Bibel

„Dem kann man es doch sowieso nicht recht machen…“ – berühmte Ausreden – Teil V

Wer kennt sie nicht, diese Aufgaben, wo man von vorne herein weiß, man wird es dem Vorgesetzten sowieso nicht recht machen können…? Tu ich also lieber was ich kann, auch wenn ich weiß, es wird nicht reichen oder lasse ich es direkt bleiben?

Ausrede #5: Die Angst, etwas falsch zu machen (oder vor dem „strengen Vorgesetzten“)

Ausrede #5 erzählt Jesus diesmal selbst. Er erklärt gerade anhand von mehreren Gleichnissen seinen Jüngern, wie das mit seiner Wiederkunft und dem Ende der Weltzeit sein wird (Matt 24,3).

In Matt 25,14-30 berichtet er von einem Herrn, der verreist und seinen Dienern solange seinen Besitz anvertraut. Einer bekommt fünf Talente, einer zwei und einer eins – „jedem nach seiner Kraft“ (V. 15). Zwei verdoppeln den Besitz in der Abwesenheit des Herrn und der dritte vergräbt es. Nach seiner Wiederkehr belohnt der Herr die beiden Diener, die gut gewirtschaftet haben. Der dritte im Bunde brachte sein Talent auch wieder mit und die Ausrede hatte er ebenfalls gleich parat:

Da trat auch der hinzu, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg dein Talent in der Erde. Siehe, da hast du das Deine! (Matt 25,24-25, Hervorhebung von mir)

Mit anderen Worten: „Ich hatte solche Angst zu versagen oder es dir sowieso nicht recht zu machen, da habe ich lieber gar nichts getan.“

Das stellt mich vor die Frage: Reicht es, einfach nur nichts falsch zu machen?

Die Antwort des Herrn in der Geschichte ist klar: „Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird das Heulen und Zähneknirschen sein.“ (V. 30)

Wie man hier sieht, reicht „nichts falsch machen“ jedenfalls nicht, um Jesus zu gefallen.

Ok, dann eine andere Frage: Warum werde ich dann für etwas verantwortlich gemacht, was ich gar nicht schaffen konnte?

Ich stelle mir das gerade so vor, am Ende meines Lebens vor Gott zu stehen und zu ihm zu sagen: „Laut Römer 3,10 und 23 ist keiner gerecht, auch nicht einer und alle haben gesündigt und die Herrlichkeit, die sie vor dir haben sollten, verfehlt. Ich wusste also, dass ich es dir nicht recht machen konnte, da konnte ich es ja auch gleich lassen…“

Worauf Gott vielleicht antworten würde: „Hast du Vers 24 gelesen? …sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ich habe dir die Lösung doch selbst präsentiert.“

Das ist natürlich rein fiktiv und ich bin mir ganz sicher, diese Dreistigkeit besäße ich nicht… So sehr ich Gott eigentlich als liebevollen, gnädigen und geduldigen Vater kenne, so heilig und gerecht ist er auch. Doch sind wir ehrlich, es gibt hin und wieder wirklich Situationen, wo ich resigniert da sitze und in meinem Frust sage: „Gott, dir kann ich es auch einfach nicht recht machen.“ Und irgendwie stimmt das ja auch, aber das ist nicht alles, denn genau einer kann es doch: Jesus Christus.

Dritte Frage: Warum hatten die anderen beiden keine Angst, wenn der Herr doch als „harter Mann“ bekannt war?

Oder hatten sie Angst und haben sich einfach nur nicht davon bestimmen lassen? Kannten sie vielleicht noch eine andere Seite an diesem Herrn, die dem einen Knecht verborgen war? Oder war das ganze diesmal wirklich nur eine ganz faule Ausrede?

Kann es also sein, dass die Angst Gott eventuell nicht gefallen zu können, uns in Wahrheit sogar davon abhält, ihm (durch den Glauben an und die Vergebung von Jesus) zu gefallen?

Seht Freunde, wie oft Angst die Mutter der Mutmaßungen ist. Zuversicht in Gott erzeugt eine heilige Furcht. Unheilige Furcht hingegen, bewirkt nur Zweifel an Gott und führt uns in eine verzweifelte Rebellion und Unglauben. Gott rette uns vor solch einer Furcht! – Charles Spurgeon1 (Übersetzung von mir)

Furcht ist eben nicht gleich Furcht. Wer sich Gott widersetzt oder ihn nicht ernst nimmt, hat sicherlich allen Grund, sich zu fürchten. Doch wer ihm ernsthaft glaubt und gefallen möchte, der muss sich von Angst nicht länger lähmen lassen und darf sich darauf verlassen, dass Gott uns in unserer Schwachheit und Unzulänglichkeit hilft.

Und wir haben die Liebe erkannt und geglaubt, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen geworden, dass wir Freimütigkeit haben am Tag des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe. (1. Joh 4,16-18)
Und wenn ich trotzdem noch nicht weiß, wie ich Gott gefallen kann, was sein Wille ist, oder was ich mit meinen Talenten tun soll? Hier hätte ich zwei Vorschläge für den Anfang: Bibel und Gebet.
Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden. (Jak 1,5)
Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit recht teilt. (2.Tim 2,15) (Hervorhebungen von mir)

 

Zu den anderen Ausreden:
„Aber Gott…“ Berühmte Ausreden – Teil I
„Ich kann das nicht!“ Berühmte Ausreden – Teil II
„Ich bin nicht geeignet!“ Berühmte Ausreden – Teil III
„Ich bin zu alt, zu jung, zu irgendwas…“ – Berühmte Ausreden – Teil IV
Erfolg, eigene Ziele, Karriere – Berühmte Ausreden – Teil VI
„Ich weiß von nichts“ – Berühmte Ausreden – Teil VII
„Aber die anderen…“ – berühmte Ausreden – Teil VIII

 

Quellen:
Bibeltext der Schlachter Übersetzung
Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf

1Spurgeon, Charles Haddon. „Commentary on Matthew 25:4“. „Spurgeon’s Verse Expositions of the Bible“. https://www.studylight.org/commentaries/spe/matthew-25.html. 2011.

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