Begegnungen mit JesusBibel

Begegnungen mit Jesus – Willst du gesund werden?

Achtunddreißig Jahre war ich krank und keiner konnte mir helfen. Tagein tagaus hatte ich nichts anderes zu tun als auf meiner Matte mit den anderen Kranken am Teich Bethesda zu verweilen. Bethesda, das war schon ein Hohn an sich, denn das bedeutet schließlich „Haus der Gnade“. Meine Realität zeigte allerdings eher ein Haus der Misere. Es wimmelte dort nur von Kranken, Blinden, Lahmen und Verkrüppelten. Kaum jemand Gesundes verirrte sich dorthin und freiwillig kam schon gar keiner.

Ihr fragt euch, warum ich dann dort an diesem scheußlichen Ort blieb? Nun, anfangs hatte ich noch Hoffnung auf Heilung, denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel hinab in das Wasser und wenn er es bewegte, wurde der geheilt, der es zuerst betrat. Zu dumm nur, dass ich nie der erste war. Immer war jemand anders schneller. Mir half ja auch niemand. Es war aussichtslos. Doch wohin sollte ich sonst gehen? Da konnte ich genauso gut bleiben. Für uns Krüppel hatte doch sowieso niemand etwas übrig. Schließlich sagte man überall, unsere Krankheit sei nur eine Folge der Sünde.

Ich sage euch, ich habe alles versucht. Ich konnte mir selbst nicht helfen. Ich war weder der erste im Teich, noch fand ich menschliche Hilfe. Ich war machtlos. Und ehrlich gesagt war ich an dem Punkt auch schon ziemlich hoffnungslos. Was soll man nach 38 Jahren auch erwarten?

Doch eines Tages bekamen wir Besuch am Teich Bethesda. Das war schon außergewöhnlich, denn sonst interessierte sich doch auch niemand für uns. Doch an diesem Tag besuchte uns ein Mann namens Jesus. Er unterhielt sich mit den Menschen, fragte nach ihrer Situation und sah wirklich interessiert aus. Als er zu mir kam, erzählte ich ihm voller Verzweiflung, dass ich schon eine lange Zeit hier lag. Daraufhin sah er mich ganz fest an und fragte: „Willst du gesund werden?“

Eine Frechheit! Was denkt der sich eigentlich? Meint der ich liege hier zum Spaß, weil der Boden so bequem oder die Aussicht so toll ist? Natürlich würde ich gerne gesund werden, aber ich kann ja nicht. Weiß der eigentlich, was ich schon alles probiert habe? Kann der sich überhaupt vorstellen, wie das für jemanden wie mich ist? Ich fasse es nicht, dass er mich so etwas fragt!

Ich muss euch leider sagen, das waren meine ersten Gedanken, doch ich bemühte mich, höflich zu bleiben, denn dieser Jesus war schließlich ein angesehener Lehrer. So sagte ich zu ihm: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser bewegt wird; während ich aber selbst gehe, steigt ein anderer vor mir hinab.“ (Joh 5,7)

Während ich noch sprach, spürte ich allerdings eine klitzekleine Gefühlsregung. Ein winziger Funken Hoffnung keimte in mir auf als ich darüber nachdachte, warum Jesus mir diese Frage gestellt hatte. Wenn er mir eh nicht helfen wollte, dann hätte er doch auch gar nicht fragen brauchen. Wollte er damit etwa andeuten, dass es doch noch einen Weg zur Heilung gab? Das wäre wirklich unglaublich. Sollte ich es riskieren, diesen Gedanken zuzulassen oder lieber alle Hoffnung im Keim ersticken und mich vor Enttäuschung schützen? Doch dafür war es zu spät, Jesus hatte einen Nerv getroffen. Wollte ich gesund werden oder hatte ich mich schon so sehr an meine Misere gewöhnt, dass sie mir zur Heimat geworden war? Wollte er mich wirklich durch diese Frage verhöhnen oder bot er mir gerade seine Hilfe an? Ich sollte es sogleich herausfinden.

„Steh auf, nimm deine Liegematte und geh umher!“, sagte Jesus zu mir. Einerseits wollte ich lachen und ihn fragen, ob er wüsste, wie oft ich das genau schon probiert hatte. Andererseits sprach er mit solch einer Vollmacht, dass ich ihm glauben wollte. Klar hatte ich Angst, dass meine Hoffnung doch wieder enttäuscht würde, doch ich war bereit, diesen Glaubensschritt zu gehen – im wahrsten Sinne des Wortes, denn meine Beine trugen mich und ich war geheilt!

Ich habe mich noch oft danach gefragt, warum Jesus mich nicht einfach im Vorbeigehen geheilt hat, so wie er es mit anderen auch getan hatte. Genau weiß ich es natürlich nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er mich zuallererst lehren wollte, meine Hoffnung wieder zu finden und seinen Worten zu glauben und dann erst meine körperlichen Gebrechen heilen.

Und so sage ich euch heute: Gebt die Hoffnung nicht auf und macht es euch in eurer persönlichen Misere nicht zu sehr gemütlich. Jesus drängt sich nicht auf, sondern fragt „Willst du gesund werden?“

 

Zum Nachdenken:

  • Die Frage „Willst du gesund werden?“ ist keine zynische Frage, obwohl die Antwort ja eigentlich mehr als offensichtlich war. Sie ist vielmehr eine Einladung, die sagt: „Ich habe die Vollmacht, du kannst also, wenn du möchtest“
  • Mit welchen Situationen habe ich mich schlichtweg abgefunden oder die Hoffnung aufgegeben, obwohl Gott noch so viel mehr für mich hätte?

 

Begegnungen mit Jesus – Die Fischer
Begegnungen mit Jesus – Der Gelähmte
Begegnungen mit Jesus – Die Sünderin
Begegnungen mit Jesus – Nur den Saum deines Gewandes
Begegnungen mit Jesus, Muttertag & Bloggeburtstag
Begegnungen mit Jesus – Freund der Sünder
Begegnungen mit Jesus – Der Wahrheit ins Auge blicken

 

Literatur:
Exell, Joseph S. „Commentary on John 5:4“. Preacher’s Complete Homiletical Commentary. https://www.studylight.org/commentaries/phc/john-5.html. Funk & Wagnalls Company, 1892.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere