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Mein echter Geburtstag und die wichtigste Entscheidung überhaupt

Entscheidung Geschenk

Wir haben uns schon viele Gedanken über Entscheidungen gemacht und sicherlich trotzdem noch nicht alles gesagt. Ich möchte diese Reihe dennoch heute abschließen, zum einen mit ein paar ausgewählten Zitaten und zum anderen mit der wichtigsten Entscheidung überhaupt.

 

Zitate

Wenn du dich zwischen Äpfeln und Orangen entscheiden musst, dann nimm, was dir besser schmeckt. Wenn du dich zwischen Äpfeln und Marihuana entscheiden musst, Kind, dann nimm bitte die Äpfel!
(von der weisen Oma einer ehemaligen Mitschülerin)

Wir müssen anfangen zu beten … und irgend­wann müssen wir aufhören zu beten und aktiv werden.
(Mark Batterson)


Ein weiser Mann ist stark, und ein verständiger Mensch nimmt zu in seiner Kraft. Denn durch weise Führung gewinnst du die Schlacht und durch viele Ratgeber den Sieg. (Sprüche 24,5-6)
Wo keine Beratung ist, da scheitern Pläne, wo aber viele Ratgeber sind, da kommen sie zustande. (Sprüche 15,22)

 

Mein echter Geburtstag

Da ich am Freitag Geburtstag hatte, nehme ich dieses Thema als passenden Abschluss der Entscheidungs-Reihe. Keine Sorge, du hast meinen Geburtstag nicht verpasst. Der, den alle feiern, ist erst im Oktober, trotzdem sehe ich den 23.2. gerne als meinen echten Geburtstag. Die Erklärung ist auch ganz einfach und beruht auf Johannes 3,3:

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen!

Der 23.2. ist also nicht der Tag an dem ich zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte, sondern der Tag an dem ich die wichtigste, beste und gleichzeitig folgenschwerste Entscheidung meines Lebens getroffen habe. Ich liebe gute Geschichten und wenn du meine noch nicht kennst, dann will ich sie dir heute gerne erzählen:

 

Katholisch oder evangelisch?

Nach meiner Geburt konnten sich meine Großeltern  nicht einigen, ob ich katholisch oder evangelisch getauft werden sollte. Da meine Eltern eh aus der Kirche austreten wollten, war es ihnen relativ egal. Genervt von dem Gezanke trafen sie letztendlich eine Entscheidung und sprachen damit unwissentlich Prophetische Worte: „Das Kind soll selber entscheiden!“

So wuchs ich ungetauft und stolz darauf, als bekennende Atheistin auf. Mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens war ich zwar einigermaßen vertraut, jedoch überzeugten sie mich nicht.

 

Fernweh

Mit 19 Jahren überkam mich dann erstmalig das Fernweh und es zog mich für ein Jahr als AuPair in die Vereinigten Staaten von Amerika, mitten in eine gläubige Gastfamilie. Da mir Ehrlichkeit inzwischen nicht mehr peinlich ist, verrate ich euch heute die zwei Gründe, warum ich mich trotzdem für diese Gastfamilie entschieden habe: Der Pool im Garten und der Fakt, dass sie in Houston wohnten (ich war ein riesen Whitney Houston Fan).

Ich interessierte mich wirklich für ihre Kultur und ihren Glauben, denn schließlich redete mein großes Idol Whitney Houston auch immer so komisches Zeugs von Beten und Jesus und so. Ich willigte also ein, mir die Kirche dort mal etwas genauer anzusehen, denn ich war mir sicher, überzeugen würden sie mich davon sowieso nicht. So erfuhr ich immer mehr von diesem Jesus, den ich vorher nur aus Bilderbüchern kannte. Ich lernte, was er gut fand und was er verabscheute. Ich hörte von Sünde, Vergebung und Versöhnung und obwohl ich das meiste davon nicht verstand, beantwortete meine Gastfamilie mir sehr geduldig meine vielen Fragen.

 

Erwischt!

Von plötzlichem Heimweh geplagt, provozierte ich meine Gastfamilie allerdings, wo ich nur konnte und legte es regelrecht darauf an, nach Hause geschickt zu werden. Eines Tages brach ich eine der Hausregeln und vertuschte es dann mit einer dreisten Lüge. Gleichzeitig kam mir der Gedanke, warum Gott – sofern es ihn denn wirklich gab – sich von mir so dreist an der Nase herum führen ließ und meine offensichtliche Lüge duldete…

Nun, er tat es nicht. Ich flog am selben Abend auf. Zum ersten Mal in meinem Leben verspürte ich aufrichtige Reue und mir war bewusst, dass ich einen schrecklichen Fehler gemacht hatte. Ich empfehle hier übrigens keine Nachahmung, denn später sollte ich erfahren:

Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten. (Gal 6,7)

Doch zu meinem größten Erstaunen ging meine Geschichte glimpflich aus und meine Gastfamilie sagte nur: „Wir vergeben dir“. Das war der entscheidende Moment, an dem ich Vergebung zum ersten Mal verstand. Es war auch der Moment in dem mir bewusst wurde, dass es Gott wirklich gibt, denn er hatte mir ein Gebet beantwortet, von dem ich nicht einmal wusste, dass es eins war.

