Alltägliches

FREIHEIT – Risikobereitschaft

Freiheit, wir alle streben danach und wir vermissen sie schmerzlich, wenn wir sie einmal verlieren. Doch hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass Freiheit auch Risiken und Nebenwirkungen beinhaltet?

Am Montag sind wir in die neue Blogserie über Freiheit gestartet. Hier nochmal der Überblick:

FREIHEIT

F – Furcht & Friede

R – Risikobereitschaft

E – Entscheidung

I – Identität

H – Heiliger Geist

E – Ehrlichkeit

I – Ich

T – Thron

 

Feiheit & Risikobereitschaft

Mehr Freiheit bedeutet mehr (Eigen-)Verantwortung und definitiv mehr Raum für Fehler. Der Alptraum eines jeden Perfektionisten… Freiheit ist etwas wunderbar Schönes und Erstrebenswertes, doch in meinem Berufsalltag erlebe ich auch immer wieder, dass Strukturen und Grenzen uns nötigen Halt und Orientierung geben. Das Maß an Freiheit muss also auch irgendwie zu meinen Fähigkeiten passen und außerdem bedarf es einer gehörigen Portion Mut, in Freiheit zu leben.

Ein Beispiel aus dem Kindergarten

Heute verkündete ein fast 3-Jähriger auf dem Weg zur Tür: „Ich geh nach Hause, der Kindergarten ist doof.“ Natürlich entscheidet ein 2-jähriges Kind bei uns nicht selbst, wann es nach Hause geht. Das wäre wohl eine ganz grobe Verletzung meiner Aufsichtspflicht. In diesem Fall habe ich Sicherheit und Vernunft über Freiheit gestellt, zum Wohle des Kindes, weil es dafür einfach noch nicht reif genug war.

Genau das selbe Kind sollte übrigens etwas später etwas in eine andere Gruppe bringen. Doch das wollte er nicht, denn davor hatte er laut eigener Aussage zu viel Angst.

Es ist schon verrückt, was wir manchmal unbedingt haben wollen, zu dem Gott vielleicht als guter Vater sagt „Nee, lieber noch nicht“. Auf der anderen Seite gibt er uns dann Aufgaben, denen wir total gewachsen sind und wir sind wie gelähmt vor Angst.

Ich wäge in meiner Arbeit täglich, nein wohl eher minütlich ab zwischen Risikomanagement und pädagogischem Wert, denn im Grunde ist mein Auftrag ja, die Kinder an die zunehmenden Freiheiten heranzuführen und ihnen zu helfen, die damit verbundenen Risiken einzuschätzen und zu bewältigen.

Ich glaube auch, das hört nie auf. So bleibt auch für uns Erwachsene abzuwägen, wie viel Risiko wir bereit sind, auf uns zu nehmen und wie weit wir uns aus unserer sicheren Zone hinauswagen wollen.

Beispiele aus der Bibel

In 1. Chronik 4,10 betet Jabez: „Segne mich und erweitere mein Gebiet“. Ich weiß ja nicht, ob du dir so eine Gebietserweiterung friedlich und einfach vorstellst. Für mich gehört dieses Gebet eher in die Kategorie „gefährliche Gebete“.

Wenn du auf der sicheren Seite des Lebens bleiben willst, dann rate ich dir dringend davon ab, Gott um so etwas zu bitten, denn meine Erfahrung sagt, Gebete für Wachstum und Veränderung erhört Gott liebend gern, nur leider sind Veränderungen selten kurz und schmerzlos. (Lustigerweise bedeutet Jabez sogar Schmerz, aber das nur am Rande…)

Wenn du Gott bittest, dein Gebiet zu erweitern, dann kannst du erwarten, dass er dir wie beim Monopoly Spiel einfach so ein paar Straßenkarten vom Stapel zuspielt. Kannst du machen, wird vielleicht auch hin und wieder so geschehen, doch eigentlich klingt das für mich eher wie vorprogrammierte Enttäuschung.

Leider erfahren wir von Jabez nicht viel mehr und wissen nicht, wie seine Geschichte weiter ging. Dafür gibt es aber genügend andere. Das Volk Israel, zum Beispiel, wünschte sich Freiheit in Form eines eigenen Landes. Doch dafür mussten sie ihr gewohntes Land verlassen, einen gewaltigen Fußmarsch hinter sich bringen und sich mit Riesen und befestigten Städten anlegen. Josua war so jemand, der fest davon überzeugt war, dass Gott mit ihnen geht und für sie kämpft und so war er auch bereit, das Risiko einzugehen.

