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Geistlich wachsen – nur wo fange ich an?

Geistlich wachsen

Man sagt ja, um eine neue Angewohnheit zu formen, braucht es mindestens einen Monat. Deshalb gibt es ja auch besonders zum Jahresbeginn so viele 30 oder 40 Tage Challenges. Die möchte ich auch keinesfalls als Hilfsmittel oder Motivation in Frage stellen. Allerdings haben wir als Nachfolger Jesu doch Zugang zu einer noch viel effektiveren verändernden Kraft: dem Heiligen Geist in uns.

Weil Gott uns solches Erbarmen geschenkt hat, liebe Geschwister, ermahne ich euch nun auch, dass ihr euch mit Leib und Leben Gott als lebendiges und heiliges Opfer zur Verfügung stellt. An solchen Opfern hat er Freude und das ist der wahre Gottesdienst. Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt! (Römer 12,1-2)

In meinem Andachtsbuch stand zu diesem Vers folgende Frage: „Können Sie Bereiche sehen, in denen Sie Ihr Verhalten, nicht aber Ihre Denkweise geändert haben? Wenn ja, sind Sie dann wieder rückfällig geworden?“

Das kennen wir alle, oder? Wie findet also dauerhafte Veränderung statt? Die fromme Antwort kennt ihr sicherlich: Beten und Bibel lesen… und dem stimme ich selbstverständlich auch zu, aber ist das wirklich alles und hilft mir das wirklich weiter?

Ich weiß nicht, wie oft ich mir schon vorgenommen habe, 30 Tage lang jeden Tag Stille Zeit zu haben. Wie oft ich mir vorgenommen habe, auf der Arbeit nicht zu meckern wenn wieder etwas unfair ist. Wie oft ich mir vorgenommen habe, das Glas halb voll statt halb leer zu sehen… 30 Tage sind echt lang!

Letztendlich hat es tatsächlich auch nichts verändert, weil ich danach direkt wieder in den „Puh geschafft, jetzt kannst du wieder tun, was du willst“ Modus zurück bin. Darauf zielte sicherlich ja auch die Frage ab, wenn ich meine Einstellung/Sichtweise/Denkweise nicht ändere, sind alles andere nur selbstauferlegte Verhaltensregeln, die mich nicht nachhaltig verändern. Das typische „Christen müssen aber…“ und „Eigentlich sollte ich ja (nicht)…“ klingt vielleicht nobel, funktioniert nur nicht.

Jesus sagt:

„Bleibt in mir, und ich bleibe in euch! Eine Rebe kann nicht aus sich selbst heraus Frucht bringen; sie muss am Weinstock bleiben. Auch ihr könnt keine Frucht bringen, wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt.“ (Joh‬ ‭15, 4)

So wie eine Rebe ohne Weinstock keine Frucht bringt, sind auch unsere Veränderungsversuche ziemlich nutzlos, wenn wir sie aus purer Willenskraft heraus umsetzen wollen. Ich sage sogar, selbst wenn wir etwas FÜR Gott machen wollen und nicht MIT ihm, haben wir den Sinn der Sache verpasst.

Es ist aber auch nicht schwer, auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen und mit jeglicher Veränderung zu warten, bis Gott meine Einstellung dazu verändert. Es ist sicherlich nicht schlecht, für Barmherzigkeit zu beten, aber wenn ich warte, bis ich mich barmherzig fühle oder bis ich verstanden habe, warum wir barmherzig sein sollen, dann bete ich vermutlich in 10 Jahren noch dafür. Genauso falsch wäre es zum Beispiel auch zu sagen: Beten ist einfach nicht meine Gabe, das können andere besser. Mag sein, aber legt Gott wert auf „besser“ oder auf Gemeinschaft? Ist es besser zu warten, bis ich für mich verstanden habe welche Kraft und welcher Segen im Gebet liegen, oder fange ich einfach an zu beten, auch wenn ich es noch als Pflichtprogramm sehe und vermutlich sowieso keine 30 Tage durchhalten werde? (Das gilt natürlich auch für andere Disziplinen und auch für Angewohnheiten, die ich ablegen will)

Wo liegt also die Mitte zwischen eisern durchgezogenem Pflichtprogramm und dem Warten, dass Gott mein Herz erreicht? Gebe ich meinem Herzen die nötigen Nährstoffe, indem ich erstmal einfach nur entscheide, das richtige zu tun, egal wie es sich anfühlt? Oder brauche ich zuerst diese Erneuerung von Gott, von der Römer 12,2 spricht? Ist das, was ich nicht von Herzen tue nicht sowieso nur Heuchelei?

Fakt ist, Veränderung findet nicht da statt, wo man darüber redet, sondern da, wo man aktiv wird. Also fang einfach an! Und zwar nicht da, wo du sein möchtest oder wo du als frommer Christ hin müsstest. Beginne auch nicht da, wo du dich am Ende des Monats siehst oder wo deine beste Freundin ist, sondern da wo du gerade stehst!

Selbst wenn du Anfangs nicht mit ganzem Herzen dabei bist, dann geh einen Schritt im Vertrauen. Selbst wenn es sich noch nicht richtig oder vertraut anfühlt und der Weg noch unklar ist, dann setz dich schonmal in Bewegung. Wenn Gott dann spricht, sei es noch so klein oder gefühlt völlig irrelevant und unverständlich, dann nimm es ernst. Jedesmal, wenn wir in einer Kleinigkeit gehorsam sind, trainieren wir, Gottes Stimme zu hören und sein Wirken zu erkennen.

Manche Veränderung fängt mit einer großen Vision und einem langfristigen Ziel an. Aber oft genug ist ein winzig kleiner Gehorsamsschritt der Startpunkt einer großartigen Reise. In meinem Fall hat die einfache Entschuldigung bei einer Arbeitskollegin unendlich viel mehr in Gang gesetzt als jeder Bibelleseplan, den ich jemals versucht habe durchzuziehen.

Lassen wir uns nicht davon abschrecken wieviel wir noch nicht verstehen und wieviel Veränderung eigentlich noch nötig wäre. Auch kleine Schritte sind Schritte.

Regeln, Ziele, 30 Tage Challenges usw sind für mich manchmal eine gute Starthilfe, aber nachhaltige Veränderung geschieht dort, wo ich mich einfach nur traue, das zu tun, was der Heilige Geist gerade offenbart. Eine geschlossene Bibel macht ihm das allerdings nicht leichter… Es ist also tatsächlich ein Zusammenspiel zwischen „Warten/Hören“ und Disziplin.

Im restlichen Kapitel von Römer 12 gibt Paulus uns ein wenig Starthilfe, vielleicht ist ja etwas dabei, was bei Dir gerade „dran“ ist. Wenn ja, trau Dich!

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