 

Viel zu peinlich

Damals dachte ich, ich sei von nun an Christ, weil ich ja jetzt an Gott glaubte und demnach kein Atheist mehr war. Heute weiß ich, dass selbst Dämonen an Gott glauben und somit keine Atheisten sind (Jak 2,19), zu Christen macht sie das aber noch lange nicht. Jedenfalls beschäftigte ich mich weiter mit dem Glauben und tat all das was man als Christ halt so tut und versuchte all das zu lassen, was man als Christ eben besser nicht tut.

Da ich scheinbar über ein hervorragendes Anpassungsvermögen verfüge, war ich in der Gemeinde nicht einmal aufgefallen und viele dachten, ich sei schon länger Christ. Mir war die ganze Sache mit der Lüge und meiner Gastfamilie aber noch so unangenehm, dass ich da nicht so gerne drüber reden wollte und so wusste natürlich auch niemand, was sich innerlich bewegte. Ich hätte gerne Gewissheit gehabt und mit jemandem über meine Zweifel gesprochen, aber ich wollte mir nicht die Blöße geben. Denn dann hätte ich ja zugeben müssen, dass ich die ganze Zeit mehr oder weniger geschauspielert hatte. Ein Teufelskreis.

 

Eine mutige Entscheidung

Dann kam der Februar und das Wochenende der Jugendfreizeit in der Gemeinde. Eigentlich war ich mit 19 schon ein Jahr zu alt um teilzunehmen, aber meine Gasteltern nahmen als Leiter teil und somit bekam ich doch einiges mit. Ich weiß es noch so genau, weil es einfach so knapp war. Ich sollte an dem Abend auf die Kinder aufpassen. In letzter Minute entschied meine Gastmutter allerdings selbst zu Hause zu bleiben und mich zur Veranstaltung zu schicken. Gott sei Dank!

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon die Predigt handelte, ich weiß nur noch, dass der Prediger am Ende so etwas sagte wie: „Glaube ist eine mutige Entscheidung“. Dann bat er alle die Augen zu schließen und diejenigen, die den Mut hätten, Jesus öffentlich zu bekennen, aufzustehen.

Ihr wisst ja gar nicht, was in diesem Moment für ein Sturm in meinem Kopf tobte…
„Du bist längst Christ, lass den Quatsch“
„Lass dich nicht beeinflussen und lass dich bloß nicht bekehren“
„Was sollen deine Freunde von dir denken, die wissen dann, dass du nur gespielt hast“
„Mein Glaube geht niemanden was an, das kann ich mit Gott alleine ausmachen“
„Ich steh ganz vorne, jeder wird mich sehen“
„Mir ist das peinlich!“
„Aber ich will mir auch sicher sein und endlich diese Zweifel loswerden“
„Ich könnte das heute ein für alle Male besiegeln“
„und die Bibel sagt doch ich soll mich nicht für Jesus oder meinen Glauben schämen“
„Ich mach das jetzt, egal was die anderen denken“
„Nein doch nicht, ich hab Angst“
„Komm, jetzt oder nie, eigentlich hast du dich schon längst für Jesus entschieden und heute sollen es ruhig alle wissen“

Ich stand auf und zu meinem Schrecken war das genau der Moment wo alle die Augen wieder aufmachen sollten. Ich drehte mich zögerlich um und sah, dass mein Gastvater weinte und gerade noch herausbrachte: „Ich habe 9 Monate für dich gebetet, herzlich willkommen in der Familie“. Ich war wieder einmal überrascht und überwältigt. Das war am 23.2.2002 und darum feiere ich diesen Tag als meinen wahren Geburtstag.

 

Oder doch keine Entscheidung?

Im Laufe der Jahre habe ich mir noch weitere Gedanken darüber gemacht, ob man sich wirklich einfach so entscheiden kann, Jesus nachzufolgen. Inzwischen denke ich nein. Das mache ich unter anderem fest an Bibelstellen wie:

Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat (Joh 6,44a)

Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es (Eph 2,8)

Im Prinzip ist es aber auch das, was ich selbst erlebt habe. Bevor ich mich entscheiden konnte, ja zu Jesus zu sagen musste ich erst einmal verstehen, dass er mich ruft.

Die beste, folgenschwerste und aufregendste Entscheidung überhaupt war also auf Jesu Einladung zu antworten. 

 

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