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Es sind nicht alle Christen gleich…

Schock. Aber wie kann ich so etwas sagen, hab ich etwa Galater 3,28 nicht gelesen? Da heißt es doch: „Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus“.

Ehrlich gesagt, ist diese Aussage auch gar nicht von mir, sondern von Aiden W. Tozer. Im Gegensatz zum Galaterbrief, bezieht Tozer sich aber auch nicht auf unsere Versöhnung mit Gott durch den Glauben sondern auf die Frucht, die unser Leben hervorbringt. Er schreibt in seinem Buch Gegründet im Wort, brennend im Geist:

„Die einen bringen dreißigfältig Frucht, andere sechzigfach, wieder andere hundertfach. Manche leuchten wie die Sterne am Himmel, aber die einen leuchten hell, die anderen weniger hell, und manche entdeckt man nur mit einem Teleskop.“ (Tozer, 2010)

Weiter erklärt er, dass manche Christen wie Brutkastenkinder sind, die versorgt werden müssen und andere schon brüllend und willensstark geboren werden (Tozer, 2010). Aber warum bringen manche mehr Frucht oder leuchten heller? Arbeiten sie mehr an sich? Sind manche einfach christliche Naturtalente? Sind das die mit den besseren Voraussetzungen, wie zum Beispiel ein christliches Elternhaus? Oder sind das die besonders frommen?

„Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,4-5; Hervorhebung von mir)

An guten Taten und lieb gemeinten Bemühungen kann es also nicht liegen. Und wenn Gott allein das Wachstum schenkt, hat er dann etwa Kinder erster und zweiter Klasse? Hat Gott die heller Scheinenden etwa mehr lieb als die leicht Glimmenden?

Nein, ganz sicher nicht. Gottes Liebe ist unabhängig von meiner Leistung und von meiner Bereitschaft mit ihm zu kooperieren. Er liebte mich schon, als er mir noch schnurzpiepegal war, also wird mein Versuch ein „guter Christ“ zu sein sie nicht vergrößern und meine vielen Fehltritte sie nicht schmälern.

„Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,8)

Wenn ich Frucht nicht selber produzieren kann und Gottes Liebe tatsächlich gleichermaßen dem schlimmsten Sünder und dem oberfrommsten Frommen gilt, was macht denn dann den Unterschied?

Zunächst einmal sagt Johannes 15,5: „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“. Bleibt ist das Verb, nicht arbeitet, nicht singt, nicht dient, nicht betet, nicht verzichtet, sondern bleibt. In anderen Übersetzungen heißt es: „Wer mit mir verbunden bleibt“ (HFA). Nun gut, um verbunden zu bleiben, muss ich natürlich zuerst einmal an ihn glauben und ihn kennenlernen. Laut Strong’s Greek Lexicon bedeutet das griechische Wort (μένω) aber nicht nur bleiben sondern z.B. auch ausharren, verweilen oder wohnen. Wohnen finde ich einen wunderbaren Gedanken. Dann würde es heißen: Wer in/bei mir wohnt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Die Menge der Früchte, die ich trage, ist also abhängig davon, wie sehr ich bei Jesus wohne, bleibe, ausharre oder verweile. Ich muss also nicht wirklich etwas tun, außer seine Nähe zu suchen und Zeit und Alltag mit ihm zu verbringen.

Zum Thema „leuchten“ schreibt Paulus etwas ganz Ähnliches:

Ihr sollt ja rein und fehlerlos sein und euch als Gottes vollkommene Kinder erweisen mitten unter verirrten und verdorbenen Menschen; ihr sollt leuchten unter ihnen wie die Sterne am nächtlichen Himmel. Dazu müsst ihr an der Botschaft festhalten, die euch das ewige Leben verspricht. (Phil 2,15-16 GNB; Hervorhebung von mir)

Die vielen Früchte und das helle Leuchten finde ich also dort, wo Menschen in Jesu Nähe verweilen und sich an seiner Botschaft festhalten.

