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Gottes Timing – Richtig warten lernen

„Warte!“ Ich mag dieses Wort nicht. Warten ist langweilig, anstrengend, frustrierend und meist Zeitverschwendung. Beim Arzt sehe ich mir in der Wartezeit sinnlose Zeitschriften an, am Bahnhof beobachte ich andere Leute und an der Kasse verschwende ich nutzlose Gedanken daran, was ich jetzt alles nicht mehr schaffe, weil es so lange dauert… Leider warte ich nicht nur im Alltag sondern häufig auch auf Gott.

Klar, Gott hat alle Zeit der Welt (und das nicht nur Sprichwörtlich), trotzdem will ich meine Antwort, meinen Erfolg, meinen Durchbruch, meine Heilung so schnell wie möglich haben. Und Gott ist doch gut, warum sollte er uns dann zappeln lassen?

Nun, als Erzieherin sehe ich meinen Auftrag darin, Kinder auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Dazu gehört zum Beispiel, sich in einer Schlange anzustellen anstatt vorzudrängeln. Dazu gehört auch, andere ausreden zu lassen und dazu gehört die Erfahrung, dass zwischen Ankündigung einer Belohnung oder eines schönen Ereignisses und dessen Erfüllung durchaus etwas Zeit vergehen kann. Im Vermitteln dieser Wahrheit bin ich gut – die Anwendung im eigenen Leben jedoch ist ein täglicher Kampf.

Sind wir uns einig, dass wir alle lieber eine schnelle Lösung möchten? Pastor Mark Batterson stellte in seiner letzten Predigt die schnellste Lösung vor, wollt ihr sie wissen?

„The fastest way to get where God wants you to go is to wait.“1
(Übers: Der schnellste Weg, dorthin zu kommen wo Gott dich haben möchte, ist Warten.)

 

Falsches Warten
Darüber müssen wir vermutlich nicht lange reden, denn falsches Warten beherrschen wir als Menschen instinktiv. Wirklich gut beschreibt es uns auch Samuel Beckett in seinem Theaterstück „Warten auf Godot“. Die Hauptfiguren des Stücks verbringen ihre gesamte Zeit damit, auf einen Unbekannten namens Godot zu warten und dabei „nichts zu tun“. Wir versuchen ja zumindest meist noch irgendetwas zu tun, doch wenn das Sorgen machen, andere beneiden, Rachegedanken schüren, sich selbst schlecht machen, jammern, usw bedeutet, dann könnten wir auch genauso gut nichts tun… und Gott auf die Sprünge helfen oder vorauseilen würde ich auch nicht empfehlen. Sarah hat es versucht. Gott hatte ihnen ein Kind versprochen; doch sie war unfruchtbar. So kam Sarah auf die Idee, dass ihre Magd die Lösung sein müsste. Keine gute Entscheidung. (siehe 1. Mose 16)

 

Richtiges Warten
Hier sind mir in den letzten Wochen mehrere gute Beispiele begegnet. Zwei davon möchte ich mit euch teilen, eins aus dem aktuellen Weltgeschehen und eins aus der Bibel:

Ihr erinnert euch sicher an Arics Video, in dem er in seinem überfluteten Haus Klavier spielte. Dieses Video ging um die Welt, es meldeten sich in- und ausländische Nachrichtenagenturen für Interviews, er bekam Geld- und Sachspenden und berührte unzählige Menschen. Doch das hatte er so nicht geplant, als er dieses Video drehte. Er hatte nie die Absicht, Gewinn aus diesem Leid zu ziehen und genau diese Einstellung konnte Gott nutzen. Als der Zeitpunkt reif war, ging alles ganz schnell,  Gott handelte quasi über Nacht. Persönlichen Gewinn hat Aric daraus immer noch nicht gezogen, sein Haus ist nach wie vor ruiniert und seine 9 Köpfige Familie lebt immer noch aus Koffern. Als erfolgreich würde ich ihn aber trotzdem bezeichnen, denn er hat nun die nötigen Mittel und Einfluss, um anderen zu helfen und das ist es wofür sein Herz als Pastor schon immer geschlagen hat.

Die zweite Geschichte finden wir in der Bibel im Buch Ruth. Ruth lebte mit ihrer Schwiegermutter Naomi und mit ihrer Schwägerin Orpa in Moab. Alle drei waren Witwen und mussten nun überlegen, wie es weitergehen sollte. Naomi wollte in ihr Heimatland Israel gehen und riet ihren Schwiegertöchtern, ebenfalls in ihre Elternhäuser zurückzukehren. Nach etwas hin und her folgte Orpa dem Rat, doch Ruth weigerte sich. Hier spricht sie ihre berühmten Worte: „Denn wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da will ich auch bleiben; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott!“ (Ruth 1,16b). Ruth traf diese Entscheidung nicht im Hinblick auf Erfolg oder persönliche Vorteile, sondern aus Treue. Und was soll ich sagen, auch hier fädelte Gott eine Reihe von „Zufällen“ ein, so dass Ruth am Ende der Geschichte Teil einer neuen Familie geworden war, aus der letztendlich sogar der Messias abstammte.

 

Was hat das mit Warten zu tun? In beiden Fällen lebte die Person ein gottgefälliges Leben, sie suchten Gottes Willen und lebten einfach ihren Alltag. Sie versuchten das umzusetzen, was Gott ihnen schon gezeigt hatte, und suchten nicht nach schnellen oder einfachen Lösungen. Für Aric war der Wendepunkt, als er anerkannte, dass Gott es besser weiß (lest seine Geschichte hier). Für Ruth war es die Entscheidung, bei ihrer Schwiegermutter und ihrem Gott zu bleiben, obwohl dort die Zukunft ungewiss war. Beide vermuteten zurecht eine unangenehme und turbulente Zukunft, aber sie überließen diese Sorge Gott. Und was noch viel wichtiger ist, sie überließen ihm auch das Recht, den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen. In der Zwischenzeit waren sie einfach „nur“ treu und dienten ihm. Als der Zeitpunkt dann gekommen war, hatten sie einen entscheidenden Vorteil: Sie waren vorbereitet! Die Möglichkeit war da und sie konnten sie sofort nutzen, weil sie bereit waren.

 

Warten bedeutet also nicht „nichts tun“ oder selbst Gott spielen und Lösungen finden, sondern Vorbereiten. Richtiges Warten besteht aus Treue in den alltäglichen Dingen und Glauben an Gottes Souveränität und Güte.

 

  • In welchem Wartezimmer sitzt du gerade und wie überbrückst du diese Wartezeit?
  • Wie könntest du sie sinnvoll zur Vorbereitung nutzen (auch wenn du noch gar nicht weißt, worauf konkret Gott dich vorbereitet)?
  • Wie kannst du in der Zwischenzeit ein gottgefälliges Leben führen (bedenke, dass wir nie wissen, wie lange diese „Zwischenzeit“ ist)?
  • Nicht jede Geschichte endet mit Berühmtheit oder einem sichtbaren Erfolg. Würdest du dein Leben trotzdem als erfolgreich bezeichnen, wenn diese „Zwischenzeit“ dein gesamtes irdisches Leben über andauert? Warum?

 

 

Quellen:

1 Mark Batterson (2017): „Redeem the Time“. National Community Church. Abgerufen am 09. 09. 2017 von https://itunes.apple.com/de/podcast/national-community-church-audio-podcast/id80219293?mt=2&i=1000391868526.

Bibeltext der Schlachter Übersetzung
Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf,

 

 

 

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