Alltägliches

Freiheit & Ehrlichkeit – Hör auf, deinen Bauch einzuziehen!

Es gibt diesen schönen Spruch: „Zuhause ist, wo du deinen Bauch nicht einziehen musst“. Aber warum ist das so? Weil zuhause sowieso jeder unsere Bäuche kennt und krampfhaftes Verstellen sowieso zwecklos ist. Das Bauch-Problem kennt so ziemlich jeder, weil wir Menschen darauf getrimmt sind, immer einen guten ersten Eindruck zu machen und uns nur von unserer besten Seite zu präsentieren. Das ist nicht nur anstrengend sondern auch sehr einengend… und schon sind wir wieder mittendrin in der Freiheitsserie.

Hier findest du die vorherigen Beiträge:

FREIHEIT

F – Furcht & Friede

R – Risikobereitschaft

E – Entscheidung

I – Identität

H – Heiliger Geist

E – Ehrlichkeit

I – Ich

T – Thron

Was hat Ehrlichkeit mit Freiheit zu tun?

Wenn es tatsächlich nur um Bäuche gehen würde, dann wäre das vielleicht auch gar nicht so schlimm. Komplizierter wird es allerdings, weil wir oft versuchen ganz unterschiedliche „Lebensbäuche“ zu verstecken. Nur leider lassen sich manche nicht ganz so leicht kaschieren, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen. Manchmal brauchen wir dann eine kleine Notlüge. Wenn es gut läuft, reicht es vielleicht auch einfach, sich zurückzuziehen und niemanden mehr heranzulassen. Wenn es schlecht läuft, na ihr könnt es euch denken…

Ein gutes Beispiel dafür, über das ich im Nachhinein endlich auch lachen kann, ist mein nicht sehr erfolgreicher Versuch, heimlich zu rauchen…  Falls du Mein echter Geburtstag und die wichtigste Entscheidung überhaupt gelesen hast, das war übrigens die Sache auf die ich da angespielt habe.

Bitte lies dir den Artikel durch, denn es war damals so eine unfreie Zeit in meinem Leben. Ich hatte ständig Angst aufzufliegen, liebte aber auch irgendwie den Nervenkitzel und wollte wissen, wie weit ich noch gehen könnte. Aber das war alles keine bewusste Entscheidung sondern mehr eine Reaktion auf eine Sache, die ein Eigenleben entwickelt hatte und wenn man einmal drin ist, dann gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten: Auffliegen, selbst die Wahrheit sagen oder weiter lügen.

Ich kann dir aber auch sagen, dass die Freiheit, die ich verspürt habe nachdem alles offen gelegt war, gigantisch war. Das Schöne ist, Zigaretten zu rauchen war keine Straftat, das Problem war also einfach nur, dass ich nicht mit offenen Karten gespielt hatte. Doch obwohl das eigentlich eine Lappalie war, hat es mich gefangen gehalten und mein Handeln und Denken bestimmt (z.B. hatte ich richtige Strategien entwickelt, wie ich welche Wege im Auto abkürzen konnte bzw. welche Ausreden plausibel waren, damit ich zwischendurch noch kurz irgendwo anhalten konnte). Und jetzt stell dir einfach mal vor, ich hätte etwas wirklich Schlimmes zu verbergen gehabt…

In dem Artikel kannst du auch die Reaktion meiner Gasteltern nachlesen und was das mit mir und meinem Glaubensleben gemacht hat. Danach war alles anders! Meine Beziehung zu ihnen wurde richtig herzlich und wir haben nach inzwischen fast 20 Jahren immer noch Kontakt.

Dort, wo ich mich frei fühle, kann ich so sein wie ich bin. Dort, wo ich mich frei fühle, da muss ich mich nicht verstellen, niemandem gefallen, mich nicht einschleimen und nichts verbergen. Ich hätte damals sogar weiter rauchen dürfen, nur nicht im Beisein der Kinder. Aber ich wollte gar nicht mehr. Freiheit schmeckte viel besser.

Was will ich damit sagen? Ja, manchmal ist es angebracht, unsere Bäuche vor anderen Menschen raushängen zu lassen, denn auf die Dauer anders zu sein, als ich eigentlich bin, ist nicht nur anstrengend sondern auch nicht sehr beziehungsfördernd.

Was will ich damit NICHT sagen? Ich finde Bauchweg-Hosen super und – Schock – trage sie selbst hin und wieder zu besonderen Anlässen. Ich will auch nicht sagen: „Macht euch nie wieder schick, schmeißt alles Make-up weg und nutzt keine Instagram Filter…“ Sich von der Schokoladenseite zu präsentieren ist voll ok und es muss auch nicht jeder alles über mich wissen. Doch ich hoffe, du hast eine handvoll Personen, denen du genug vertraust und vor denen du den Bauch nicht verstecken musst. Ich hoffe, du hast ein zuhause, wo du einfach nur du sein kannst.

Doch noch viel wichtiger als das, kannst du dich überwinden, vor Gott den Bauch rauszulassen?

Manche von uns haben ein Gottesbild, das von tiefer Ehrfurcht geprägt ist, was absolut richtig und biblisch ist. Allerdings beschreibt die Bibel Gott gleichzeitig als liebenden Vater. Die Gefahr liegt einfach darin, dass wir manchmal denken, wir müssten uns für Gott erst schick machen und herausputzen, bis wir ihm in angemessener Weise begegnen können. Wir wissen zwar innerlich, dass wir durch Gnade und nicht durch Werke zu ihm kommen können und trotzdem kaufen wir noch schnell eine Bauchweg-Hose, bevor wir uns zum Gebet durchringen können.

Sieh dir einfach Adam und Eva an. Sie waren frei im wahrsten Sinne des Wortes: nackt und ohne Scham. Doch dann machten sie einen Fehler, wurden von Angst geplagt und versteckten sich. Sie machten sich selbst unfrei in ihrem Versteck, denn sie wollten Gott nicht begegnen und konnten demnach nicht mehr frei im Garten umherlaufen.

Ehrlich sein, vor Gott (und Menschen) zu unseren Schwächen stehen und Verantwortung für Fehler übernehmen ist ein ganz großer Schritt Richtung Freiheit. Und das sauge ich mir gerade nicht aus den Fingern. Wie Menschen auf Entschuldigungen oder Eingeständnisse von Schwäche reagieren wissen wir leider nicht immer. Leider habe ich da auch schon schlechte Erfahrungen gemacht und das macht es beim nächsten Mal verständlicherweise schwerer. Doch wie Gott dazu steht, haben wir schwarz auf weiß: 

„Wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, erweist Gott sich als treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht, ´das wir begangen haben`“ (1. Johannes 1:8-9 NGU2011)

Und wenn Gott das sagt, dann meint er das auch. Also, lass den Bauch raushängen wenn du betest, Gott weiß eh, dass er da ist und es stört ihn nicht. Er liebt dich auch mit Bauch und – falls notwendig – geht er danach auch mit dir ins Fitnessstudio.

 

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