Oder nehmen wir Petrus. Er wollte Freiheit von den Naturgesetzen und auf dem Wasser gehen, musste dafür aber aus dem Boot aussteigen.

Die zahlreichen Menschen, die zu Jesus kamen, um geheilt zu werden, wünschten sich Freiheit von Krankheit und Gebrechen, dafür mussten sie sich aber auch dazu bekennen und eine Abfuhr riskieren.

Freiheit bedeutet eben auch eine Erweiterung meines Horizonts und das erfordert auch einen gewissen Mut zur Veränderung und einen Schritt ins Unbekannte.

Wie risikofreudig bist du? Wenn du die Wahl zwischen etwas Bekanntem aber schlechten und etwas Neuem mit ungewissem Ausgang hast, wie entscheidest du dich?

Vielleicht wünschst du dir Freiheit von einer Sucht oder Gewohnheit, die dich plagt. Bist du dann bereit, den gefühlten Mangel solange auszuhalten, bis Jesus dir etwas Besseres zeigt?

Vielleicht wünscht du dir Freiheit von einem negativen Selbstbild oder einer Lebenslüge. Bist du dann bereit, dem zu Glauben, was Gott über dich sagt, auch wenn es sich gar nicht so anfühlt?

Vielleicht wünschst du dir emotionale Freiheit von einer belastenden Beziehung oder Situation. Bist du dann bereit, die gefürchtete Einsamkeit zu riskieren und dich dann wieder neu auf Menschen einzulassen?

Vielleicht wünscht du dir gedankliche Freiheit von etwas, was dich völlig einnimmt und auffrisst. Bist du dann bereit, bewusst nicht weiter über dem Problem zu kreisen und dich auf die Lösungen zu konzentrieren?

Vielleicht wünschst du dir Freiheit von Bitterkeit und Enttäuschung. Bist du dann bereit, die Person, die dich verletzt hat, loszulassen und an Gott zu übergeben?

Vielleicht wünschst du dir mehr Vertrauen und Freiheiten in deiner Familie oder deinem Job? Bist du dann bereit, Verantwortung zu übernehmen?

Vielleicht wünschst du dir auch, genau wie mein 2-Jähriger, Freiheit von Schranken, Türen und Zäunen und mehr Selbstbestimmung. Bist du dann bereit, auch mal einen Schritt in eine furchteinflößende, unbekannte Gegend zu tun?

Vielleicht wünscht du dir Freiheit von Vorschriften und Begrenzungen. Bist du dann bereit, für deine eigene Disziplin und Strukturen zu sorgen?

 

Freiheit gewinnen bedeutet immer auch Altes loslassen. Viele von uns wollen das eine ohne das andere, doch ich kann nicht frei und gleichzeitig sicher und berechenbar sein.

Die beste Illustration für mich ist, dass Gott uns Menschen die Freiheit einräumt, uns von ihm abzuwenden und unser eigenes Ding zu machen. Er geht das Risiko ein, dass er liebt und nicht zurück geliebt wird. Er geht das Risiko ein, dass er umsorgt und nachgeht und die Dankbarkeit ausbleibt. Er hätte die Macht, uns bei sich zu behalten und einzusperren. Stattdessen bereitet er uns wie ein liebevoller Vater auf die Freiheit vor und wirbt mit Liebe, Gnade und Frieden um unser Herz.

Manchmal schlage ich mit meinem Verlangen nach Freiheit über die Stränge und denke, ich kann das alles alleine. Doch wie das so ist, zuhause ist es doch immer am schönsten und so komme ich jedes Mal wieder gerne freiwillig zurück. Bei ihm finde ich ein perfektes Maß an Freiheit und Geborgenheit und dort wo ich mich geborgen fühle, da wage ich auch schon mal eher etwas, was ich mir sonst vielleicht nicht zutrauen würde. Zuhause bei Gott habe ich alle Freiheiten, die ich mir wünsche und fühle mich trotzdem sicher umgeben von schützenden Strukturen.

Willkommen zuhause – dort wo ich mich nicht verstellen muss und auch mal was riskieren kann. Dort fühle ich mich frei!

 

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