Alltägliches

Freiheit – Wie viel Platz hat der Heilige Geist?

Fragst du dich, wie frei du wirklich bist? Ich habe für mich einen sehr zuverlässigen Indikator gefunden, der unabhängig von Lebensumständen, Jahreszeiten, Launen und Vorlieben funktioniert: Der Heilige Geist.

Doch bevor wir einsteigen, findest du hier die anderen Beiträge dieser Freiheits-Serie:

FREIHEIT

F – Furcht & Friede

R – Risikobereitschaft

E – Entscheidung

I – Identität

H – Heiliger Geist

E – Ehrlichkeit

I – Ich

T – Thron

Freiheit und der Heilige Geist

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit! Ich habe es oft zitiert und kann es nur nochmal wiederholen. Wenn ich wissen will, wie frei ich wirklich bin, sehe ich mir einfach an, wie viel Platz ich dem Heiligen Geist aktuell in meinem Leben gebe.

Was meine ich damit? Kann man auch nur ein Bisschen Heiligen Geist haben? Das glaube ich nicht und meine ich damit auch nicht, entweder er ist da oder er ist nicht da. Die Variable ist also eher mein Herz und meine Bereitschaft, zu hören und zu reagieren. Ist mein Herz ein Ort, in dem er sich entfalten darf oder habe ich es selbst fest im Griff? Habe ich es vielleicht mit Neid oder Bitterkeit zugemüllt? Habe ich es fest verschlossen und gut verriegelt, damit mich bloß niemand mehr verletzen kann? Hängt es so sehr an anderen Dingen, dass dort gar kein Platz mehr ist?

Gottes Geist ist Freiheit und er wird uns immer Richtung Freiheit ziehen. Er lässt sich auch nicht einsperren, reglementieren oder vorhersehen. Gott hat versprochen, dass uns nichts und niemand von seiner Liebe trennen kann (Röm 8,38), allerdings können wir sie in unserem Leben sehr wohl stumm schalten. 

Es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich mir ganz bewusst die Ohren zugehalten und mein eigenes Ding gemacht. Anfangs habe ich noch gespürt, dass es vielleicht nicht der richtige Weg ist, doch irgendwann gewöhnt man sich dran und findet den „mute“ Knopf…

Es gab ebenso Zeiten, da ging das alles etwas subtiler vonstatten. Das war keine bewusste Rebellion, sondern eher Gewohnheit die sich da einschlich. Beten, achja, ich weiß ja wie das geht, check. Bibel lesen, heute muss ich 3 Kapitel und einen Psalm lesen, check. Gottesdienst, jo, Platz ist reserviert, ganz hinten links wenn ich Dienst habe, sonst Mitte rechts, check. Man macht, was man immer macht, aber man spult irgendwann nur noch ein Programm ab. Aber auch da, wo man eigentlich gute Dinge tut, kann es passieren, dass man irgendwann nicht mehr mit ganzem Herzen dabei ist und dann hat der Heilige Geist irgendwann keinen Raum mehr, denn er lebt nicht innerhalb begrenzter Programme, Strukturen und Routinen.

Das hebräische Wort ruach, das mit Geist übersetzt wird, bedeutet auch Wind oder Atem. Ich liebe auch die Formulierung in der Apostelgeschichte 2,2 in der englischen Bibel: „like a mighty rushing wind“. Vielleicht liegt es nur an mir, aber ich finde keine deutsche Übersetzung, die mir „mighty“ oder gewaltig genug ist. Ich sehe in diesen Worten einen kraftvollen, wilden Sturm, aber kein gefährlicher, zerstörerischer, sondern einfach nur einer, der sich nicht aufhalten oder in die Schranken weisen lässt. Ich liebe dieses Bild! Es ist für mich der Inbegriff von Freiheit.

Die Frage ist also, darf der Heilige Geist mal so richtig durch dein Leben pusten? Nicht um zu zerstören, aber vielleicht um zu entstauben…

Ich merke, je öfter ich mich für Freiheit entscheide (Siehe dazu auch FREIHEIT ist eine Entscheidung), desto mehr spüre ich auch das Wirken des Geistes in mir. In einem Lied heißt es: „Geist führe mich dorthin, wo mein Vertrauen ohne Grenzen ist, lass mich übers Wasser laufen“ (1). Ich liebe es!

