Alltägliches

Freiheit – Es geht um mich!

Es geht um mich! Ui, darf ich das auf einem christlichen Blog eigentlich sagen? Soll es nicht viel mehr um Jesus und andere gehen? Soll ich nicht abnehmen damit er zunehmen kann? Wenn es ums Geben, Dienen oder Wertschätzen geht, ist das sicherlich ein guter Ansatz. Aber wenn wir von Freiheit reden, dann geht es tatsächlich nur um mich. Freiheit kann niemand anderes für mich erleben. Sicherlich können andere Menschen mir helfen, frei zu werden in dem sie mir meine Gefangenschaft vor Augen führen oder helfen, konkrete Schritte zu gehen, doch letztendlich geht es um meine Freiheit, mein Leben, mein Herz, meine Verantwortung und meine Entscheidungen.

Wenn du neu hier bist, sieh dir zunächst die anderen Beiträge dieser Blogreihe an, denn wir sind schon fast am Ende angelangt:

FREIHEIT

F – Furcht & Friede

R – Risikobereitschaft

E – Entscheidung

I – Identität

H – Heiliger Geist

E – Ehrlichkeit

I – Ich

T – Thron

Der Freiheitskiller

Ich hatte eigentlich einen anderen Text geplant aber in der letzten Woche ist mir ein totaler Freiheitskiller bewusst geworden, den ich erstens unbedingt noch einbauen wollte und der zweitens tatsächlich auch sehr viel mit dem Thema „ich“ zu tun hat und deswegen wunderbar hierher passt.

Ok, here we go…

Stell dir vor, du bist wieder Kind. Du hast mehrere Geschwister und dein Bruder hat dir gerade einen richtig üblen Streich gespielt. Du bist voll auf ihn hereingefallen, deine Ehre ist gekränkt, dein Knie aufgeschrabbt, die neue Hose kaputt und der Spott der coolen Freunde deines Bruders war dir sicher. Du bist nicht nur verletzt sondern auch sauer. Zu recht! Er hat sich echt mies verhalten. Du läufst in dein Zimmer und knallst die Tür zu, denn auf Spielen im Freien hast du keine Lust mehr. Deinen Bruder scheint das wenig zu interessieren, denn der spielt munter weiter und freut sich insgeheim, dass er sein nerviges kleines Geschwisterchen für eine Weile losgeworden ist.

Du sitzt in deinem Zimmer und schmollst. Immer noch zu recht, denn das war wirklich nicht in Ordnung. Inzwischen ist das Abendessen fertig, doch du bleibst in deinem Zimmer bis dein großer Bruder vernünftig bestraft wird, denn so hast du keine Lust, dich mit ihm je wieder an einen Tisch zu setzen. Doch natürlich hat er eine gute Erklärung und lässt das Ganze wie eine harmlose Tolpatschigkeit deinerseits aussehen. Das macht dich noch wütender und du kannst die Unterhaltung nicht länger anhören. Du setzt dir Kopfhörer auf und beschließt, dass du mit niemandem aus der Familie je wieder irgendwas zu tun haben willst und fortan auf deinem Zimmer bleiben wirst. Zu recht, denn nicht nur hat man dir weh getan, sondern auch nicht geglaubt.

Was du dadurch nicht mehr mitkriegst ist, dass dein Bruder mit seiner Geschichte niemanden überzeugen kann. Auch er wird ohne Abendessen auf sein Zimmer geschickt, um darüber nachzudenken. Das tut er auch. Am nächsten Tag erscheint er zum Frühstück und gesteht seine Lüge und seine Gemeinheiten. Er verspricht, sich bei dir zu entschuldigen, künftig netter zu dir zu sein und setzt sich anschließend an den gedeckten Frühstückstisch, so wie auch der Rest der Familie.

Nur einer fehlt. Du. Du sitzt weiter in deinem Zimmer und schmollst. Irgendwann nimmst du den Kopfhörer ab und hörst – zu deinem Entsetzen und noch größeren Ärgernis – die Stimme deines Bruders, der fröhlich mit deinen anderen Geschwistern plaudert. Du bist rasend vor Wut – und hungrig – aber DA gehst du ganz sicher nicht runter. So ein gemeiner Haufen!

Doch ich lege jetzt mal den Finger in die Wunde, denn dies ist ja schließlich eine fiktive Geschichte: Wer von euch hat den miesen Tag, die miese Woche, das miese Leben? Und wer kann etwas daran ändern? Du oder dein Bruder?

Das leidige Thema: Vergebung

Vielleicht wusstest du schon seit ein paar Absätzen, dass es wieder auf dieses unbequeme Thema hinauslaufen wird. Aber nicht zu vergeben ist der größte Freiheitskiller überhaupt und ich glaube, dass Jesus sie genau deswegen nicht optional macht, sondern konkret von uns fordert. Zu meinen Kindern sage ich ganz oft: „Ich sag das nicht, um dich zu ärgern, sondern weil ich weiß, was passieren kann“. Ich kann mir gut vorstellen, dass Gott beim Thema Vergebung ähnlich denkt. Er sagt das nicht, um uns furchtbar schwere Dinge aufzubürden, sondern weil er weiß, dass Vergebung frei macht.

