AlltäglichesAusreden

Lässt du dich von deinen Umständen herumschubsen?

„Hey, du sollst mir die Schaukel nicht extra ins Gesicht hauen“, schreit Finn. „Hab ich doch gar nicht“ brüllt Tom* zurück. „Hast du wohl…“ und bald darauf holt Finn aus. In diesem Moment schreite ich ein und rufe die beiden zu mir, denn offensichtlich eskaliert dieser Streit hier gerade.

Was war das eigentliche Problem? Wir waren auf einem Ausflug im Wald und ich hatte 2 provisorische Schaukeln nebeneinander in einem Baum gebaut. Finn hat jemanden angeschaukelt und Tom spielte mit der leeren Schaukel daneben. Dabei hat er Finn getroffen – aus Versehen beteuert er. Finn war verständlicherweise sauer, allerdings sah Tom keine Schuld bei sich, denn er hatte es ja nicht absichtlich gemacht.

Die beiden diskutierten darüber, wer welche Absicht hatte und wer besser hätte aufpassen müssen. Ich fragte also, ob man sich denn nicht vielleicht auch für Dinge entschuldigen sollte, die man nicht mit Absicht gemacht hat, die aber trotzdem jemandem wehgetan haben. Daraufhin schauen mich beide an, drehen sich wieder einander zu und und Tom sagt: „Weißt du Finn, wenn Frau S. die Schaukel nicht so blöd gebaut hätte, dann hätte ich dich nicht getroffen, tut mir leid.“ Darauf antwortet Finn: „Ja genau, das ist alles Frau S. schuld, komm wir gehen spielen.“

Okay, ich glaube die Botschaft ist diesmal nicht so ganz angekommen…

Aber kennen wir das nicht auch zu gut? Wir erwischen uns selbst bei einer Dummheit (oder werden erwischt) und unser erster Gedanke ist: „Wem kann ich die Schuld dafür geben? Warum musste ich das tun? Warum hatte ich keine andere Wahl?“

Ähnlich ging es auch Adam, als Gott ihn fragte warum er von der Frucht gegessen habe. Seine Antwort: „Der Mensch erwiderte: „Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, gab mir etwas davon; da habe ich gegessen.“ (1. Mose 3,12) Aber ihr wisst, auch ihm hat die Ausrede nichts gebracht.

Bei Kindern fällt es mir so einfach das zu durchschauen und da achte ich sehr penibel darauf, dass sie wissen, sie haben immer eine Wahl. Selbst wenn mich jemand zu einer Dummheit anstiftet oder erpresst, habe ich die Wahl ob ich mich darauf einlasse oder nicht. Manchmal ist keine der Optionen schön oder einfach oder nach meinem Geschmack, aber Optionen gibt es immer. Und manchmal sieht man auch einfach nicht, was etwas anrichten wird (wie hier mit der Schaukel). Nur eins ist klar, wenn wir dem Schaukel-Bauer die Schuld geben, könnten wir sie eben so dem Seilhersteller geben oder Gott selbst, denn er hat ja schließlich den Baum so blöd wachsen lassen… ihr seht, es bringt nichts.

Nur warum fällt es mir so schwer das in meinem eigenen Leben umzusetzen? Vielleicht, weil es nicht um Schaukeln geht sondern um komplexere Probleme.

Ich lese gerade ein Buch von Henry Cloud und John Townsend und da geht es auch um dieses Thema. Dort werden zwei Typen von Menschen beschrieben: Diejenigen, die Verantwortung für ihr Leben übernehmen und diejenigen, die es nicht tun. (1)

Ich denke, ich werde den Gedanken in den nächsten Tagen noch einmal aufgreifen, aber für heute möchte ich mich – und dich – einfach mal fragen:

Wo sträube ich mich Verantwortung zu übernehmen und lasse mich lieber von meinen Umständen herumschubsen?

(*Die Geschichte ist wahr aber die Namen natürlich geändert)

(1) Cloud, Herny / Townsend, John (2008): Die Ausredenfalle. Der richtige Umgang mit dem was uns prägt, Holzgerlingen: SCM Hänssler.

 

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