Jetzt kannst du hinzufügen: „und den ganzen Tag beten und Däumchen drehen und kum ba yah singen, oder was? Wer packt denn dann mal mit an? Wer macht denn dann die ganze Arbeit?“ Doch da würde ich sagen, keine Sorge, wer sieht, was Jesus alles mit den Menschen vor hat, der kann gar nicht lange tatenlos zusehen. Wer einmal erlebt hat, wie Jesus Wunder wirkt, der wird dabei sein wollen, wenn er das nächste tut.

Darauf zu warten und zu vertrauen ist definitiv eine Herausforderung, aber das ist ein Thema für einen anderen Tag. So weit so gut, trotzdem stimme ich denen zu, die sagen, dass wir uns auch nicht geistlicher Faulheit ergeben sollen. Wir können zwar in dem Sinne nichts tun um uns selbst zu retten oder erfolgreich zu machen, aber ein wenig Eigenverantwortung haben wir schon noch. Die Stille Zeit will manchmal auch erkämpft werden, wenn schlafen doch so viel schöner und arbeiten doch so viel wichtiger erscheint. Eine Begegnung mit Jesus muss auch bewusst gesucht werden, wenn mein schlechtes Gewissen mich plagt. Die Bibel will auch gelesen werden, wenn ich sie gerade nicht so spannend finde, denn wie will ich von Gott hören, wenn ich sein Wort nicht kenne?

Um noch einmal auf die von Tozer beschriebenen Brutkastenkinder zurückzukommen, ich habe passend zu diesem Thema eine interessante Aussage in einer Predigt von Freimut Haverkamp (Hillsong Church) gehört. Dort sagt er, dass wir zu Selbsternährern werden sollen, denn reife Christen kommen nicht in die Gottesdienste und jammern herum, wie wenig Nahrung sie dort bekommen. Auf das Argument, „Aber ich brauche Fleisch!“, antwortet er: „Nimm dein Gewehr, geh raus in Wald und schieß dir ne Sau, wenn du musst“ (Freimut Haverkamp, 2017)

Auch wenn ich darüber schmunzeln musste, trifft es doch irgendwie den Nagel auf den Kopf. Ich finde es nicht schlimm oder verwerflich als Brutkastenkind geboren zu werden, aber wer hat behauptet, dass wir uns mit 30 immer noch dort bequem machen sollen? Für die, die nicht mehr können oder gerade neu geboren sind, soll die Gemeinde ja als Versorger da sein, das sehe ich auch so, doch ich hoffe unser Ziel ist es, eigenständig überlebensfähige Menschen hervorzubringen, die selber wissen, wie sie in der Bibel forschen und Gott erfahren können. Also lasst uns nicht unsere Pastoren, Lobpreisleiter, Chefs, Ehepartner oder sonstige Leiter dafür verantwortlich machen, dass wir hungern. Ihr wisst, ich habe es versucht. Es funktioniert nicht. Also schnapp dir deine Bibel, nimm dir ein christliches Buch, lad dir einen Podcast, geh zur Bibelstunde, löcher Gott mit Fragen, bete mit deinen Freunden… Und wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, dann schau doch mal Begegnungen mit Jesus an. Nimm dein Gewehr und schieß dir ne Sau! Und wenn du Vegetarier bist, wie ich, dann sammel Pilze, die haben auch viel Eiweiß.

Nicht alle Christen sind gleich… gleich geliebt sehr wohl, gleich gerechtfertigt durch Glauben ebenso, gleich schuldlos gesprochen durch Jesu Tod auch, dennoch müssen wir tagtäglich unsere ganz eigenen Entscheidungen treffen. Eine davon ist, ob wir heute in den Brutkasten oder in den Hochstand steigen werden.

 

 

Quellen:

Freimut Haverkamp (2017): „Gemeinsamkeit“. Hillsong Church Germany Podcast. Abgerufen am 27. 06. 2017 von https://itunes.apple.com/de/podcast/hillsong-church-germany-podcast/id423126428?mt=2&i=1000389106943.

Tozer, Aiden W (2010): Gegründet im Wort, brennend im Geist. Hünfeld: Christlicher Mediendienst.

„G3306 – menō – Strong’s Greek Lexicon (KJV).“ Blue Letter Bible. Web. 27 Jun, 2017. <https://www.blueletterbible.org//lang/lexicon/lexicon.cfm?Strongs=G3306&t=KJV>.

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