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Buchtipp: Nein sagen ohne Schuldgefühle

Darf ich als Christ eigentlich auch „nein“ sagen? Zu Sünde sicherlich, da werde ich sogar zu aufgefordert. Doch was ist mit guten Dingen? Darf ich in der Familie im Umgang mit meinen Kindern Ansprüche stellen und Sanktionen verhängen oder bin ich dann herzlos? Darf ich einen uneinsichtigen Freund vor die Wand der Konsequenzen fahren lassen, oder ist das unterlassene Hilfeleistung? Darf ich in der Gemeinde ein Hilfegesuch oder eine Dienstanfrage ablehnen oder handle ich dann egoistisch? Darf ich als Christ überhaupt von MEINEM Besitz, MEINEN Zielen und MEINEM Leben sprechen und mich dafür einsetzen oder habe ich dann direkt den Willen Gottes verpasst, sich um andere zu kümmern? Ich habe jetzt dreimal in einem Satz „MEINS“ gesagt, bin ich überhaupt Christ? (Ok Scherz beiseite, aber manchmal huschen auch solche Gedanken durch meinen Kopf)

Nein sagen ohne Schuldgefühle

Mit solchen und noch vielen anderen Fragen zum Thema Grenzen setzen beschäftigen sich die beiden christlichen Psychologen Henry Cloud und John Townsend. 

Es beginnt mit der Beschreibung eines Menschen ohne Grenzen. Man liest von einem chaotischen Tag, der natürlich überspitzt dargestellt wird, und wird sich unweigerlich an der einen oder anderen Stelle ertappt oder verstanden fühlen – verstanden, weil man ja tatsächlich oft denkt, nicht einmal etwas dafür zu können, dass die Umstände oder die anderen Menschen so sind, wie sie sind. Allerdings wird sehr schnell klar, wo mein Verantwortungsbereich beginnt, wo er aufhört und was ich tun kann, um dort wo er endet bzw beginnt klare Grenzen zu ziehen.

Die Autoren erklären diese Grenzen an einem einfachen Beispiel: Häuser mit Grundstücken, Zäunen, Mauern und Toren. Sie erklären an diesem Beispiel klare Besitzverhältnisse und wie man sich trotzdem trifft, besucht und in Gemeinschaft lebt, aber – wenn nötig – auch seinen Besitz vor Übergriffen und Ausbeutung schützt. 

Speziellen Grenzsetzungsthemen ist jeweils ein Kapitel gewidmet: Familie, Freunde, Partner, Kinder, Arbeit, Selbst und Gott. Außerdem räumen die Autoren über Mythen bezüglich Grenzsetzung auf und zeigen, wie man gesunde Grenzen entwickelt und durchsetzt. 

Der Titel „Nein sagen ohne Schuldgefühle“ trifft das Thema einerseits sehr gut, da sich viele Christen nicht trauen, das als egoistisch verpönte Wort „nein“ für an sich gute Dinge zu verwenden. Andererseits geht es in dem Buch aber gar nicht darum, zu lernen, zu allem nein zu sagen und sich abzugrenzen, es geht vielmehr darum, den eigenen Besitz zu pflegen und kultivieren, so dass man nicht ständig ausgelaugt und ausgeraubt ist, sondern tatsächlich auch Früchte hervorbringt. Denn nur was ich selbst habe, kann ich anderen geben.

Dieses Buch ist ein christliches Buch, wer allerdings eine Bibelauslegung erwartet, wird enttäuscht werden. Im Vordergrund steht fundiertes und praxiserprobtes psychologisches Fachwissen, welches von zwei Christen vermittelt und mit biblischen Prinzipien vereint bzw erklärt wird. Sicherlich wird man hin und wieder über kulturelle Ansichten stolpern oder auch nicht jeden Ratschlag gut finden – gerade über Kindererziehung lässt sich ja sehr gut streiten. Letztendlich muss da jeder Mensch seinen eigenen Weg finden, trotzdem ist dieses Buch eine gute Starthilfe mit sehr praktischen Tipps, die man umsetzten kann, oder auch nicht. 

 

 

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