Alltägliches

Fazit: Erhörte Gebete sind harte Arbeit!

Einerseits bedeutet eine Gebetserhörung ja genau, dass man etwas NICHT selbst tun konnte. Andererseits hat man an den vorigen Geschichten auch ziemlich gut gesehen, dass Gott uns nicht immer die Arbeit abnimmt. Manchmal antwortet er sofort und unmissverständlich und manchmal ist es ein regelrechtes Ringen um Antworten. Manchmal ist es mit einem kurzen Gebet getan und manchmal ist es ein langwieriger Kampf.

Aber warum ist das so und verspricht die Bibel nicht eigentlich, dass wir Gott einfach nur bitten müssen und er uns dann gibt? Sollten erhörte Gebete nicht viel einfacher sein? Mache ich etwas falsch, wenn sich nichts tut? Bewege ich mich dann außerhalb von Gottes Willen? Liegt es an der Sünde in meinem Leben? Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Hiobs Freunde haben sich auch mit durchaus realistischen Mutmaßungen beschäftigt und lagen dennoch völlig daneben. Hiob hatte nämlich gar nichts falsch gemacht, nur war die Antwort auf seine Gebete von einer Tragweite, die er selbst überhaupt nicht verstehen konnte.

Ich freue mich immer wieder über kleine, schnelle Gebetserhörungen, mit denen Gott mich so im Alltag segnet. Aber im Großen und Ganzen ist Beten echt nicht so leicht, wie manche Bibelverse es darstellen (oder vielleicht sollte ich besser sagen, wie ich sie verstanden habe). Nehmen wir zum Beispiel Matt 7,7. Hört sich einfach an, aber lasst uns mal auf das Kleingedruckte sehen:

Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan! (Matt 7,7)

Dort stehen 3 Dinge, die wir tun sollen: Bitten, Suchen, Klopfen. Nun kann man höflich bitten, man kann flehen, man kann mit Nachdruck bitten, man kann es einmal erwähnen oder immer wieder tun. Genauere Instruktionen gibt es erstmal nicht, die ergeben sich dann eher aus anderen Bibelstellen. Auch klopfen kann man zaghaft (und dann wieder gehen, um auf eine bessere Gelegenheit zu warten) oder man macht sich unmissverständlich bemerkbar. Auch hierzu fallen mir ein paar andere Bibelstellen ein.

Am deutlichsten verstehe ich das Bild aber beim Thema Suchen. Wer Kinder hat, kennt sicher den Spruch „Ich find meine Schuhe nicht, ich hab alles abgesucht!“. Wenn man dann zur Hilfe eilt, empfängt einen häufig folgendes Szenario: Der gesuchte Schuh ist schon aus 10m Entfernung, halb hinter einer Regenjacke versteckt, zu erkennen. Das Kind liegt auf dem Boden, spielt mit Legos und weiß einfach nicht, wo dieser blöde Schuh nur sein soll… Auf die Frage „Hast du denn auch richtig gesucht?“ folgt natürlich die Antwort: „Ja, ich habe AAAAAALLES abgesucht!“

Wir, als Gottes Kinder, wollen uns Bitten, Suchen und Klopfen gerne leicht vorstellen (und das ist es ja aus Elternperspektive auch), doch je nach Erkenntnisstand, Fähigkeiten und Ablenkungen in Form von bunten Spielsachen, ist das harte Arbeit und erfordert vollen Einsatz, Konzentration und Beharrlichkeit.

Und nur, falls sich noch jemand für Wörter und Grammatik interessiert, hat meine Schlachter Bibel noch eine Anmerkung zu diesem Vers. Die griechische Zeitform bezeichnet nämlich ein beständiges und wiederholtes Bitten, Suchen und Anklopfen.

So dürfen wir uns natürlich freuen, wenn die Suche einmal einfach ist, sollten uns aber auch nicht entmutigen lassen, wenn es sich schwieriger gestaltet, als wir es uns vorgestellt haben.

Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan! (Matt 7,7)

Mir ist tatsächlich auch zum ersten mal bewusst geworden, was dort NICHT steht. Dort steht nämlich nicht: Bittet, so wird euch das gegeben, wonach ihr gefragt habt; sucht, so werdet ihr das finden, was ihr haben wolltet; klopft an, so wird euch die Tür aufgetan, durch die ihr am liebsten gehen wolltet!

Erhörte Gebete sind manchmal ein schwieriges Thema, weil wir Gottes Handeln eben oft nicht verstehen. Unerfüllte Wünsche führen oft zu Frust und Resignation. Irgendwann kommt wohl jeder zu dem Punkt, wo er sich fragen muss: „Soll ich weiter aushalten und beharrlich sein, oder akzeptieren, dass Gott etwas anderes vor hat?“ Diese Entscheidung kann ich niemandem abnehmen. Wenn ich Gebet allerdings mehr als Einladung in Gottes Thronsaal und Dranbleiben an seinen Absichten sehe, dann kann selbst ein nicht in meinem Sinne beantwortetes Gebet zur Gebetserhörung werden.

Ja, Jesus liebt uns und möchte uns Gutes tun. Aber er hat uns nicht nur gerettet, damit wir ein schönes Leben haben und ihm unsere Wunschlisten zukommen lassen. In 1. Kor 3,9 nennt Paulus uns „Gottes Mitarbeiter“. Lasst mich das vielleicht nochmal betonen: Gottes MitARBEITER. Gnade ist kostenlos und Errettung unabhängig von unserem Können oder Tun, trotzdem dürfen wir beruhigt davon ausgehen, dass auch geistliche Dinge harte Arbeit sein können.

Weitere Beiträge aus dieser Reihe:

Erhörte Gebete – Manchmal schneller als man denkt
Erhörte Gebete – Manchmal besser als erwartet
Erhörte Gebete – Manchmal ist man selbst die Antwort

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