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Begegnungen mit Jesus – Der Wahrheit ins Auge blicken

Es war etwa 12:00 Uhr als ich allein den Weg zum Brunnen antrat, um Wasser zu holen. Kein Mensch geht freiwillig in der Mittagshitze dorthin, ich fühlte mich also relativ sicher, unbeobachtet zu bleiben. Ich bin ja nicht blöd, ich war doch das Gespött des ganzen Dorfes und wenn die ganzen Weiber in der Früh am Brunnen sich wieder das Maul über diesen und jenen zerrissen, dann wollte ich lieber nicht dabei sein. Dann nahm ich lieber die Hitze in Kauf und hatte meine Ruhe.

Doch mit der Ruhe wurde es leider nichts, denn es saß bereits ein Mann am Brunnen. Als ich näher kam bemerkte ich, dass er Jude war. Was machte ein Jude im Gebiet der Samariter? Normalerweise nahmen sie doch kilometerlange Umwege auf sich um bloß nicht durch unser Gebiet reisen zu müssen… Aber für einen Notfall saß er doch zu ruhig dort. Seltsam, wirklich seltsam.

Als ich ihn erreichte sprach er auch noch zu mir: „Gib mir etwas zu trinken“. Ich war schockiert, denn erstens bin ich eine Frau und dazu ja auch noch Samariterin. War der Mann einfach dehydriert und es war ihm egal? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, also fragte ich ihn ganz direkt: „Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten? Du bist doch Jude und ich eine Samariterin.“

Mein Verdacht der Dehydration bestätigte sich zunächst, denn seine Antwort war noch verwirrender. Er meinte, wenn ich von der Gabe Gottes wüsste, dann hätte ich ihn um lebendiges Wasser gebeten. Ich sah nur keinen Eimer… War er etwa größenwahnsinnig? Was redete er da von lebendigem Wasser? Aber gut, fragen kostet ja nichts. Also hakte ich nach, wie er das in so einem tiefen Brunnen ohne Eimer bewerkstelligen wollte und ob er sich für größer als den Stammvater Jakob, den Erbauer dieses Brunnens, hielt.

Da erklärte mir der Mann, dass man von diesem Brunnenwasser auch wieder durstig werden würde, dass er aber ein besonderes Wasser habe – Wasser des ewigen Lebens. Das klang interessant und ich war definitiv neugierig. Vor allem wäre das eine tolle Lösung für mein Läster-Problem, dann müsste ich auch nicht mehr in der Mittagshitze schuften, um dem Gerede der anderen aus dem Weg zu gehen. „Herr, gib mir dieses Wasser“, rief ich freudig.

Doch die Freude war von kurzer Dauer… „Geh und hole deinen Mann hierher!“, erwiderte er. Autsch. Warum traf dieser Fremde genau in die Wunde? Hatte es sich etwa schon bis Judäa herumgesprochen, dass ich ein Lotterleben führte? Andererseits war es auch einfach üblich, dass man einen Mann hatte, vielleicht war es also auch nur ein Zufall. Er konnte ja eigentlich gar nicht wissen, dass ich ein Sonderfall war. Ich überlegte kurz, ob ich eine Ausrede erfinden sollte, doch dann beschloss ich einfach die Wahrheit zu sagen und zuzugeben, dass ich keinen Mann hatte. Wenn ich danach dieses besondere Wasser bekommen würde, dann war es das sicher wert. Ich antwortete ihm also kurz und knapp: „Ich habe keinen Mann.“

Was dann geschah war unfassbar. „Richtig“, sagte er und erzählte mir genau, wie viele Männer ich bereits gehabt hatte und dass der, mit dem ich derzeitig zusammenlebte, eigentlich gar nicht mein Mann war. Ich war sprachlos. Woher konnte er das alles wissen? Man redete ja viel über mich, aber das, was der Mann da sagte, waren keine Gerüchte, die er aufgeschnappt hatte. Dieser Mann kannte und sprach die Wahrheit! Er kannte mich und meine Geschichte gut.