 

Ich möchte dir noch etwas persönliches erzählen. Es geht mir gar nicht darum, dass wir alle charismatischer werden sollten und mehr übernatürliche Erlebnisse suchen sollten. Anbetung soll vor allem echt sein und so wird wohl jeder seinen ganz persönlichen Stil finden. Ich habe nur gemerkt, dass ich manche Dinge mehr aus Tradition oder Gewohnheit, als aus Überzeugung tue und noch schlimmer, dass ich auch mal was nicht mache, weil ich sonst die einzige wäre und auffallen könnte… Schreck lass nach.

Dass ich wirklich in manchen Dingen nicht frei bin, ist mir ganz konkret bewusst geworden, als ich gemerkt habe, dass ich alleine zu Hause ganz anders bete, rede und lobpreise, als in einer Gruppe oder laut vor anderen. Es war fast, als hätte ich gesagt: „So Heiliger Geist, zu Hause können wir tun und lassen, wozu wir zwei Lust haben, aber da draußen müssen wir uns benehmen und uns der Kultur oder der Struktur anpassen!“ Das hat er auch wohl auch getan, denn er hat mich nie blamiert oder meine Grenzen überschritten, aber mit Freiheit hatte das leider gar nichts zu tun.

Es fällt mir teilweise immer noch schwer, die „benimm dich“ Stimme zum Schweigen zu bringen und mich auf das Abenteuer einzulassen, aber es macht einfach so viel mehr Spaß als immer nur brav zu sein. Kennst du das Lied in dem es heißt: „Wenn Gott mich füllt mit seinem Geist, wie David tanze ich…“? Die Wahrscheinlichkeit, dass DAS passiert halte ich für relativ gering, denn das passt so absolut nicht zu mir. Das meinte ich auch mit ehrlichem Lobpreis. Klar könnte ich tanzen aber das sähe nicht nur bescheuert aus, es wäre auch absolut unnatürlich für mich und aufgesetzt. Ich will damit auch nur sagen, dass ich versuchen will gegen das „ich fühl mich beobachtet“ Gefühl anzukämpfen und stattdessen mehr auf den Geist zu hören als auf mein Umfeld. Das ist auf jeden Fall eine Sache, wo ich mich oft selbst daran hindere, in Freiheit zu leben.

 

Ich erlebe leider immer wieder zwei Extreme, die ich für mich beide nicht haben will. Die einen streben so sehr nach geistlichen Erfahrungen, dass die Bibel manchmal in den Hintergrund zu rücken scheint und eher zu einer unterstützenden Literatur wird, um die Erlebnisse zu erklären. Die anderen scheinen regelrecht Angst vor dem Heiligen Geist zu haben; sie glauben zwar an Wunder, begegnen aber allem, was ihnen fremd ist, mit einer gehörigen Portion Skepsis.

Persönliche Neigungen und Vorlieben habe ich ja schon erwähnt, aber ich glaube, dass jedes Extrem Gefahren birgt. Ich denke aber auch, dass man sich gar nicht entscheiden muss. Ich möchte mich mit Gottes Wort so gut auskennen, dass ich Original und Fälschung unterscheiden kann, will aber gleichzeitig offen und sensibel bleiben für Dinge, die mein menschlicher Verstand einfach nicht fassen kann.

Da fällt mir doch direkt noch ein Liedtext ein, ich weiß aber leider nicht, von wem es ist, oder wie es heißt (Dürft ihr dann gerne ergänzen, falls es jemand kennt). Jedenfalls heißt es da: „Du rufst mich raus aufs wilde Wasser, ich hab keine Angst mit dir“. Mit solchen Natur-Abenteuer-Bildern kriegt man mich ja immer, aber das ist einfach so passend! Ich will keine Angst vor unbekanntem wilden Wasser haben, ich will mir lieber ein Kanu schnappen und Spaß haben!

Feiheit – Der Heilige Geist ist Freiheit. Darf er sich bei mir entfalten und mich verändern oder versuche ich ihn in mein Leben und meine Glaubens- und Denkmuster einzusperren?

 

(1) Oceans (Where Feet May Fail), Hillsong United. Songwriter: Joel Houston / Matt Crocker / Salomon Lighthelm

 

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