Alltägliches

Ich hab keine andere Wahl – oder doch?

Wie reagierst du, wenn du nicht bekommst, was du willst? 

Das ist eine ernstgemeinte Frage. Was ist deine natürliche Reaktion auf schlechte Nachrichten, eine Absage oder ein negatives Ergebnis? Wenn ich an meine Kinder denke, dann fällt mir als mögliche Reaktion zum Beispiel weinen, betteln oder verhandeln ein. Wenn ich an mich selbst denke… Gut, dann muss ich zugeben, dass die Reaktion tatsächlich manchmal die selbe ist. Was ich auch wirklich gut kann, ist mich selbst dafür fertig zu machen, denn ich hätte mir ja vielleicht mehr Mühe geben können. Manchmal lasse ich die Situation aber auch einfach in meinen Gedanken eskalieren und komme zu dem Schluss: Es ist eh alles verloren, ich hab ja gar keine andere Wahl. Und schon habe ich mich wieder von meinen Umständen herumschubsen lassen…

Am Montag habe ich die Frage gestellt: „Lässt du dich von deinen Umständen herumschubsen“ oder übernimmst du Verantwortung für dein Leben? Dort ging es hauptsächlich darum, dass die Suche nach einem Schuldigen zwar sehr menschlich, eigentlich aber unsinnig ist, denn wir können letztendlich nur unser eigenes Handeln bestimmen und müssen uns auch (nur) dafür verantworten.

Heute möchte ich die Wahlmöglichkeiten, die ich Montag nur kurz angesprochen hatte, noch einmal näher betrachten. Dazu habe ich euch eine aktuelle Anekdote mitgebracht, die das sehr schön mit einem absolut banalen Beispiel beschreibt:

Wenn ich eine Radreise mache, überkommen mich regelmäßig so gegen 16 Uhr, wenn die Beine langsam schwer werden, völlig irrationale Ängste und Gedanken: 

Was, wenn der Campingplatz geschlossen oder belegt ist? Ich kann nicht mehr. Ich bin müde. Ich habe nur diese eine Option. Bitte enttäusch mich nicht, sonst bin ich verloren.

Die Wahrheit ist, ich bin überhaupt nicht verloren und ich habe sehr wohl Möglichkeiten, sie sind nur alle nicht die, die ich haben möchte, denn ich habe mich inzwischen völlig verausgabt und jegliche Abweichung von meinem Plan ist mir einfach zu anstrengend.

Es ist mir tatsächlich auch schon passiert, dass ein Campingplatz nicht existierte – und ich lebe noch! Es gab natürlich Optionen, doch jede davon hätte mich etwas gekostet, das ich nicht eingeplant hatte. Ich musste mich also nur noch entscheiden, welchen Preis ich bereit war zu bezahlen. Zur Veranschaulichung liste ich sie hier mal auf:

Option 1: Zum nächsten Campingplatz radeln
Preis: Zeit, Energie, Muskelkater, Schmerzen

Option 2: ein Hotelzimmer nehmen
Preis: Geld

Option 3: mit Zug oder Taxi abkürzen
Preis: Geld und Stolz

Option 4: wild campen
Preis: Nah, davor habe ich Angst, mal abgesehen davon, dass es auch verboten ist

(Option 5: hinsetzen und verzweifeln)
Preis: immer noch keine Übernachtungsmöglichkeit

(Option 6: auf ein Wunder hoffen)
Preis: mögliche Enttäuschung

Option 5 ist also keine wirkliche lösungsorientierte Option, aber leider oft meine erste Reaktion.

Aber warum setze ich Option 6 in Klammern? Ich will damit nicht sagen, dass ein Wunder keine Option ist und Gebet nicht unser erster Lösungsansatz sein sollte. An meiner Reihenfolge sieht man aber schon, dass ich da auch nicht immer zuerst dran denke. Ich habe schon einige Wunder erlebt und mein Lieblingsspruch ist zu Zeit „Sei realistisch – erwarte ein Wunder“. Trotzdem setze ich diese Option in Klammern, weil sie außerhalb meines Verantwortungsbereiches liegt und genau darum geht es ja gerade. Wir sollten also zuerst beten und zuerst glauben, dass Gott eingreift. Doch wenn er sich entscheidet, es nicht zu tun, dann lasst uns ihm nicht die Schuld geben und sagen „Ich hatte ja keine Wahl“.

Ich möchte hier keineswegs dafür plädieren, seinen eigenen Weg zu gehen und Probleme ohne Gott zu lösen. Aber erwarten wir nicht viel zu oft, dass Gott unsere Probleme auf wundersame Weise FÜR uns löst, damit wir keine Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen bzw den Preis dafür selber bezahlen müssen?

Ich weiß, dass Gott mir hilft und mich auch aus so manchem Schlammasel rausholt, aber er hat mir auch einen Verstand, Fähigkeiten und eine Persönlichkeit gegeben und es spricht nichts dagegen, diese zu benutzen.

Was wäre also eine angemessene Reaktion, wenn etwas nicht nach meinem Willen geht? Zunächst einmal werde ich das Ganze mit Gott besprechen und dann werde ich herausfinden müssen, welche Dinge ich ändern kann und welche nicht. Daraus ergeben sich dann auch meine weiteren Optionen und das dazugehörige Preisschild.

Für unterschiedliche Probleme wird es zwar keine Pauschalantwort geben, aber ich finde das Gebet sehr passend, was in den USA als „Serenity Prayer“ bekannt geworden ist:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich denke, wir halten uns leider zu oft damit auf, die Dinge ändern zu wollen oder herbeizuwünschen, die eben nicht in unserer Hand liegen. Die einzige Option, die ich tatsächlich NICHT hatte war, dass ich die Augen schließe und der Campingplatz auf einmal doch geöffnet ist, warum verschwende ich also eine halbe Stunde mich darüber zu ärgern, bevor ich mir meine wahren Optionen ansehe? Wäre es nicht viel sinniger, Gott seinen Verantwortungsbereich zu überlassen und mich um meinen eigenen zu kümmern?

 

 

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