Das faszinierendste war aber, dass er mich dafür nicht verurteilte. Er sprach die Wahrheit ohne zu werten. Ich war eine Frau, dazu eine Samariterin und obendrein eine mit fragwürdigem Lebensstil. Drei gute Argumente mich links liegen zu lassen, so wie alle anderen auch. Bisher haben alle nur auf meine Fehler gesehen, aber niemanden interessierten meine Vorgeschichte oder meine Beweggründe. Gut, das hatte dieser Mann bisher auch nicht gefragt, doch sein Interesse an mir zeigte mir sehr deutlich, dass er es ernst meinte.

So viel wie er wusste, blieb mir nur noch eine Schlussfolgerung, er musste ein Prophet sein. Wenn er ein Mann Gottes war und dieser Gott mir so liebevoll und vorurteilsfrei begegnete, dann musste ich jetzt auch ein paar Fragen stellen. Ich hatte schon einiges vom Gott Israels gehört. Meine Vorfahren hatten auch einen besonderen Berg, auf dem sie Gott anbeteten, die Juden allerdings meinten, dass Jerusalem der wahre Ort sei. Wer hatte denn nun Recht?

Auch das konnte der Mann mir beantworten: Weder noch. Er sprach:

„Doch es wird die Zeit kommen – sie hat sogar schon angefangen –, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und mit wahrhaftigem Herzen anbeten. Von solchen Menschen will der Vater angebetet werden.  Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten wollen, müssen dabei von seinem Geist bestimmt und von Wahrheit erfüllt sein.“ (Joh 4,23-24)

Da wurde es mir schlagartig klar, wer dieser Mann war! „Ich weiß, dass der Messias kommt!“, rief ich freudig, denn mir war bekannt, dass die Juden sehnsüchtig auf ihren von Gott versprochenen Retter warteten. Der Mann lächelte bestätigend und sagte: „Du sprichst mit ihm; ich bin es.“

Wow! Ich war wirklich dem leibhaftigen Messias begegnet! Ich sah seine Jünger zurückkehren und ich sah auch die Verwunderung auf ihren Gesichtern – dieser Gesichtsausdruck war mir nur allzu bekannt… Doch das war mir egal, ich ließ alles stehen und liegen und rannte ins Dorf. Ja genau dahin, wo man mich verurteilt hatte, genau dahin, wo ich verspottet worden war, genau an den Ort, den ich seit Jahren mied. Warum? Weil ich den Messias getroffen hatte und das einfach nicht für mich behalten konnte.

Viele Menschen glaubten mir nicht sofort, aber sie waren immerhin interessiert genug, um selbst nachzusehen. Jesus, der Mann, den ich am Brunnen getroffen hatte, blieb noch zwei Tage und verkündete seine Botschaft. Dadurch glaubten noch viele mehr an ihn. Einige kamen sogar zu mir und bedankten sich, dass ich sie auf Jesus aufmerksam gemacht habe.

„Nun glauben wir, weil wir ihn selbst gehört haben und nicht nur aufgrund deiner Worte“, sagten sie zu der Frau. „Jetzt wissen wir, dass er wirklich der Retter der Welt ist.“ (Joh 4,42)

(frei nach Johannes 4,1-42)

 

Zum Nachdenken:

  • Die Frau blickte der Wahrheit über sich selbst ins Auge, war ehrlich zu Jesus und hörte auf, sich in der Mittagshitze am Brunnen zu verstecken und anderen aus dem Weg zu gehen.
  • Sie erkannte die Wahrheit über Jesus
  • Was Jesus mit dem lebendigen Wasser und dem Durst hier sagen will ist: Wir können versuchen unsere Bedürfnisse auf alle möglichen Arten zu stillen und damit für eine Zeit erfolgreich sein, doch dann brauchen wir wieder Nachschub. Wirklich tiefe Zufriedenheit finden wir nur bei ihm.
  • Sie verkündete die Wahrheit und dabei war es ihr völlig egal, dass sie einen gewissen Ruf hatte.
  • Trotzt ihrer vermutlich euphorischen Erzählungen brachte sie die wenigsten dazu, ihr zu glauben. Allerdings schaffte sie es, Interesse zu wecken, so dass die Menschen selbst zu Jesus liefen und ihren eigenen Glauben fanden.

 

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