Bibel

Begegnungen mit Jesus – Ertappt!

Ich habe heute einen wirklich sonderbaren Zwischenfall miterlebt. Wie so oft ging ich mit ein paar anderen in den Tempel, um Jesus zuzuhören. Es war eine ordentliche Menge versammelt und wir lauschten alle gespannt.

Doch dann geriet die Menge in Aufruhr. Einige Gesetzeslehrer und Pharisäer hatten eine Frau herbei geführt und stellten sie genau in die Mitte. Ihre Anklage lautete: Ehebruch! Und dabei wurde sie wohl auch noch auf frischer Tat ertappt. Wie peinlich…

Die Gesetzeslehrer waren aufgebracht wegen der unmöglichen Tat, doch irgendwie meine ich auch ein wenig Schadenfreude in ihren Blicken gesehen zu haben. Seltsam. Als Jesus nicht sofort reagierte, konfrontierten sie ihn direkt: „Im Gesetz schreibt Mose vor, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du nun dazu?“ (Joh 8,5 NBH)

Doch Jesus ließ sich nicht aus der Ruhe bringen oder zu einer Antwort hinreißen. Stattdessen begann er etwas mit dem Finger auf den Boden zu schreiben. Ich war leider so weit weg, dass ich es nicht sehen konnte. Es gibt ja viele Spekulationen, was dort gestanden haben mag, doch herausgefunden habe ich es nie. Ich weiß nur, dass dieses Geschreibsel die Pharisäer scheinbar nicht zufriedenstellte, denn sie wiederholten ihre Frage noch einmal und forderten eine Stellungnahme.

Wieder bückte Jesus sich und schrieb auf die Erde. Als er fertig war, richtete er sich wieder auf und sprach: „Wer von euch ohne Sünde ist, soll den ersten Stein auf sie werfen!“ Ich war überrascht, denn die Pharisäer waren doch sonst so stolz auf ihre Einhaltung der Gesetze und ihre. Frömmigkeit. Doch es flog nicht ein einziger Stein. Die Stille war nahezu gespenstisch. Ich wagte mich auch nicht näher heran, denn jetzt kam wieder Bewegung in die Gruppe. Der Älteste unter ihnen drehte sich um und ging. Andere folgten nach und nach bis Jesus irgendwann alleine mit der Frau dort stand. 

Wir aus der Menge der Tempelbesucher hatten uns auch zurückgezogen, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, das geht mich da gerade nichts an. So kann ich euch gar nicht sagen, was aus der Frau geworden ist, ich weiß nur, dass sie nicht – wie sonst üblich – gesteinigt wurde und, dass die Pharisäer und Gesetzeslehrer ziemlich sauer waren, weil Jesus nicht in ihre Falle getappt war. 

Jesus hatte tatsächlich anders gehandelt, als es das Gesetz Mose vorschrieb, doch das war ja nicht das erste Mal, dass er Gnade zeigte, wo andere ein hartes Urteil einforderten. 

(Frei nach Joh 8,1-9)

Wie es weiter ging:

Von seinen Worten getroffen zog sich einer nach dem anderen zurück, die Ältesten zuerst. Schließlich war Jesus mit der Frau allein. Sie stand immer noch an der gleichen Stelle. Er richtete sich wieder auf und sagte: „Frau, wo sind sie hin? Hat keiner dich verurteilt?“ „Keiner, Herr“, erwiderte sie. Da sagte Jesus: „Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen. Doch hör auf zu sündigen.“ (Joh 8,9-11 NBH)

 

Zum Nachdenken:

Ich habe den Text aus Johannes 8 schon oft gelesen und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Heute besonders angesprochen hat mich allerdings, dass Jesus dieser Frau Privatsphäre gönnte und ihr Problem nicht vor versammelter Anklägerschaft, sondern mit ihr alleine besprach. Er hieß ihren Ehebruch nicht gut, doch er weigerte sich auch in die Falle der Pharisäer zu tappen. Ich kann das gerade so gut nachvollziehen. Auf der einen Seite die Stimmen, die Hektik, die Schreie nach Recht und Ordnung und auf der anderen Seite die Stille, die Jesus ihr gab. Ich glaube, manchmal fürchten wir uns regelrecht vor dieser Stille, denn das bedeutet ja auch, dass wir Zeit haben, über uns selbst nachzudenken. Doch irgendwie empfinde ich diese Stille auch immer als sehr heilsam, gerade weil Jesus sagt „Ich verurteile dich nicht“.

 

Über das Thema „Wir müssen reden“ gibt es auch einen sehr schönen Beitrag von Heldenmut, den ich unbedingt empfehlen möchte.

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