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Entscheidungen und die Angst vor Fehlern

Entscheidungen treffen Angst vor Fehlern

Wir müssen Entscheidungen treffen, ob wir wollen oder nicht! Denn auch wenn wir uns weigern, treffen wir eben doch irgendwie eine Entscheidung und sei es nur zum Stillstand. Schlimmstenfalls jedoch, wird uns jemand anders einfach die Wahl abnehmen und vor vollendete Tatsachen stellen. Auch keine schönen Aussichten. Warum tun wir uns dann trotzdem oft so schwer damit, Entscheidungen zu treffen? Manchmal bin ich ja schon bei der Wahl der Marmeladensorte überfordert, da will ich von den wirklich schwerwiegenden Dingen gar nicht erst anfangen…

Dazu kommt dann noch, dass ich als Christ ja auch noch den Anspruch habe, nicht nur für mich selbst das Beste herauszupicken, sondern dabei auch noch Gottes Willen zu suchen. Warum macht Gott uns das eigentlich nicht viel einfacher? Er könnte doch einfach sagen: „Dies hier ist der Weg, dem ihr folgen sollt!“ (Jes 30,21b GNB). Fertig.

Wenn du dich das auch manchmal fragst, herzlich willkommen in einer neuen Reihe über Entscheidungen. Nach dem Beitrag Folge deinem Herzen und den Ereignissen der letzten Tage und Wochen, habe ich beschlossen, eine ganze Blogreihe zum Thema Entscheidungen zu machen, immerhin sagt man, wir treffen täglich mehr als 20.000 davon.

 

Entscheidungen und der freie Wille

Warum sagt Gott denn nicht einfach: „Dies hier ist der Weg, dem ihr folgen sollt!“? Eigentlich tut er das ja, leider nur oft nicht so deutlich, wie ich es mir wünsche. Außerdem habe ich hier auch nur einen halben Vers zitiert, im Teil davor heißt es nämlich: „Wenn ihr nach rechts oder links abbiegen wollt, werdet ihr hinter euch eine Stimme hören“. Das impliziert, dass wir bereits unterwegs sind und uns auf dem Weg leiten lassen und nicht zu Hause im Kämmerlein sitzen, bis wir alles genauestens geplant haben und vorhersehen können.

In dem Blogpost Du darfst schreibt Heldenmut4110 folgende Zeilen:

Der Wunsch, Gottes Willen zu folgen, ist nicht grundsätzlich schlecht. Ich muss mir aber eingestehen, dass er zu einem gewissen Teil aus Angst geboren ist. Die Angst, etwas falsch zu machen, zu versagen, Gott zu enttäuschen und verletzt zu werden.

Ich fühlte mich ertappt! Nutze ich das Bestreben, Gottes Willen zu suchen, nicht auch manchmal als Ausrede für Bequemlichkeit, Angst vor dem Ungewissen oder schiere Überforderung? Da bin ich wieder bei meinem Perfektionismus angelangt, den ich beim letzten Mal beschrieben habe. Anscheinend habe ich den Anspruch an mich selbst, ausschließlich richtige Entscheidungen zu treffen und wenn ich das als „Gottes Willen suchen“ verpacke, dann klingt es sogar noch sehr fromm. Doch ist das wirklich der Weg, den Gott sich vorgestellt hat, wie wir mit Entscheidungen umgehen sollten? Natürlich will ich mich leiten lassen, aber dazu gehört wohl auch eine gesunde Mischung zwischen hören und losgehen.

 

Mündige Christen treffen eigene Entscheidungen

Wer Kinder hat (oder mit ihnen arbeitet) weiß, dass es sinnvoller ist, einem Dreijährigen nur zwei Auswahlmöglichkeiten zu präsentieren, als ihn zu fragen, was er anziehen, essen oder spielen will. Je älter und erfahrener das Kind wird, desto mehr Möglichkeiten und Freiräume können wir ihm eröffnen und dadurch mit ihm trainieren, selbst weise Entscheidungen zu treffen. Als Christen durchlaufen wir einen ähnlichen Reifeprozess. Zumindest habe ich es so erlebt, dass ich mich anfangs am liebsten an den klaren „ihr sollt“ und „ihr sollt nicht“ der Bibel orientiert habe. Doch mit der Zeit merkte ich dann, dass viele Dinge im Leben eben nicht nur schwarz-weiß sind, sondern die unterschiedlichsten Grautöne haben können.

