Bibel

„Ich bin zu alt, zu jung, zu irgendwas…“ – Berühmte Ausreden – Teil IV

Kennt ihr diese Einwände? „Was soll ich schon ausrichten? Ich bin doch viel zu jung.“ oder „Was kann ich noch groß dazu beitragen? Ich bin doch schon viel zu alt.“ In meinem Alter kann man glücklicherweise sogar beide verwenden und sich so die jeweils nützlichere herauspicken… Das bringt uns zu:

Ausrede #4: Persönliche Mängel

Ach, Herr, Herr, siehe, ich kann nicht reden, denn ich bin noch zu jung! (Jer 1,6)

Dieser Satz stammt von Jeremia, der von Gott zum Propheten berufen wurde. „Welch ehrenvolle Aufgabe“ mag man jetzt meinen. Doch um euch einen kleinen Einblick in die Schwierigkeit dieses Auftrags zu geben, zitiere ich mal aus der Einleitung in meiner Schlachterbibel:

Der Prophet Jeremia (hebr. Jirmejahu = »Der Herr gründet / erhöht«) lebte etwa von 660 bis 580 v. Chr. und übte seinen Dienst unter den letzten sieben Königen von Juda aus. Er stammte aus einem Priestergeschlecht in Anatot, wurde schon in jungen Jahren als Prophet berufen (1,1-10) und blieb um den Herrn willen ledig (16,2). Als Bote des Herrn mußte er dem immer verderbter handelnden Volk eine ernste Gerichtsbotschaft verkünden, an der der empfindsame Jeremia selbst sehr litt; er wird nicht umsonst »der weinende Prophet« genannt. Für seine Botschaft, daß Jerusalem fallen und Juda in Gefangenschaft geraten wird, schlug ihm von den Führern und dem Volk viel Haß und Feindseligkeit entgegen; er wurde als Landesverräter ins Gefängnis geworfen und kam beinahe in einer Zisterne um. Ihm traten auch viele falsche Propheten entgegen, die dem abtrünnigen Juda »Friede und Sicherheit« weissagten und das Volk irreführten (Kap. 23). Er mußte erleben, daß der gottlose König Jojakim die von ihm aufgezeichneten Worte Gottes zerschnitt und verbrannte (Kap. 36)1

Auch wenn Jeremia das sicher nicht alles vorhersehen konnte, kommt mir sein Einwand auf einmal sehr begründet vor. Das war wirklich keine leichte Aufgabe und wer wünscht sich schon so eine Zukunft? Denken wir nicht meistens eher, dass solange wir Gottes Willen tun, alles glatt laufen sollte und wir uns gesegnet fühlen müssten…?

In den folgenden Versen verspricht Gott Jeremia zwar keine rosige Zukunft, aber etwas viel wertvolleres:

Aber der Herr sprach zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«; sondern du sollst zu allen hingehen, zu denen ich dich sende, und du sollst alles reden, was ich dir gebiete! Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der Herr. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an; und der Herr sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund!
(Jer 1,7-9)

Und trotz aller Bedenken und Ängste glaubte Jeremia Gott und tat, was im aufgetragen wurde.

Vielleicht hast du dich ja auch schon einmal gefragt, warum Gott sich so oft die denkbar ungeeignetsten Personen aussucht, um einen Auftrag zu erfüllen und was diese Leute dann doch qualifiziert. Ich habe mich das jedenfalls schon oft gefragt (z.B. in »Gott, siehst du nicht, was ich alles für dich tun könnte…?« Teil I und Teil II)

Ich habe da ja eine Vermutung, doch die hat Charles Spurgeon schon lange vor mir ausformuliert. Er schreibt über Jeremia:

Er war jung und wenn junge Männer von Gott zu Botschaftern berufen werden, ziemt es sich für sie, das Gewicht dieser Verantwortung zu spüren, das auf ihnen lastet. Ferner sollten sie sich ihrer mangelnden Erfahrung bewusst sein und dem eigenen Wunsch, für diese Arbeit geeignet zu sein. In der Erkenntnis, gerade nicht geeignet zu sein, liegt dann oft der Beweis der Eignung für die Aufgabe, die ihnen anvertraut wurde. Vielleicht sollen sie in ihrer Schwäche stark gemacht werden; wenn sie ihre Schwäche aber nicht fühlen, ist es unwahrscheinlich, dass sie Gott um Hilfe anrufen und sie bekommen werden. „Ach, Herr, Herr“, sagte der junge Jeremia, „ich kann nicht reden, denn ich bin noch zu jung!“2
(Übersetzung aus dem Englischen von mir)

Ein interessanter Gedanke, den ich persönlich auch nur immer wieder bestätigen kann. Eigentlich möchte ich auch in keiner meiner Aufgaben so geübt und sicher werden, dass ich das Gefühl habe, sie alleine bewältigen zu können. Auf Gott angewiesen zu sein ist oft furchtbar anstrengend und herausfordernd, dennoch ist es die geeignetste Position, in der Gott mit uns arbeiten kann.

In diesem Fall ist unsere Ausrede #4 also gar keine wirkliche Ausrede sondern die wichtige Erkenntnis, dass wir in allem auf Gott angewiesen sind und Erfolg allein von ihm kommt.

Bleibt in mir, und ich [bleibe] in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Joh 15,4-5)

PS: Die „zu alt“ Vertreter habt ihr vielleicht schon erraten: Abraham und Sarah. Ihre Geschichte steht in 1. Mose ab Kapitel 17 und auch sie fühlten sich so ungeeignet, dass es für einen schlechten Scherz von Gott hielten. Doch Gott behielt auch hier Recht und später heißt es:

Durch Glauben erhielt auch Sarah selbst die Kraft, schwanger zu werden, und sie gebar, obwohl sie über das geeignete Alter hinaus war, weil sie den für treu achtete, der es verheißen hatte. (Hebr 11,11, Hervorhebung von mir)

Durch Glauben… manchmal ist es so schwer und ich würde viel lieber „durch Verstand“ oder „durch Logik“ lesen, aber das steht dort leider nicht und deshalb tu ich das einzig vernünftige: glauben.

 

Zu den anderen Ausreden:
„Aber Gott…“ Berühmte Ausreden – Teil I
„Ich kann das nicht!“ Berühmte Ausreden – Teil II
„Ich bin nicht geeignet!“ Berühmte Ausreden – Teil III
„Dem kann man es doch sowieso nicht recht machen…“ – berühmte Ausreden – Teil V
Erfolg, eigene Ziele, Karriere – Berühmte Ausreden – Teil VI
„Ich weiß von nichts“ – Berühmte Ausreden – Teil VII
„Aber die anderen…“ – berühmte Ausreden – Teil VIII

 


Quellen:

Bibeltext der Schlachter Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft.

1 http://www.schlachterbibel.de/de/bibel/jeremia/

2 Spurgeon, Charle Haddon. „Commentary on Jeremiah 1:4“. „Spurgeon’s Verse Expositions of the Bible“. https://www.studylight.org/commentaries/spe/jeremiah-1.html. 2011.

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