Da das Thema „ich“ ist mache ich es einfach noch persönlicher. Inspiriert wurde ich dazu von einer wunderbaren aber herausfordernden Predigt in meiner Kirche letzte Woche. Damit will ich übrigens auch sagen, dass ich das hier gerade eigentlich für mich schreibe, denn ich stecke da selbst mittendrin und es ist natürlich nicht alles so einfach, wie es sich anhört.

Jedenfalls kam der Prediger mit einem Rucksack auf die Bühne und sprach über verschiedene Verletzungen, die wir alle im Laufe des Lebens erleiden und Unrecht, das uns widerfährt. Das alles packen wir quasi aus Reflex in unsere Lebensrucksäcke und tragen es weiter mit uns herum – solange bis wir entscheiden, diese Dinge zu vergeben und den Rucksack Jesus zu geben und nicht weiter selbst zu schultern.

Ich fand dieses Bild beruhigend, denn ich hätte echt ein Problem damit, den Rucksack einfach wegzuwerfen und so zu tun, als sei nie was geschehen. Es geht mir schon besser bei dem Gedanken, dass sich nun Gott höchstpersönlich um den Inhalt meines Rucksacks kümmert, wenn ich entscheide es nicht mehr selbst zu tun.

Ich muss gestehen, ich mag auch den Gedanken, dass ich Unrecht beim Namen nennen darf und nicht mit einem frommen Lächeln überspielen muss. Den Rucksack zu packen ist also völlig ok, die Frage ist eben nur, wer ihn trägt – Jesus oder ich.

Hier wird die Geschichte für mich rund, denn wenn ich den Rucksack krampfhaft festhalte, weil ich vielleicht Angst habe, dass das Unrecht sonst in Vergessenheit gerät, dann stehe ich meiner eigenen Freiheit im Weg.

Du als Kind in der Geschichte eben hast dich selbst in dein Zimmer eingesperrt. Dein Bruder hat einen Fehler gemacht, er musste sich dafür auch verantworten, doch danach war er frei…

Du nicht.

Du wolltest ihn vielleicht bestrafen, indem zu sauer auf ihn warst, doch in Wahrheit hast du dich selbst eingesperrt.

Doch was ist mit den anderen?

Als ich über dieses Thema so nachdachte, kam mir noch ein ganz anderer Gedanke, der mich noch persönlicher traf. Das war so:

Ich nahm mir ganz bewusst Zeit, um noch einmal meinen Rucksack Stück für Stück auszupacken und den Inhalt zu betrachten. Da waren Dinge drin, wo ich sagen konnte „ok, ist gut jetzt, so schlimm war’s nicht“ aber da waren auch Sachen drin, die ich nicht so einfach wegwerfen konnte, sondern wieder einpacken musste. Am Ende wollte ich aber schon sicher stellen, dass der Rucksack nicht direkt wieder auf meinem Rücken landet und habe – unabhängig von verletzten Gefühlen – Gott gesagt, er soll ihn nehmen und mit dem Inhalt machen, was er für richtig hält.

Ich kann nicht behaupten, dass das ein ausschließlich freudiger Moment war, auch wenn ich die Erleichterung erahnen konnte. Doch es spielte natürlich auch etwas Angst mit, da ich ja die Kontrolle über all diese ätzenden Dinge abgeben wollte. Mein Gerechtigkeitssinn meldete sich auch sofort und beanstandete, dass es nicht fair sei, wenn nur eine Partei den Rucksack abgäbe, die andere ihn aber behielte. In der Geschichte von eben wäre das etwa so, als hätte der rüpelhafte Bruder sein Verhalten total in Ordnung gefunden und eben keine Verantwortung dafür übernommen. Was ist denn mit so einer Situation? Ist das nicht total unfair und einseitig?

Doch genau da flüsterte der Heilige Geist zu mir: „Und was wenn ich den anderen Rucksack schon längst bekommen habe und du es nur nicht weißt?“. Ja, was wenn? Ich hatte keine Antwort. Es war mir aber richtig unangenehm, dass diese andere Person, vielleicht schon vor mir mit dieser Geschichte bei Gott gewesen war. Weißt du was ich meine? In vielen Dingen werden wir es vielleicht auch nie erfahren. Letztendlich ist es wahrscheinlich auch egal, denn es geht ja um meine eigene Freiheit. Die Frage ist, vertraue ich Gott so weit, dass er die Sache auch mit meinen „Feinden“ regeln kann und wird oder vielleicht sogar schon hat?

Meine Freiheit hängt nämlich nicht von den Rucksäcken, der Reue oder der Vergebung anderer ab. Meine Freiheit ist meins, meine Verantwortung, meine Entscheidung und ich habe sehr viel mehr in der Hand als ich manchmal denke. Es geht also doch um mich.

 

Liebe Freunde, rächt euch niemals selbst, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: »Ich allein will Rache nehmen; ich will das Unrecht vergelten«, spricht der Herr. Handelt stattdessen so, wie es in der Schrift heißt: »Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken, und er wird beschämt darüber sein, was er dir angetan hat. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute! (Römer 12,19-21)

 

Und wie bereits erwähnt, bin ich da noch nicht, aber ich möchte da hin. Kommst du mit?

 

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