In seinem Buch Lebendig! schreibt Michael Herbst davon, dass Gott eben nicht immer klar und deutlich spricht, sondern uns zu eigenen, mutigen Entscheidungen führt.

Nicht unmündige und unselbstständige Kinder will Gott, sondern von seinem Reden durchdrungene Erwachsene, die gute Entscheidungen treffen.“ (1)

Den Knackpunkt sehe ich in den Worten „von seinem Reden durchdrungen“, denn nur so sind wir überhaupt fähig, Gottes Willen zu erkennen.

Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang der Weisheit. Gott, den Heiligen, zu erkennen führt zur Einsicht (Sprüche 9,1 NLB)

Gute Entscheidungen werden im Lobpreis, in der Anbetung und in der Gemeinschaft mit Jesus geboren. Und dafür gibt es leider keine Abkürzung. Sich von Gott leiten zu lassen ist also vielmehr eine Lebenseinstellung als ein Ereignis. Auch wenn ich die Antwort auf meine Frage manchmal an einem Ereignis oder Zeitpunkt festmachen kann, macht mich die Zeit, die ich tagtäglich mit Jesus verbringe, überhaupt erst empfänglich dafür. Weitere Gedanken zu diesem Thema findest du in einem früheren Beitrag: Was ist der Wille Gottes für mein Leben?

 

Die Sache mit der Verantwortung

Warum freue ich mich nicht einfach darüber, dass ich in Freiheit lebe und selbst wählen darf? Weil Entscheidungen auch immer mit Verantwortung verbunden sind. Soll ich ehrlich sein? Es erscheint mir manchmal deutlich einfach, blind zu gehorchen, denn dann kann ich im Fall des Scheiterns die Schultern zucken und sagen: „Ich hab nur getan, was mir aufgetragen wurde“. Dass das keine vernünftige Option ist und auch nicht Gottes Absicht, ist wohl offenbar.

Man könnte also sagen, Gott ist ein ganz schönes Risiko eingegangen, als er dem Menschen einen Verstand und einen eigenen Willen gab. Es hat ja auch gerade mal drei Kapitel gedauert, da machten Adam und Eva davon Gebrauch und trafen keine so gute Wahl. Hätte er es gewollt, hätte Gott diese Geschichte ganz anders schreiben können, aber er tat es nicht.

Auch Jesus bewahrte seine Jünger nicht vor falschen Entscheidungen, obwohl er die Zukunft kannte. So ließ er zu, dass Judas ihn verriet und Petrus ihn verleugnete. Ebenso ließ er Menschen fortgehen, die ihm doch nicht mehr folgen wollten. Hätte er das verhindern können? Mit Sicherheit. Er zwang niemanden zu seinem Glück, doch er bot es großzügig an. Als Judas seine Schuld erkannte, sah er keinen Ausweg mehr. Als Petrus seine Schuld erkannte, übernahm er die Verantwortung und brachte die Sache mit Jesus wieder in Ordnung. Wenn ich überlege, was danach noch aus Petrus geworden ist, gibt mir das sehr große Gewissheit, dass Jesu Blut auch für meine dümmsten Entscheidungen und meine größten Fehler ausreicht.

Ich möchte gewiss nicht leichtsinnig entscheiden, aber ich möchte auch nicht aus Angst gar nichts tun. Ich will auf Gottes Stimme hören und seinen Willen suchen, aber irgendwann muss ich wohl auch aktiv werden. Natürlich möchte ich am liebsten sofort den besten Weg finden und nicht umkehren müssen, doch für alle anderen Fälle weiß ich: Gottes Gnade ist groß genug.

Wenn wir aber unsere Verfehlungen eingestehen, können wir damit rechnen, dass Gott treu und gerecht ist: Er wird uns dann unsere Verfehlungen vergeben und uns von aller Schuld reinigen. (1. Joh 1,9 NLB)


Mein Fazit für heute: Weniger Sorgen machen und aus dem Lebensstil der Anbetung mutig voranschreiten.

 

Ich sage dir: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst. (Josua 1,9 NLB)

 

Quellen:

(1) Herbst, M. (2018). Lebendig!. Holzgerlingen: SCM Hänssler, p.105.

Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. 

Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

 

 

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