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Wie kann ich den Menschen in meiner Gemeinde helfen, geistlich zu wachsen?

Diese Frage habe ich mir tatsächlich schon gestellt. Nur nicht genauso formuliert, sondern eher: „Was kann ich tun, damit unsere Gemeinde wächst, damit wir endlich ein paar mehr werden, damit der Gottesdienst lebendiger wird?“ Die Frage in der Überschrift stammt übrigens von John Ortberg und ist an Dallas Willard gerichtet, der auch prompt die Antwort liefert: „Du musst dein Leben so gestalten, dass du tiefe Zufriedenheit, Freude und Zuversicht in deinem alltäglichen Leben mit Gott erfährst.“ 1

Meinen ersten spontanen Gedanken teile ich mit John Ortberg, denn seit wann geht es hier um mein Leben? Ich wollte doch wissen, wie ich den anderen helfen kann… Und was nützt es, wenn ich mich um geistliches Wachstum bemühe, es meinen Sitznachbarn aber trotzdem nicht interessiert, oder er es gar nicht mitkriegt? Reicht es wirklich, das so vorzuleben?

Lasst mich zuerst eine andere Frage stellen: Kennt ihr diese Kollegen, Ehepartner, Kinder, die überall alles herumliegen lassen? Da mit gutem Beispiel voran zu gehen und seine eigenen Sachen immer wegzuräumen, hilft nach meiner persönlichen Erfahrung eher wenig. Aber mache bloß einen klitzekleinen Fehler, machen es plötzlich alle nach. Warum???

Ob wir es wollen oder nicht, wir Menschen sind einfach Nachahmer. Das fängt bei Säuglingen mit Mimik und Lauten an, geht bei Kleinkindern mit Puppenwagen und Werkzeugkoffer weiter und setzt sich ein ganzes Leben lang fort. Aber wir machen ja nicht einfach nur alles nach, wir übernehmen das was uns interessiert, das was uns begeistert, das was sich für andere bewährt hat, das was uns neugierig macht, das was wir auch mal ausprobieren wollen. Und sind wir ehrlich, nutzen wir es manchmal auch als Freispruch, etwas zu tun, was wir nicht unbedingt für richtig halten: „Aber der hat das doch auch gemacht!“

Kurzum, wir ahmen das nach, was uns erstrebenswert erscheint oder wovon wir uns einen Vorteil versprechen. Dann ist es auf einmal auch logisch warum meine tiefe Zufriedenheit, Freude und Zuversicht in Christus anderen zum Wachstum dient. Denn wer wünscht sich diese Dinge nicht für sein Leben?

Mein zweiter Gedanke war, wie komme ich zu dieser Zufriedenheit, Freude und Zuversicht, wenn ich mich einfach nicht so fühle? Wie kann ich Begeisterung leben, wenn meine Gemeinde, meine Familie oder meine Freunde mich enttäuscht haben? Was, wenn meine Umstände mir wenig Grund zur Zuversicht lassen? Ich brauche doch jemanden, der mich motiviert, der mich anfeuert, der mich mitreißt. Ich will Begeisterung und Lebendigkeit sehen! Natürlich ist es sehr viel einfacher, wenn man sich mitreißen lassen kann, aber Dallas Willard sagt ganz klar:

„Das ist nicht die Aufgabe der Ältesten und nicht die Aufgabe meiner Frau und nicht die Aufgabe meiner Freunde und nicht die Aufgabe meiner Gemeinde und nicht die Aufgabe meiner Mitarbeiter. Es ist nicht in Ordnung, wenn ich warte, bis meine Gemeinde oder meine Welt oder mein Leben sich zufriedenstellend entwickelt haben. Das ist das Leben in der Dreieinigkeit.“ 2

Jeder von uns hat die Möglichkeit, eine ganz persönliche Beziehung mit Gott dem Vater, dem Sohn und dem heiligen Geist zu haben, eine Beziehung die so tief oder so oberflächlich sein kann, wie ich es zulasse. Hier geht es tatsächlich nur um mich und meine Reaktion auf Gottes Gnade und nicht um das, was alle anderen tun.

Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf.  Richtet euch nicht länger nach ´den Maßstäben` dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist. (Römer 12,1-2 NGÜ)

 

 

Quellen:

1,2 Willard, Dallas. Jünger leben mittendrin. Übers. Evelyn Sternad. Schwarzenfeld: Neufeld, 2014, S.103-104.

Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen
Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

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