Alltägliches

Folge deinem Herzen…

Geistlich wachsen

…aber nimm bitte dein Hirn mit. Diesen Spruch habe ich gestern Mittag aufgeschnappt und fand ihn zunächst einmal amüsant. Doch irgendwie ist doch viel Wahres dran. Darf ich als Christ eigentlich noch meinem Herzen folgen? Kann ich meinem Verstand trauen? Wie soll ich bloß Entscheidungen treffen?

Gestern Abend sprach ich dann mit einer Freundin, die in manchen Dingen mein komplettes Gegenteil ist: Ich Kopfmensch, sie Herzmensch. Ich argumentiere mit harten Fakten, sie mit Empathie. Da kann man schon einmal schnell aneinander vorbei reden. Natürlich stelle ich das gerade überspitzt dar, keine von uns ist nur ein Extrem, dennoch haben wir deutliche Tendenzen in unseren Charakterzügen.

Jetzt stell dir einfach einmal vor, wir treffen als junge Christen aufeinander und versuchen jede der anderen einen guten Ratschlag zu geben. Ich wäre vermutlich schnell mit Jeremia 17, 9 zur Stelle und würde ihr raten: „Oh, Gefühle sind gefährlich, die können dich täuschen“

Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?

Daraufhin würde sie mir vielleicht sagen: „Aber auf deinen Verstand sollst du dich doch auch nicht verlassen.“

Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand (Sprüche 3,5)

Tja, wer hat nun recht? Ich würde mal behaupten beide – jede aus ihrer Perspektive und passend zu ihrer Neigung. Deshalb mag ich diesen sarkastischen kleinen Spruch wirklich gerne, denn er berücksichtigt beide Extreme.

Folge deinem Herzen… aber nimm dein Hirn mit.

Manchmal weiß ich, eine Entscheidung ist richtig, weil sie sich richtig anfühlt. Manchmal weiß ich, eine Entscheidung ist richtig, weil ich mich informiert habe. Manchmal fühlt es sich aber weder besonders gut an, noch macht es nach menschlicher Logik Sinn, trotzdem habe ich einen ganz besonderen göttlichen Frieden mit dieser Entscheidung und auch dann bin ich davon überzeugt, dass sie richtig ist.

Ich finde es einfach immer wieder spannend, wie vielschichtig Gott uns Menschen gemacht hat und wie er es immer wieder schafft, dass sein Wort genau in unsere Situation spricht. Um aber noch einmal zu der Freundin und unseren fiktiven guten Ratschlägen zurückzukommen, würden wir uns heute wohl eher die folgenden Dinge sagen:

Ich zu ihr: „Folge deinem Herzen, aber nimm deinen Verstand mit.“

Sie zu mir: „Folge deinem Verstand, aber nimm dein Herz mit.“

Ich glaube kaum, dass dieser Spruch einen christlichen Hintergrund hat, deshalb würde ich ihn gerne noch etwas abändern und eine Sache hinzufügen:

Folge deinem Herzen, nimm dein Hirn mit und höre auf den Heiligen Geist.

Mit anderen Worten: Wenn es sich gut anfühlt, kann es der richtige Weg sein. Wenn mein Verstand und mein Bibelverständnis dem zustimmen, umso besser. Doch dann kommt der kritische geistliche Faktor ins Spiel. Denn Versuchung ist definitiv sehr real und gegenwärtig. Ebenso übersteigt Gottes Logik so oft meinen Verstand.

Ich glaube, dass Gott sowohl Herz als auch Verstand heiligen und zu guten Entscheidungen befähigen kann. Trotzdem sind und bleiben wir Menschen mit eigenen Wünschen und Begierden. Unsere Herausforderung liegt also wohl eher darin, die Motivation unseres Herzens und unseres Verstandes herauszufinden und mit dem Heiligen Geist in Einklang zu bringen, bevor wir Ihnen folgen.

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