AlltäglichesGottes Wille

Will ich überhaupt hören? Fasten als Vorbereitung auf die Entscheidung

Entscheidung Fasten Gottes Wille

Eine gute Vorbereitung ist immer wichtig, auch wenn es um Entscheidungen geht.  Fasten ist da eine Möglichkeit. Doch lass uns vorher erst noch auf unsere Herzenshaltung vor einer Entscheidung schauen. Es macht schließlich einen großen Unterschied, ob ich an eine Entscheidung offen herangehe oder schon einen vorgefertigten Plan habe und eigentlich nur noch Bestätigung suche. Frei nach dem Motto: „Gott, ich habe das hier schon mal vorbereitet, hier und hier und hier musst du unterschreiben und dies und jenes segnen, ok?“ Schön wär’s aber so funktioniert es nicht.

Es gibt doch dieses bekannte Gebet: „Herr, ich gehe, wohin du willst! …nur bitte nicht nach Afrika“. Die Angst kann ich gut verstehen und ich habe auch schon so etwas in der Art gebetet. Doch bedingungslose Nachfolge ist das noch nicht. Die Frage, die ich mir vielleicht stellen sollte, bevor ich nach Gottes Willen für mein Leben frage, ist: Will ich die Antwort überhaupt wissen und bin ich bereit sie dann auch umzusetzen? In anderen Worten, vertraue ich Gott so sehr, dass meine Antwort ja ist, bevor ich seinen Vorschlag kenne?

Das wäre mein sehr nobles Ziel. Daran arbeite ich noch mit meiner störrischen Natur.

Ich erinnere mich an eine Situation mit einem Kind, das mir zwar aufmerksam in die Augen sah, sich aber trotz meines ziemlich klar formulierten Auftrags nicht rührte. Ich wiederholte die Aufgabe und fragte dann aber irgendwann völlig genervt: „Sag mal, verstehst du mich wirklich nicht, oder hast du keine Lust?“ Die Antwort war: „Nö, ich spiel grad, ich hab einfach keine Lust“. Ich war sprachlos und gab mich geschlagen, 1:0 für das Kind.

Doch jetzt komme ich zu der eigentlichen Frage: Machen wir das mit Gott nicht auch oft so? Wir sagen zwar „Herr sprich“, aber bevor er überhaupt dazu komm, uns eine Antwort zu geben, sind wir schon wieder drei Aufgaben weiter gerannt. Manchmal sagen wir auch „Herr, leite mich“, doch sind wir dann auch bereit, von unserem Weg abzuweichen? Wenn wir sagen „Herr, segne mich“, sind wir dann auch bereit, dafür etwas anderes loszulassen?

 

Mangel leiden

Keiner von uns findet wohl Mangel toll oder erstrebenswert, trotzdem ist er manchmal einfach nötig, um uns zu entschleunigen und auf das Wesentliche besinnen zu lassen.

  • So ist es wohl kein Zufall, dass Hanna in all ihrer Traurigkeit über ihre Unfruchtbarkeit, Gott nicht nur als Tröster sondern auch durch ein Wunder erfuhr. (1. Samuel 1)
  • So ist es wohl kein Zufall, dass Jesus die arme Witwe lobend erwähnte, die ihren gesamten, kleinen Lebensunterhalt spendete (Markus 12,44) während der reiche Jüngling traurig davonzog (Markus 10,22)
  • So ist es wohl kein Zufall, dass Paulus nach allem, was er erlebt hatte, zufrieden sein konnte (Phil 4,10-20)
  • So ist es wohl auch kein Zufall, dass die „unerschütterlichsten“ Menschen, die ich kenne oder von denen ich lese, diejenigen sind, die viel Leid und viele Krisen durchgestanden haben.

 

Fasten als Vorbereitung auf die Entscheidung

Lange Rede, kurzer Sinn. Wenn wir fasten, entscheiden wir uns ganz bewusst, auf etwas zu verzichten und so einen Mangel entstehen zu lassen. Worauf wir fasten ist dabei erst einmal nebensächlich, denn in der Bibel gibt es auch unterschiedliche Arten. So hat Daniel zum Beispiel nur Gemüse gegessen und Jesus überhaupt nichts. Die traditionelle Fastenzeit, die man hierzulande kennt, bezieht sich ja oft auf Fleisch, Süßigkeiten und/oder Alkohol. Wer das gesundheitlich nicht schafft, verzichtet dann auch oft auf Fernsehen oder sonstiges. Paulus hat da auch noch einen Vorschlag für Eheleute: „Entzieht euch einander nicht, außer nach Übereinkunft eine Zeit lang, damit ihr euch dem Fasten und dem Gebet widmen könnt“ (1. Kor 7,5). Ihr seht also, wir dürfen kreativ werden.

Als langjähriger Vegetarier wäre es vermutlich nicht so schlau auf Fleisch zu verzichten, denn wir wollen ja bewusst einen Mangel entstehen lassen, den Gott wiederum auffüllen kann.

Fasten ist auch keine Diät und nicht in erster Linie ein Programm, um Süchte loszuwerden (obwohl Fasten tatsächlich Ketten sprengt -> Jesaja 58,6). Genauso wenig ist fasten an eine bestimmte Zeit gebunden, allerdings hilft es manchen, die Zeit vor Ostern zu nehmen und sich somit in Gesellschaft zu wissen.

Ich habe Fasten als sehr wirksames Mittel entdeckt, mich in eine bewusste und gewollte Abhängigkeit von Gott zu begeben. Wenn das Verlangen groß ist oder der Hunger stört und ich mich schwach fühle, dann ist das meist der Moment, in dem Gott sich in seiner Stärke zeigt. Der Punkt, an dem meine eigenen Begierden und meine störrische Natur kaum noch Widerstand leisten können, ist meist auch der, an dem ich den Heiligen Geist am deutlichsten reden höre und ich am ehesten bereit bin, mich auf sein Abenteuer einzulassen.

Es gibt andere gute Gründe zu fasten, doch heute geht es um Entscheidungen und den Zusammenhang zwischen fasten und Gottes Stimme hören bzw. der Bereitschaft, seinen Willen zu tun. Dieser wird in den folgenden Versen sehr deutlich:

Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne. (2. Kor 12,9)

Und er war dort bei dem HERRN 40 Tage und 40 Nächte lang und aß kein Brot und trank kein Wasser. Und Er schrieb die Worte des Bundes auf die Tafeln, die zehn Worte. (2. Mose 34,28)

»So geh hin, versammle alle Juden, die in Susan anwesend sind, und fastet für mich, drei Tage lang bei Tag und Nacht, esst und trinkt nicht. Auch ich will mit meinen Mägden so fasten, und dann will ich zum König hineingehen, obgleich es nicht nach dem Gesetz ist. Komme ich um, so komme ich um!« (Esther 4,16)

Als sie nun dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus aus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe! Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen. (Apg 13,2-3)

Zwischen seiner Taufe und dem Beginn seiner öffentlichen Verkündigungen fastete auch Jesus:

Darauf wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er vom Teufel versucht würde. Und als er 40 Tage und 40 Nächte gefastet hatte, war er zuletzt hungrig. (Matt 4,1-2)

 

 

 

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