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Begegnungen mit Jesus – Nur den Saum deines Gewandes

Aber ich hab doch schon alles versucht! Wie oft habe ich mir selbst diese Worte gesagt, wenn ich einmal mehr verzweifelt und ratlos vor meinem Problem stand. Zwölf lange Jahre quälte es mich nun schon und quälen ist hier fast schon eine Untertreibung. Niemand verstand mich. Ich konnte kaum am normalen Leben teilnehmen. Mein ganzes Vermögen hatte ich für Ärzte ausgegeben, um endlich von meiner Krankheit geheilt zu werden. Von Arzt zu Arzt bin ich gerannt und habe bereitwillig alles probiert, was man mir vorgeschlagen hat, doch nichts half. Niemand konnte mir helfen, ich fühlte mich so allein gelassen.

Aber zu wem sollte ich auch gehen? Mir war es schon peinlich genug, den Ärzten von meinem Problem zu erzählen, denn über solche Dinge spricht man ja nicht einfach so auf der Straße. Ich habe auch lange überlegt, ob ich euch überhaupt die ganze Geschichte erzählen soll, denn sie ist mir wirklich sehr unangenehm. Doch ich habe so ein großes Wunder und so viel Akzeptanz erlebt, deswegen kann ich es wohl wagen, darüber zu sprechen.

Zwölf Jahre lang habe ich an starken Blutungen gelitten. Das schwächte mich nicht nur körperlich, ihr könnt euch sicher auch vorstellen, dass es mir viel zu unangenehm war, das Haus zu verlassen. Außerdem machte ich mir natürlich große Sorgen. Ich war ja bereit, die besten Ärzte zu bezahlen, doch auch die fanden die Ursache einfach nicht. Die Situation war aussichtslos. Ich hatte alles versucht.

Eines Tages hörte ich allerdings von einem Rabbi, der schon viele andere Menschen geheilt und große Wunder vollbracht hatte. Große Mengen scharten sich um ihn, denn jeder wollte von ihm hören und empfangen. „Aber ich habe doch schon alles versucht, es bringt ja doch nichts“, meldete sich eine innere Stimme. Doch dann überkam mich solch eine Gewissheit, dass genau dieser Rabbi mir helfen würde. Ich kann euch nicht erklären, warum ich auf einmal diese Hoffnung verspürte, sie machte überhaupt keinen logischen Sinn, dennoch war ich mir sicher, dass ich es versuchen musste.

Glücklicherweise war die Menschenmenge sehr groß, so konnte ich mich unbeobachtet darunter mischen. Ich konnte nicht davon ausgehen, dass sich bei so vielen Menschen eine Gelegenheit ergeben würde, persönlich mit ihm zu sprechen und ihm meine Bitte vorzubringen. Doch wenn er wirklich solch eine Vollmacht hat, wie man aus den anderen Dörfern bereits berichtet hatte, dann sollte es genügen auch nur den Saum seines Gewandes zu berühren. Ja, das wollte ich tun.

Ich war ganz schön nervös, als ich mich von hinten näherte. Ich wollte auf keinen Fall Aufsehen erregen, es war schon schwer genug für mich, dieses Wagnis einzugehen und diese Hoffnung auf Heilung zuzulassen. Ich wollte einfach nur in der Menge verschwinden, geheilt werden und dann nie wieder über diese Sache reden. Ich zögerte noch kurz. Was, wenn er doch nur ein ganz normaler Lehrer ist und ich einmal mehr enttäuscht werde? Nein, ich war mir sicher, ich musste es versuchen… Und so streckte ich meine Hand nach ihm aus und streifte den Zipfel seines Gewandes.

Sofort spürte ich eine Veränderung. Meine Blutung stoppte augenblicklich. Bildete ich mir das nur ein? War das alles nur meine Aufregung und eine Wunschvorstellung? Nein, war es nicht, denn jetzt drehte sich auch der Rabbi um und fragte: „Wer hat mich berührt?“. Ich hatte doch nur den Saum seines Gewandes gestreift, so wie unzählige andere Menschen auch, schließlich war die Menge groß und das Gedränge noch größer. Auch die Jünger verstanden seine Bemerkung nicht und sahen ihn fragend an. Doch Jesus, so hieß der Rabbi, hatte ebenfalls gespürt, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war, und zwar in dem Moment als ich geheilt wurde. Das konnte doch kein Zufall sein.

Ich konnte mich also nicht länger verstecken und so fiel ich zitternd vor ihm nieder und erklärte ihm alles. Natürlich waren jetzt alle Augen auf mich gerichtet, aber auf einmal war mir das egal. Ich war ein großes Risiko eingegangen, mein Vertrauen auf Jesus zu setzen und er hatte mich nicht enttäuscht. Er hatte mich geheilt und mir Beachtung in dieser riesigen Menge geschenkt und der Rest war mir in diesem Augenblick völlig egal.

Doch damit nicht genug, Jesus nannte mich sogar seine Tochter. Jahrelang musste ich abgeschieden und einsam leiden, weil sich kaum jemand mit mir und meinen Problemen auseinandersetzen wollte oder konnte. Niemand konnte mir helfen. Ich war ebenfalls machtlos. Ich hatte ein großes, peinliches Problem, das ich mit niemandem wirklich teilen konnte. Und dann treffe ich auf diesen Jesus, der mich nicht nur heilt sondern auch noch Tochter nennt. Mein Glaube habe mich gerettet sagte er noch zu mir.

Wisst ihr, ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, eine Lösung für mein Problem zu finden. Ich dachte, das versteht doch sowieso niemand. Ich meine, nicht mal die gebildetsten Ärzte konnten das. Niemand. Bis auf Jesus.

Deswegen bin ich in der Menge geblieben und nicht schnell weggerannt. Deswegen erzähle ich diese Geschichte, auch wenn sie mir immer noch sehr unangenehm ist.

(frei nach Matt 9,20-22; Markus 5,25-34; Luk 8, 43-48)

 

Zum Nachdenken:

  • Jeder hat wohl irgendwelche peinlichen Probleme, Leichen im Keller oder fühlt sich in Dingen verurteilt, unverstanden oder allein gelassen. Lasse ich Jesus an diese Dinge ran bzw komme ich damit bewusst zu ihm?
  • Neige ich eher zum Verstecken oder bin ich bereit, meine Hand auszustrecken und den Saum zu ergreifen?

 

Zu dieser Geschichte gibt es auch ein tolles Lied von Albert Frey:

Begegnungen mit Jesus – Die Fischer
Begegnungen mit Jesus – Der Gelähmte
Begegnungen mit Jesus – Die Sünderin

 

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