Bibel

Ein „gefährliches“ Gebet

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Soll Ich Euch sagen, welches meiner Gebete Gott sehr zuverlässig beantwortet? Und soll Ich Euch auch sagen, warum ich mich anschließend oft frage: „Waaaah, warum hast du das nur gebetet?“? Also gut.

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Wege!“
Psalm 139:23-24 ELB

Eigentlich stammen diese Worte von David, aber sinngemäß nutze ich sie auch. David hat gerade 18 Verse lang darüber nachgesonnen, dass Gott uns sowieso schon in- und auswendig kennt, dass ihm selbst unsere geheimsten Gedanken und Absichten nicht verborgen sind und dass wir uns vor ihm auch nicht verstecken können.

Dann kommt ein ziemlich harter Bruch, denn plötzlich denkt er an seine Feinde und die, die eben nicht nach Gottes Willen leben wollen.

„Denn sie reden arglistig gegen dich; deine Feinde erheben [ihre Hand] zur Lüge. Sollte ich nicht hassen, die dich, Herr, hassen, und keine Abscheu empfinden vor deinen Widersachern?“
Psalmen 139:20-21 SCH2000

Kennt Gott deren Gedanken nicht auch? Sind ihm ihre Absichten nicht auch offenbar? Die Stimmung, die gerade noch behaglich, vertraut und geborgen war, schreit auf einmal „Unfair, tu doch was!“.

Doch dann besinnt David sich wohl doch wieder auf seinen Ausgangspunkt und greift Verse 1-2 mit folgenden Worten wieder auf:

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Wege!“
Psalm 139:23-24 ELB

Solche gefühlsmäßigen Achterbahnfahrten sind mir ja so vertraut. In einem Satz danke ich Gott für seine Gnade und Vergebung und seinen Segen in meinem Leben und im nächsten Satz beschwere ich mich, wie unfair es doch ist, wenn jemand anders ganz offensichtlich nicht nach seinen Standards lebt. Ich denke mal, wenn David es vorgemacht hat, ist es in Ordnung, sich bei Gott über andere zu beschweren (zumindest besser bei Gott als bei den Arbeitskollegen oder so).

Trotzdem finde ich den Schluss sehr interessant, denn letztendlich können wir weder die Gedanken, noch die Absichten, noch die Handlungen anderer wirklich steuern, aber dafür müssen wir uns ja auch nicht verantworten. In meinen eigenen Worten kurz zusammengefasst bedeutet Psalm 139 für mich:

Gott, ich weiß du kennst mich durch und durch und egal, was ich mache oder wohin ich fliehe, du findest mich. Danke. Aber siehst du nicht, was die anderen machen? Wir müssen doch etwas gegen diese Ungerechtigkeit unternehmen! Okay Gott, ich sehe ein, ich kann nur meine eigenen Gedanken und Schritte lenken. Bitte zeig mir, wo ich ungerecht war und hilf mir auf den richtigen Weg.

Warum nenne ich es ein „gefährliches“ Gebet? Wecke ich damit schlafende Hunde oder mache Gott auf meine Fehler aufmerksam? Nein, bekannt sind sie ihm sowieso. Gefährlich ist es nur, weil es eine Einladung an ihn ist, mich darauf aufmerksam zu machen und meine Erfahrung zeigt, diese Einladung nimmt er meistens an.

Auch wenn mir das Ergebnis nicht immer gefällt, ist das Gebet „Gott, arbeite an mir“ eins, das er liebend gerne beantwortet. Manchmal kommt mir dieser Gedanke einfach „gefährlich“ vor. Nicht weil ich Gott nicht vertraue, dass er es gut mit mir meint, sondern weil es bedeutet unbequemen Wahrheiten ins Gesicht zu sehen und Veränderung zuzulassen.

Sind wir bereit an uns arbeiten zu lassen? Dann ist Psalm 139 ein guter Startpunkt:

„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Wege!“
Psalm 139:23-24 ELB

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