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Gebet – Beharrlichkeit vs. Sorgen abgeben

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Einerseits heißt es in der Bibel wir sollen nicht aufhören, für etwas zu bitten, andererseits sollen wir aber auch unsere Sorgen abgeben und Gott vertrauen. Wie gehen wir also mit diesen scheinbaren Widersprüchen um, die wir in der Bibel zu fast jedem Thema finden? Denn wenn ich Gott vertraue, dass er ein Problem löst, dann muss ich ihn doch nicht ständig damit nerven, oder? Kann Gott sich etwa nicht entscheiden, wie er angesprochen werden will? Es kommt natürlich, wie immer, auf die Situation und auf unsere Motive an.

Denn auch etwas scheinbar Demütiges wie Gebet, kann unter Umständen gar kein Ausdruck von Glauben, sondern eher ein Hinweis auf mangelndes Vertrauen sein.

Lass es mich dir an einem aktuellen Beispiel aus meinem Leben erklären. Danach sehen wir uns einige Bibelstellen dazu an.

Sorgen abgeben
Ich brauchte für mein Fahrrad einen neuen Gepäckträger und das gestaltete sich schwieriger, als geplant. Insgesamt hat es über einen Monat gedauert, war mit einigen Telefonaten und Besuchen in der Werkstatt verbunden und immer, wenn es so aussah, als würde endlich alles klappen, lief wieder etwas schief. Nächste Woche brauche ich das Rad, die Zeit lief also auch langsam davon. Am Freitag war selbst der Fahrradhändler so weit, dass er keine Ideen mehr hatte. Ich muss dazu sagen, ich bin auch vorher ohne diesen speziellen Gepäckträger ausgekommen, es wäre also auch kein Weltuntergang gewesen, die nächste Tour auch wieder ohne zu fahren. Es war also eigentlich eine Kleinigkeit, trotzdem habe ich mir Sorgen gemacht. Ich konnte es nicht ändern, ich habe mir die schlimmsten Szenarien ausgemalt und weitergesponnen. Es hat mich regelrecht aufgefressen. Als mir das bewusst wurde, habe ich zu Gott gesagt: „Herr, ich gebe dir dieses Problem, ich bitte dich jetzt einmal darum, es für mich zu lösen, aber danach muss ich es aus meinem Kopf verbannen, sonst nimmt es mich ein.“
(Anmerkung: Mein Rad ist wieder da, mit Gepäckträger!)

Beharrlichkeit
Anderes Szenario: Ich habe konkrete Vorstellungen und Wünsche für meine Zukunft, die ich allerdings nicht ohne Gott verwirklichen kann und will. Ich bete regelmäßig und beharrlich dafür, dass Gott mir diese Zukunft ermöglicht. Im Gegensatz zu meinem Fahrradproblem, habe ich in dieser Sache allerdings volles Vertrauen, dass Gott es gut machen wird, egal ob er nun meine Vorstellungen erfüllt oder andere Pläne hat. In diesem Fall kann ich beharrlich sein, ohne dass ich gleichzeitig von Sorgen aufgefressen werde und die Sorge somit zu meinem Götzen mache. Hier sehe ich mein Gebet eher als eine kleine Erinnerung an Gott und mich selbst, dass mir dieses Thema immer noch wichtig ist.

 

Wie du siehst, zwei völlig unterschiedliche Ausgangspunkte und deshalb auch zwei verschiedene Gebete. Ich weiß nicht, wo du gerade stehst, deshalb möchte ich dir einfach mit diesem Hintergrund einige Bibelstellen zeigen, die sich mit dem Thema Gebet und  Sorge beschäftigen. Vielleicht ist ja eine dabei, die dich anspricht und mit der du dich identifizieren kannst. So wie wir im Alltag unsere Umgangsformen und Ausdrucksweise an die Situation anpassen, gibt es wohl auch für das Gespräch mit Gott keine Faustformel. Aber das macht die Beziehung ja auch gerade spannend und lebendig. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, „richtig“ zu beten, als es überhaupt zu tun. Lass es mich mit den Worten von A.W. Tozer sagen: „Beter sind Sieger.“1

 

Zum Thema Beharrlichkeit

Lukas 18,1-8
Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis, um ihnen zu zeigen, dass es nötig ist, allezeit zu beten und nicht nachlässig zu werden; und er sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute. Es war aber eine Witwe in jener Stadt; die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegenüber meinem Widersacher! Und er wollte lange nicht; danach aber sprach er bei sich selbst: Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor keinem Menschen scheue, so will ich dennoch, weil mir diese Witwe Mühe macht, ihr Recht schaffen, damit sie nicht unaufhörlich kommt und mich plagt. Und der Herr sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Gott aber, wird er nicht seinen Auserwählten Recht schaffen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, wenn er auch lange zuwartet mit ihnen? Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Recht schaffen! Doch wenn der Sohn des Menschen kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden?

Römer 12,12
Seid fröhlich in Hoffnung, in Bedrängnis haltet stand, seid beharrlich im Gebet!

Matthäus 7,7-11
Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan! Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan. Oder ist unter euch ein Mensch, der, wenn sein Sohn ihn um Brot bittet, ihm einen Stein gibt, und, wenn er um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gibt? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten!

Kolosser 2,4
Seid ausdauernd im Gebet und wacht darin mit Danksagung.

Epheser 6,18
indem ihr zu jeder Zeit betet mit allem Gebet und Flehen im Geist, und wacht zu diesem Zweck in aller Ausdauer und Fürbitte für alle Heiligen

 

Zum Thema Sorgen abgeben

1 Petrus 5,6-7
So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit! Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

Matthäus 6,7-8
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.

Matthäus 6,27 (eigentlich 6,25-34)
Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen?

Psalm 37,3-4
Vertraue auf den HERRN und tue Gutes, wohne im Land und übe Treue; und habe deine Lust am HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt!

Psalm 55,23
Wirf dein Anliegen auf den HERRN, und er wird für dich sorgen; er wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen!

Johannes 14,1
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

 

Fazit

Das darf natürlich jeder selbst ziehen. Aber ich finde Philipper 4,6-8 eine schöne Zusammenfassung von Sorge und Beharrlichkeit im Gebet:

Sorgt euch um nichts, sondern betet um alles. Sagt Gott, was ihr braucht, und dankt ihm. Ihr werdet Gottes Frieden erfahren, der größer ist, als unser menschlicher Verstand es je begreifen kann. Sein Friede wird eure Herzen und Gedanken im Glauben an Jesus Christus bewahren.  Und nun, liebe Freunde, lasst mich zum Schluss noch etwas sagen: Konzentriert euch auf das, was wahr und anständig und gerecht ist. Denkt über das nach, was rein und liebenswert und bewunderungswürdig ist, über Dinge, die Auszeichnung und Lob verdienen. (NLB, Hervorhebung von mir)

Ob wir ihm die Sorge nur einmal bringen und dort lassen, oder ob wir ausdauernd darum bitten, konzentrieren sollen wir uns auf die Wahrheit und so wird Gottes Friede uns bewahren.

 

 

 

Quellen:
1 Tozer, Aiden W. Gegründet im Wort, brennend im Geist. Übers. Dr. Friedmann Lux. Hünfeld: CMD, 2010, S.73

Sofern nicht anders angegeben: Bibeltext der Schlachter Übersetzung Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf.

Weitere: Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

 

 

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