Bibel

„Ich weiß von nichts“ – Berühmte Ausreden – Teil VII

„Ignorance is bliss“ (Unwissenheit is Glückseligkeit) lautet ein beliebtes englisches Sprichwort. Oft genug passt es auch wirklich gut. Ich habe letztens noch zu einer Freundin im Scherz gesagt, dass mein Leben so viel einfacher war, als ich mit den meisten nur oberflächlich befreundet war und von den ganzen Problemen nichts mitbekommen habe. Die „Komplikationen“ sind es mir definitiv wert, doch manchmal klingt „Keine Ahnung, hab ich nicht mitbekommen“ nach so einer tollen und bequemen Lösung…

Leider gibt es im Deutschen noch eine weitere Redewendung: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Das wäre vielleicht auch eine passende Überschrift für den heutigen Text und die

Ausrede #7 – „Ich weiß von nichts“

31 Wenn aber der Sohn des Menschen kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen; 32 und vor ihm werden versammelt werden alle Nationen, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. 33 Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. 34 Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an! 35 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; 36 nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir. 37 Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? 38 Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? 39 Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch zu denen zur Linken sagen: Geht von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken; 43 ich war Fremdling, und ihr nahmt mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet mich nicht; krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht. 44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan. 46 Und diese werden hingehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben. (Matt 25,31-46)

Es geht hier also um Jesu Wiederkehr und ein Gericht, das „alle Nationen“ betreffen wird, sprich: jeden. Außerdem wird es zwei Gruppen geben, nämlich die Schafe und die Böcke. Während die Schafe als gesegnete Erben bezeichnet werden, nennt Jesus die Böcke verflucht. Den Grund liefert er auch direkt mit, denn die einen gaben ihm Kleidung, Verpflegung und Unterkunft und zeigten sich somit gastfreundlich und die anderen taten es eben nicht. Interessanterweise antworten beide Gruppen mit fast den selben Worten:

37 Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? 38 Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? 39 Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir?

44 Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig oder durstig oder als Fremdling oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?

Für die einen ist es eine echte Frage, für die anderen ein Vorwand und eine Ausrede. Natürlich ist die Frage berechtigt, denn Jesus spricht ja auch nicht wortwörtlich von sich selbst, sondern im übertragenen Sinne.

Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan. (V. 40)

Beide Gruppen hatten Kontakt mit diesen „geringsten“ Brüdern und niemand wusste, dass Jesus die ihnen entgegengebrachte Freundlichkeit persönlich nehmen würde. Die einen waren trotzdem gastfreundlich und die anderen haben einfach keine Notwendigkeit gesehen. Ignorance is bliss…

Doch wie man hier deutlich sieht, lässt Jesus sich nicht auf ein „Ich weiß von nichts“ ein. Unwissenheit ist also doch keine geeignete Ausrede.

Mal ganz davon abgesehen hat Jesus auch Reden wie die folgende gehalten. Und dann noch zu sagen „Ich wusste das nicht“ ist schon schwierig.

27 Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen! 29 Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Untergewand nicht! 30 Gib jedem, der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück! 31 Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, tut ihnen ebenso! 32 Und wenn ihr liebt, die euch lieben, was für einen Dank habt ihr? Denn auch die Sünder lieben, die sie lieben. 33 Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank habt ihr? Auch die Sünder tun dasselbe. 34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr wieder zu empfangen hofft, was für einen Dank habt ihr? Auch Sünder leihen Sündern, damit sie das Gleiche wieder empfangen. 35 Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen! Und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. 36 Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6, 27-36)

Natürlich kann kein Mensch das alles fehlerfrei erfüllen, aber Ausreden lässt Gott eben auch nicht gelten. Und aus diesem Dilemma gibt es tatsächlich nur eine Lösung:

16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. (Johannes 3,16-18)

Auch wenn wir die Frage nach dem ewigen Leben für uns persönlich schon geklärt haben, gibt es vielleicht noch Teilbereiche unseres Glaubens, die wir lieber in „Unwissenheit“ lassen wollen, als Verantwortung dafür zu übernehmen?

Gibt es Bibelstellen oder bestimmte Themen, die wir lieber „übersehen“?

Gibt es Personen, Dinge, Angewohnheiten mit denen wir uns lieber nicht näher beschäftigen aus Angst vor neuen Erkenntnissen?

 

Zu den anderen Ausreden:
„Aber Gott…“ Berühmte Ausreden – Teil I
„Ich kann das nicht!“ Berühmte Ausreden – Teil II
„Ich bin nicht geeignet!“ Berühmte Ausreden – Teil III
„Ich bin zu alt, zu jung, zu irgendwas…“ – Berühmte Ausreden – Teil IV
„Dem kann man es doch sowieso nicht recht machen…“ – berühmte Ausreden – Teil V
Erfolg, eigene Ziele, Karriere – Berühmte Ausreden – Teil VI
„Aber die anderen…“ – berühmte Ausreden – Teil VIII

 

Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.