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»Gott, siehst du nicht, was ich alles für dich tun könnte…?« (Teil II)

Zu »Gott, siehst du nicht, was ich alles für dich tun könnte…?« (Teil I)

Setzen wir dem Ganzen doch noch einen drauf. Es ist schon schwierig genug, dass Gott mich in einer Sache oder Situation warten lässt. Aber was, wenn er gleichzeitig andere in meinem Umfeld genau mit dieser einen Sache segnet? Ich gehe leer aus und an ganz bitteren Tagen bin ich mir sogar sicher, dass diese Menschen es nicht einmal wirklich zu schätzen wissen.

»Gott, erinnerst du dich denn nicht, was du mir für Gaben gegeben und wofür du mich schon vorbereitet und ausgerüstet hast? Bist du sicher, dass ich nicht viel qualifizierter für diesen Job wäre als der, den du dir da ausgesucht hast? Ich wäre auch viel schneller und effektiver.«

Vielleicht hat sich das Eliab gedacht, denn er war der Erstgeborene und hatte bereits Erfahrungen in Sauls Armee gesammelt. David  hingegen war ein Knabe und ein Schafhirte. Gott wählte David.

Vielleicht dachte sich das der Pharisäer, der Gott dafür dankte, kein schlechter Mensch zu sein. Der Zöllner hingegen war ein schlechter Mensch und wusste es. Gott wählte den Zöllner.

Vielleicht hat sich das eine der angeseheneren jüdischen Damen von nobler Herkunft gedacht, als sie hörte, dass der Messias einer unverheitateten Teenagerin aus ärmlichen Verhältnissen geboren war. Gott aber wählte Maria.

Vielleicht denke ich mir das, wenn ich sehe dass jemand eine Aufgabe zuteil wird, die ich doch aufgrund meiner Erfahrung viel besser erledigen könnte. Doch Gott wählte _____.

Vielleicht denke ich mir das, wenn jemand Lob und Anerkennung bekommt oder wenn sich seine Wünsche erfüllen, während ich immer noch warte.

Gott wählt und er muss sich vor mir nicht rechtfertigen!

Aber ich bin ein Mensch und ich kenne Neid! Ich kenne aber auch Situationen, wo ich ganz ehrlich nur Gutes tun will und trotzdem wieder bei diesen Fragen auskomme, weil ich einfach nicht verstehe, warum Gott nicht den logischen Weg nimmt.

Mag es sein, dass Gott vielleicht weniger an Können als an Vertrauen interessiert ist? Dass er weniger an Ergebnissen als an Wachstum interessiert ist? Dass er weniger an Ressourcen als an Glauben interessiert ist? Wodurch verherrlicht er sich mehr, den logischen Weg oder den schier unmöglichen?

Wenn ich mir diese Fragen alle stelle und mal ganz ehrlich bin, frage ich doch in Wirklichkeit: »Ist Gott gerecht?« Denn wenn ich an seine Gerechtigkeit glaube, dann muss ich ihm auch die Freiheit lassen, Entscheidungen zu treffen, die ich nicht nachvollziehen kann. Dann darf ich mich auch entspannt zurück lehnen, wenn alles in mir »unfair« schreit. Dann kann ich gelassen bleiben, bis Gott mir zeigt, was meine Rolle in seinem großen Plan ist. Dann kann ich mich auch freuen, wenn andere das bekommen, was ich mir so sehr wünsche.

Das ist ein hochgestecktes Ziel, ich weiß, aber auch ich bin überzeugt, dass der, der etwas so Gutes in meinem Leben angefangen hat, dieses Werk auch weiterführen und zum Abschluss bringen wird. Allerdings wird er sich dabei nach seinem Zeitplan richten und nicht meinem.

Ich sage euch: Die Zeit des Babylonischen Reiches ist noch nicht abgelaufen. Es besteht noch siebzig Jahre. Erst wenn die vorüber sind, werde ich euch helfen. Dann werde ich mein Versprechen erfüllen und euch heimführen; denn mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Das sage ich, der Herr. Ihr werdet kommen und zu mir beten, ihr werdet rufen und ich werde euch erhören. Ihr werdet mich suchen und werdet mich finden. Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, werde ich mich von euch finden lassen. Das sage ich, der Herr. Ich werde alles wieder zum Guten wenden und euch sammeln aus allen Völkern und Ländern, wohin ich euch versprengt habe; ich bringe euch an den Ort zurück, von dem ich euch weggeführt habe. Das sage ich, der Herr. (Jeremia 29,10-14 GNB, Hervorhebung von mir)

Wie kann es sein, dass Gott einerseits sagt, dass er Israels Glück will und andererseits noch 70 Jahre zusieht, bevor er hilft? Ich weiß es nicht, aber ich bin auch nicht zeitlos und allwissend und deshalb glaube ich ihm, dass es gute Absichten waren, die ihn dazu bewegten, auch wenn sie erstmal unlogisch erscheinen. Sein Plan „steht fest“ und das gibt mir genügend Sicherheit.

Die Frage „Gott, siehst du nicht, was ich alles für dich tun könnte?“ ist letztes Jahr in der Wüste entstanden. Meine »Wüste« bestand aus sehr vielen Fragezeichen und Sackgassen und ich war wirklich frustriert, weil ich Gott zwar an diesen Ort gefolgt war, er mich dort aber scheinbar ratlos verhungern lassen wollte… Natürlich war das nicht seine Absicht, aber das Gefühl war so real, dass ich mir das hin und wieder ins Gedächtnis rufen musste. Einige Fragezeichen habe ich zwar immer noch, andere aber sind inzwischen zu riesigen Ausrufezeichen geworden. Rückwirkend betrachte ich die Zeit als notwendige Vorbereitung und Möglichkeit zur intensiven Beziehungspflege. Ich muss das nicht unbedingt so schnell noch einmal durchleben, aber meine Freundschaft mit Jesus ist daduch definitiv enger geworden.

Und noch etwas ist seitdem gewachsen: Die Gewissheit, dass Gott weiß, was er tut und ich ihm vertrauen kann, egal ob ich es verstehe oder nicht!

→ Wo tappst du gerade noch im Dunkeln? Wie nutzt du diese Zeit?
→ Was ist deine typische Reaktion, wenn du Gott nicht verstehst? Wirst du zickig? Suchst du dir selber eine Lösung? Versuchst du Gott von deiner viel besseren Idee zu überzeugen? Oder vertraust du ihm dennoch?
→ Wo sagt er dir »Vertrau mir!«?

 

Bibelstellen:
Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

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