

7:10 Uhr – Die erste Krankmeldung, die zweite…

7:20 Uhr – Die Aushilfen sind nicht erreichbar

8:00 Uhr – Die anderen Kollegen kommen und schlagen vor, selbst eine Aushilfe zu stellen

8:01 Uhr – Nadine geht an die Decke, weil sie es satt hat IMMER alles ausbaden zu müssen und überhaupt ist alles unfair

8:02 Uhr – Die Kollegen sagen „Woa, chill mal!“

8:03 Uhr – Nadine merkt: Das war wohl nichts… Das war kein angenehmer Duft, das war der reinste Gestank.

Eine gute Stunde nach Arbeitsbeginn waren die guten Absichten also schon dahin und das Zeugnis für heute passé. Ich schämte mich und hatte doch eine wertvolle Lektion darüber gelernt, wie gut es funktioniert, wenn ich aus eigener Kraft versuche, Gott zu gefallen. Vermasselt!

 

Reckless Love

Später zu Hause wollte ich mir noch etwas auf Youtube ansehen, doch ich bin an einem der vorgeschlagenen Videos hängen geblieben: „Reckless Love“ von Cory Asbury.

 

Der Text lautet auf Deutsch etwa so:

Noch bevor ich ein Wort sprach, sangst du für mich
Du warst so gut zu mir
Noch bevor ich einen Atemzug tat, hauchtest du mir Leben ein
Du warst so gütig zu mir

Oh, die überwältigende, niemals endende, tollkühne Liebe Gottes
Oh, sie verfolgt mich, kämpft bis ich gefunden werde, lässt die 99 zurück
Ich konnte sie mir nicht erarbeiten, ich verdiene sie nicht, trotzdem gibst du dich selbst hin
Oh, die überwältigende, niemals endende, tollkühne Liebe Gottes

Selbst als ich dein Feind war, kämpftest du für mich
Du warst so gut zu mir
Als ich mir wertlos vorkam, bezahltest du alles für mich
Du warst so gütig zu mir

Es gibt keinen Schatten, in den du kein Licht bringst
Kein Berg, den du nicht erkletterst
Du läufst mir nach
Es gibt keine Wand, die du nicht einreißt
Keine Lüge, die du nicht zerschmetterst
Du läufst mir nach

 

Am meisten berührt hat mich wohl der Ausdruck „Reckless Love“. Das Wörterbuch schlägt mehrere Übersetzungen vor, doch ich habe mich wegen des Kontexts für tollkühn entschieden, gewagt und leichtsinnig waren aber auch in der engeren Auswahl.

Gerade leichtsinnig bringt mich zum Lachen. Wenn da noch mehr so unkontrollierte Blindgänger dabei sind, wie ich heute einer war, dann hätte das menschlich gesehen wirklich etwas von Leichtsinn. Trotzdem „riskiert“ Gott es.

Auch wenn es nicht im Text steht, hatte ich nach dem Lied das Gefühl, Gott sagt zu mir: „Komm her mein Kind, ich kann zwar auch nicht sagen, dass es besonders gut gelaufen ist, aber ich wusste das doch schon und ich hab dich trotzdem lieb. Und hey, beim nächsten Mal nimm mich doch einfach mit…“

Insgesamt war das keine wirklich große Sache und im Nachhinein etwas, über das alle Beteiligten schmunzeln können, trotzdem zeigt es wunderbar wie wir Menschen manchmal etwas erkennen und mit besten Absichten losrennen,  nur um dann zu merken: aus eigener Kraft wird das hier nichts…

Ein Grund mehr, dankbar für Gottes überwältigende, niemals endende, tollkühne Liebe zu sein.

 

Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; jede aber, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir, und ich [bleibe] in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Joh 15,1-5)

 

 

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