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Aus Mangel geben

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Neulich habe ich Markus 12,41-44 gelesen. Dort setzt Jesus sich in den Tempel und sieht den Leuten beim spenden zu. Die Wohlhabenden gaben viel, die die Ärmeren wenig. Eine Witwe jedoch gab zwar mengenmäßig wenig und dennoch alles, was sie hatte. Jesus ruft sofort seine Jünger und nutzt sie, um ein Beispiel zu demonstrieren:

Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt. (Markus 12,44 ELB, Hervorhebung von mir)

Ich habe diese Stelle ja bisher immer wörtlich genommen und dachte, sie bezieht sich nur auf Geld. Vielleicht tut sie das tatsächlich auch, aber sie spiegelt trotzdem wunderbar wieder, was ich in den letzten Monaten völlig unabhängig von Finanzen erlebt habe.

Mangel kennen wir alle oder? Wenn etwas fehlt, merken wir das meist sofort, sei es Aufmerksamkeit zu Hause, Teamfähigkeit auf der Arbeit, Begeisterung in der Gemeinde oder was auch immer.

Ich gebe euch ein echt banales Beispiel: In den letzten Jahren war ich wirklich demotiviert, weil ich in den Gottesdiensten in meiner Gemeinde die Begeisterung vermisste. In anderen Gemeinden hingegen, quetschte man sich beim Lobpreis in Stehplätze in die erste Reihe. Warum klappt das da und hier nicht? Wo ist die Begeisterung hin? Da muss doch mal jemand was dran tun, irgendjemand muss uns doch jetzt mal einen Motivationsschub geben, dachte ich. Doch wisst ihr, was Gott sagte? Es ging etwa folgendermaßen zu:

Ich: „Gott, ich bin echt frustriert, wo ist die Begeisterung hin?

Gott: „Und was ist mit dir? Bist du begeistert von mir? Warum stehst du nicht zum Beispiel beim Lobpreis einfach mal auf? 

Ich: „Aber, Gott, dann steh ich da ganz alleine, ich glaub du verstehst mich nicht, ich brauche jemanden der MICH mal endlich motiviert und mitreißt, ich habe hier den Mangel, siehst du das nicht?“

Das ist mir tatsächlich in mehreren Situationen passiert und ich frage mich, ob uns Gott nicht genau diesen Mangel bemerken lässt, damit wir ihm aus dem Mangel und nicht aus dem Überfluss heraus dienen können.

Wenn ich mir wünsche, von anderen ermutigt zu werden, möchte Gott dann vielleicht genau bewirken, dass ich andere ermutige? Wenn ich mir wünsche, dass Gespräche nicht so oberflächlich sein, ist es dann vielleicht meine Aufgabe in die Tiefe zu gehen? Wenn ich mir wünsche, dass andere bemerken, wenn es mir schlecht geht, sollte ich dann vielleicht auch lernen, auf andere aufmerksam zu sein? Wenn ich mir _____ wünsche, möchte Gott dann vielleicht dass ich ____?

Ok, das hat natürlich alles seine Grenzen. Wenn ich mir öfter Lobpreisabende wünsche, dann würde ich niemanden damit glücklich machen, Leute einzuladen und ihnen was auf der Gitarre vorzuspielen. Das kann ich wirklich nicht!

Trotzdem denke ich, dass wir zu oft unsere Aufgaben den „Begabten“, den „Professionellen“ und den „Berufenen“ überlassen. Ich glaube, wenn es darum geht freundlich zu sein, Interesse zu zeigen, füreinander da zu sein, dann dürfen wir das getrost tun, ohne Wochenlang darüber zu beten, ob das wohl Gottes Wille sei. Das ist es! (siehe Römer 12)

Und wenn wir mangelorientiert dienen, laufen wir auch weniger Gefahr, nur ein weiteres Projekt auf die Beine zu stellen, weil wir Erfahrung in dem Bereich haben. Dann tun wir auch nicht nur das, wovon wir eh schon wissen, dass wir es können. Ich erinnere mich an etliche Berufungen in der Bibel, in denen es genau NICHT darum ging, dass die Person besonders qualifiziert war. Da ist zum Beispiel Mose, der den Pharaoh darum bitten sollte, sein Volk ziehen zu lassen. Doch Mose behauptete von sich, nicht sprechen zu können. (2. Mose 4,10) Abraham sollte Vater einer großen Nation werden, doch er und seine Frau waren so alt, dass sie Gott regelrecht auslachte. (1. Mose 18,12) Keiner von beiden fühlte sich der Aufgabe gewachsen oder dafür qualifiziert und trotzdem Erwählte Gott sie genau dafür.

Die eine Sache, von der ich tatsächlich überzeugt bin, dass ich sie gut kann, ist tatsächlich auch die eine Sache, die Gott mir bis heute noch nicht ermöglicht hat. Aber das ist ok, ich will ihm ja auch nicht aus meinem Überfluss dienen. Stattdessen hat er mich (an der mein Deutschlehrer solange verzweifelt ist, bis ich den Kurs letztendlich abgewählt habe) zum Schreiben berufen.

Der ausschlaggebende Punkt ist wohl nicht mein Können, sondern eher meine Bereitschaft Gottes Willen zu tun. Ich glaube kaum, dass die Teenagerin Maria sich der Aufgabe gewachsen fühlte, dem Sohn Gottes, Retter der Welt und König der Könige, eine gute Mutter zu sein. Doch sie suchte nicht nach Gegenargumenten, sondern diente bereitwillig:

„Da sagte Maria: »Ich bin die Dienerin des Herrn. Was du gesagt hast, soll mit mir geschehen.« Hierauf verließ sie der Engel.“ (Lukas‬ ‭1:38‬ ‭NGÜ)

Was wäre also, wenn wir aufhören würden uns herauszureden und anfangen würden, Gott trotz unserer Unfähigkeiten zu vertrauen? Was wäre, wenn wir beschließen würden, Gott aus unserem eigenen Mangel heraus zu dienen? Dann wird aus Mangel ganz schnell Überfluss. So habe ich es zumindest erlebt.

Bibelstellen:

Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

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