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Begegnungen mit Jesus – Die Sünderin

Wart ihr schon mal bei einer Party, wo es zu einer furchtbar peinlichen Situation kam und ihr vor lauter Fremdschämen am liebsten im Erdboden versunken wäret? So etwas hat sich neulich im Hause des Pharisäers Simon ereignet. Es war ein wirklich absurdes Erlebnis, doch im Laufe des Abends passierten so viele Dinge, dass ich nachher gar nicht mehr wusste, für wen das alles am peinlichsten war. Ich ging jedenfalls sehr verwirrt aber doch irgendwie beeindruckt nach Hause.

Das alles ereignete sich so: Simon hatte ein paar Männer zum Essen eingeladen, darunter auch Jesus von Nazareth. Natürlich war dieser der Ehrengast, denn viele drängten sich darum, von ihm zu hören oder mit ihm zu Essen. Jesus nahm die Einladung an und als wir da so alle zu Tische lagen, platzte auf einmal eine Frau herein. Es wäre ja schon schlimm genug gewesen, dass eine Frau uns unangemeldet und ungebeten beim Essen störte, doch dann ging sie auch noch zielstrebig auf den Ehrengast zu und fing an, ihm eine riesen Szene zu machen. Laut schluchzend übergoss sie seine Füße mit einem wertvollen Öl und dann ließ sie auch noch ihr Haar herab, um sie damit zu trocknen. Skandalös!

Doch setzen wir da einfach noch einen drauf! Das war ja nicht nur irgendeine Frau. Jeder kannte sie, obwohl es niemand zugeben wollte. Denn diese Frau war eine stadtbekannte Sünderin (ihr könnt euch sicher denken, was das bedeutet). Ich war so schockiert, dass ich mich im Raum umsah. Alle guckten sehr entsetzt und der arme Simon fand keine Worte. Nur Jesus schien das ganze überhaupt nicht zu stören. Seltsam… wusste er denn nicht, wer diese Frau war? Sagte man nicht, dass er ein Prophet sei? Dann müsste er das doch erkennen und sie verurteilen…

Simon war immer noch sprachlos und Jesus war es, der schließlich zuerst das Wort ergriff. Später erfuhr ich allerdings, dass er Simon auf eine Frage antwortete, die dieser lediglich gedacht hatte. Jedenfalls sagte Jesus zu Simon: „Ich hab dir was zu sagen“. „Meister, sprich!“, antwortete dieser. Worauf Jesus eine Geschichte von zwei Schuldnern erzählte, dem einen, dem viel vergeben wurde und dem anderen, dem wenig vergeben wurde. 

Bis zu diesem Punkt hatte ich mich für die Frau geschämt, die sich so dreist jeglicher Etikette widersetzt hatte. Doch allmählich wendete sich das Blatt und es wurde deutlich, dass Jesus mit dem Verhalten dieser Frau einverstanden war. Das brachte Simon ganz schön ins Straucheln. Eben noch so selbstbewusst, musste er sich nun anhören, was diese Frau alles richtig gemacht hatte und welchen gastgeberlichen Pflichten er selbst nicht nachgekommen war. Langsam wurde es eher für Simon peinlich.

Und dann geschah etwas, mit dem niemand gerechnet hätte. Nachdem Jesus mit dem frommen Pharisäer, der wirklich Wert auf einen gerechten Lebensstil legte, fertig war, wandte er sich der sündigen Frau zu, die in ihrem Leben schon viele Fehler gemacht hatte, sich dessen aber auch sehr bewusst war. Er sah sie an und sprach: „Dir sind deine Sünden vergeben!“ und „Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden!“. Wow! 

Wahrscheinlich hatte jeder die selben Frage auf den Lippen: Warum sie und nicht er? Wer ist dieser Mann, dass er Sünden vergeben kann? Was ist hier gerade passiert?

Die einzige, die den vollen Durchblick zu haben schien, war die Frau. Ihre tiefe Dankbarkeit war offensichtlich, doch sie sah auch nicht verwundert aus, von den Geschehnissen. Als ob sie gewusst hätte, dass Jesus sie nicht verstoßen würde, so wie es alle anderen ihr Leben lang mit ihr getan hatten.

Also ich weiß wirklich noch nicht, was ich von diesen Geschehnissen halten soll, aber sie waren beeindruckend!

(Frei nach Lukas 7,36-50)

 

Zum Nachdenken:

  • Die Frau ließ sich nicht von ihrem Ruf, ihrer Vergangenheit, ihrem Stand oder sonstigen Begebenheiten davon abhalten, zu Jesus zu kommen.
  • Jesus interessierte sich ebensowenig für die „Qualifikationen“ des Pharisäers oder der Frau, sondern allein für die Herzenshaltung.

 

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