Bibel

„Ich bin nicht geeignet!“ Berühmte Ausreden – Teil III

Ausrede #3 heißt: „Ich bin nicht geeignet!“. Irgendwie gleichen bzw. wiederholen sich die Ausreden ja schon, trotzdem finde ich es spannend, die jeweiligen Personen und besonders auch Gottes Reaktion auf die Ausrede, noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ausrede #3: Soziale Position

Heute geht es um Gideon.
Text: Richter 6,1-24 (besonders Vers 15)

Direkt im ersten Satz erfahren wir die Ausgangslage:

Die Israeliten taten, was dem HERRN missfiel. Da ließ er die Midianiter sieben Jahre lang über sie herrschen. Die Israeliten wurden von ihnen so schwer unterdrückt, dass sie sich in Felsklüften, in Höhlen und auf den Bergen verstecken mussten. (Richter 6,1-2)

Die Midianiter richteten so eine Verwüstung an, dass Israel den Herrn um Hilfe anschrie. Gott nutzte diese Gelegenheit um (durch Propheten) zu erklären, warum Israel überhaupt in diese Lage gekommen war – nämlich ihr Ungehorsam.

Doch Gott belässt es nicht bei der Standpauke, sondern sendet tatsächlich Hilfe. Er schick einen Engel zu Gideon, um ihm einen wichtigen Auftrag anzuvertrauen, denn er soll Israel aus der Hand der Midianiter befreien.

Die Kommentatoren, die ich mir angesehen habe, sind sich tatsächlich nicht einig, ob Gideon sich schon früher als Anführer bewährt hatte oder von besonders imposanter Statur war, oder ob Gott schon jemanden in ihm sah, in den Gideon sich noch entwickeln würde. Die Frage ist also: Wählte Gott nach Potenzial oder nach vergangenen Erfolgen?

Fakt ist jedenfalls, dass wir Gideon beim Weizendreschen in einer Kelter antreffen (V. 11). Was ist daran so besonders? Eine Kelter wurde zur Weinherstellung benötigt, indem der Traubensaft mit den Füßen hinaus gestampft wurde. Auf Wikipedia kann man sich die „Historische Weinpresse im Weingut Gvaot Olam (Israel, 9./8. Jahrhundert vor Christus)“ ansehen. Sieht für mich verdächtig nach einem Erdloch aus (was ja auch zu der Beschreibung in Richter 6,2 passt).

גת_עתיקה_בחוות_גבעות_עולם_01
Foto: Anatbc1 via Wikimedia Commons

Hat schon mal jemand Weizen von Hand gedroschen? Beim Dreschen wird das leichte Stroh durch Wind oder selbst erzeugte Luftströmung weggepustet, während die schwereren Körner zu Boden fallen und dort aufgesammelt werden können. Eben die Sprichwörtliche Spreu vom Weizen trennen. Dafür stelle ich mir ein dunkles Erdloch nicht gerade optimal vor. Gideon nahm das jedoch in Kauf, um „das Getreide vor den Midianitern in Sicherheit zu bringen“ (V. 11).

Und genau an diesem Ort begrüßt ihn der Engel des Herrn mit den Worten: »Der HERR steht dir bei, du starker Kämpfer!« (6,12 HFA) bzw. »Der HERR ist mit dir, du tapferer Held!« (SCH).

Fast schon ironisch… Jedenfalls antwortet Gideon mit einer Frage, die wir uns vielleicht alle schon einmal gestellt haben:

 »Ach, mein Herr, wenn Gott uns wirklich beisteht, warum geht es uns dann so schlecht? Wo sind all die Wunder, von denen unsere Eltern uns erzählt haben? Sie sagen, der HERR habe uns aus Ägypten befreit. Aber was ist jetzt? Er hat uns verlassen und den Midianitern ausgeliefert!« (6,13)

Doch genau deswegen bekommt Gideon ja den Besuch, denn auch wenn es sich so anfühlen musste, war Gott Israels Schicksal nicht egal. Genau deswegen schickt Gott den Engel zu Gideon, denn genau er soll Israel in dieser Situation zum Retter werden. Das sieht Gideon natürlich gar nicht so und widerspricht sofort mit unserer Ausrede #3:

»Aber wie soll ich Israel denn retten?«, rief Gideon. »Meine Sippe ist die kleinste in Manasse, und ich bin der Jüngste in unserer Familie.« (6,15)

Was folgt, ist eine längere Diskussion mit mehreren Bitten um Zeichen und Wunder. Diesmal ist Gott sehr geduldig mit dem Zweifler und liefert Bestätigung über Bestätigung. Irgendwann kann dann auch Gideon glauben, dass seine soziale Position kein Hindernis für Gottes Plan ist und macht sich an die Arbeit.

Die weiteren Geschehnisse sind wirklich interessant nachzulesen, würden aber hier den Rahmen sprengen. Es sei nur so viel  gesagt: Gott hatte Recht und Gideon hat gesiegt.

Und wem das zu viel Altes Testament ist, der kann sich auch Johannes 4,7-30 ansehen. Dort spricht Jesus mit einer Frau am Brunnen, die auch nicht dem sozialen Ideal der Zeit entsprach. Doch auch sie wurde in Gottes Geheimnisse eingeweiht, verbreitete die gute Botschaft und spielte somit eine wichtige Rolle.

Ich erinnere mich leider nicht mehr, wer es gesagt hat, aber ich habe in meiner Bibel eine Predigtnotiz kleben: „Gott sieht den tapferen Helden von morgen, während Gideon noch den verängstigen und entmutigten Mann von heute sieht“.

Gott hat in uns alle einiges an Potenzial hineingelegt. Auch wenn wir es noch nicht erkennen, können wir ihm ruhig glauben, was er sieht. Wir müssen uns nicht von Ängsten und Unsicherheiten herumkommandieren lassen. Das Ziel ist nicht, irgendwie klarzukommen und einfach das Beste draus zu machen.

 

Zu den anderen Ausreden:
„Aber Gott…“ Berühmte Ausreden – Teil I
„Ich kann das nicht!“ Berühmte Ausreden – Teil II
„Ich bin zu alt, zu jung, zu irgendwas…“ – Berühmte Ausreden – Teil IV
„Dem kann man es doch sowieso nicht recht machen…“ – berühmte Ausreden – Teil V
Erfolg, eigene Ziele, Karriere – Berühmte Ausreden – Teil VI
„Ich weiß von nichts“ – Berühmte Ausreden – Teil VII
„Aber die anderen…“ – berühmte Ausreden – Teil VIII

 

Bibeltext der Schlachter Übersetzung
Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.