AlltäglichesGebet

Die Josua 9,14 Schrecksekunde

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Geistlich wachsen

Dieser Moment, in dem du die Haustür zuziehst und dir auf einmal nicht mehr sicher bist, ob du den Schlüssel eingesteckt hast… Der schnelle Griff zur Tasche bringt die Erleichterung, doch eine kurze Schrecksekunde lang dachtest du, es sei zu spät. Vielleicht war es auch nicht der Schlüssel sondern das Handy oder die Frage, ob du den Herd, das Bügeleisen oder die Kerze ausgemacht hast.

So eine Schrecksekunde habe ich jedes Mal, wenn ich mit meinem Bibelleseplan an Josua vorbeikomme. Denn lustigerweise gibt es auch immer gerade dann eine wichtige Entscheidung zu treffen, wenn ich dort angelangt bin. Wollt ihr wissen, was dort so gruselig ist? Ich sags euch:

Die Israeliten untersuchten das Brot, aber sie versäumten es, Jahwe zu befragen. (Josua 9,14)

Die Geschichte hinter diesem Vers ist folgende: Israel sollte in das verheißene Land einziehen und es erobern. Sie hatten strikte Anweisungen, mit niemandem ein Bündnis einzugehen. Nun gab es dort aber Bewohner, die Angst hatten und sich deswegen eine List einfallen ließen. Sie packten altes Brot und alte Weinschläuche ein und zogen sich abgenutzte Kleidung an. Damit wollten sie den Israeliten vorgaukeln, aus einem fernen Land zu kommen, so dass diese ohne Probleme ein Bündnis mit ihnen schließen konnten. Und der Plan ging auf.

Hier, seht euch das Brot an! Es war noch warm, als wir von zu Hause aufbrachen. Jetzt ist es vertrocknet und zerbröselt. Und diese zerrissenen Weinschläuche hier waren neu, als wir sie füllten. Auch unsere Kleidung und die Schuhe sind durch die lange Reise verschlissen. Die Israeliten untersuchten das Brot, aber sie versäumten es, Jahwe zu befragen. (Josua 9,12-14)

Jedes Mal, wenn ich diese Verse lese, frage ich mich: Habe ich nur das Brot untersucht, oder habe ich Gott wirklich gefragt, was er möchte?

Heute war das die Schrecksekunde mit dem anschließenden Griff zur Tasche und der Erkenntnis: alles gut, hab ich. Aber es gab auch schon andere Zeiten.

Der nervige Nachbar

Vor etwa 2-3 Jahren habe ich mal mit dem Gedanken gespielt umzuziehen. Mein Nachbar ging mir mit seiner extremen Neugier und seinem Mitteilungsbedürfnis auf die Nerven. Die Wohnung war alt und reparaturbedürftig. Sie hatte keinen Balkon und ich hätte auch einfach gerne mehr Platz und einen Garten gehabt. Warum kein Eigentum? Es sprach ja auch nichts dagegen sich mal umzusehen und es gab tatsächlich ein paar interessante und passende Angebote. Für mich war das noch keine wirklich ernste Sache oder eine schwere Entscheidung, für die ich längere Zeit im Gebet bleiben musste, es war einfach ein „mal gucken“.

Irgendwie ist aber aus nichts etwas geworden und da hab ich mich dann schon gefragt, ob ich die ganze Sache nicht doch mal geistlicher angehen soll. Viele alltägliche Entscheidungen trifft man ja auch einfach mit Wissen und Gewissen, aus Erfahrung und aus der Freiheit heraus, eigene Vorlieben haben zu dürfen. Jedenfalls hatte ich ja noch keine konkreten Schritte unternommen und deshalb sah ich da auch kein Risiko, eine unreife Entscheidung zu treffen. Trotzdem traf mich dieser Vers Josua 9,14 mitten in meine Gedanken und mein Gewissen. Also beschloss ich, anfangs mehr scherzhaft: „Ok Gott, dann frag ich eben… willst du dass ich mich nach alternativen Wohnungen oder Häusern umsehe?“. Nichts geschah. Ok. Bin ich also auch nicht schlauer. Thema gegessen.

Auf dem Heimweg von der Arbeit klingelt mein Handy gleich zweimal. Das erste war meine Mutter, die mir sagen wollte, dass sie sich mit einen Umzug irgendwie doch nicht so recht anfreunden könne. Direkt danach rief meine Vermieterin an, um mir mitzuteilen, dass mein nerviger Nachbar auszieht. Ich war baff und dachte: „Mal gut, dass du doch gefragt hast…“

Das Brot

Das Brot kann tatsächlich allerlei Formen annehmen und steht ja hier auch nur für die augenscheinlich logischen Argumente. Aber was, wenn die Argumente tatsächlich gut sind, es aber trotzdem ein Hinterhalt ist? Was, wenn ich denke, es ist ja keine große Sache und in Wahrheit laufe ich Gefahr, betrogen zu werden und alles nur, weil ich Gott nie gefragt habe.

Ich habe auch schon oft erlebt, dass ich Gott frage und nicht so richtig eine Antwort höre. Ich will jetzt nicht behaupten, dass es dann immer ja oder egal bedeutet. Aber ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass ein „nein“ bei mir meistens recht deutlich daher kommt. Ich höre zwar nicht immer drauf, aber das ist ja ein anderes Problem.

Deshalb finde ich diese Josua 9,14 Schrecksekunde eigentlich inzwischen auch ganz hilfreich. Ich liebe logische Argumente und harte Fakten, aber „Nadine untersuchte das Brot, aber sie versäumte es, Jahwe zu befragen“ ist ein Satz, den ich definitiv nicht über mich lesen will.

Zeit den Brotkorb mal gegen das Gebetstagebuch auszutauschen?

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