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Komm herauf zu mir…

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Und der HERR sprach zu Mose: Komm herauf zu mir… (2. Mose 24, 12)

Angestoßen hat die folgenden Gedanken vor einiger Zeit das Arbeitsbuch „Gott erfahren“. Dort forderten mich die Autoren auf „Pass auf wo Gott am Werk ist und beteilige dich daran!“1 Die Frage nach dem Willen Gottes stellt sich vermutlich jeder Christ einmal, oder mehrmals. Denn im Grunde will doch keiner absichtlich sein eigenes Ding machen und den Willen Gottes verpassen. Doch dann beten wir und lesen wir und sind frustriert, weil Gott sich irgendwie nicht klar ausdrückt und wir immer noch vor unserer großen Entscheidung stehen. Wir beten „Gott öffne oder schließe Türen“, wir beten „segne diesen Weg, segne jenen Weg“. Ich sage nicht, dass das schlecht ist, denn solange wir mit Gott im Gespräch bleiben, geben wir ihm ja auch die Möglichkeit mit uns zu reden. Außerdem glaube ich fest daran, dass Gott sich für jede noch so winzige Kleinigkeit in meinem Leben interessiert und ich nicht nur mit den großen Anliegen zu ihm kommen soll. Aber… beten wir, wenn wir so beten nicht eigentlich „Gott komm herab zu mir in meine Situation und tu ein Wunder“? Gott ist in Jesus herabgekommen und wohnt als Heiliger Geist immer noch hier unten in uns. Das Problem ist also nicht, dass Gott sich nicht erniedrigen will. Trotzdem lese ich die klare Aufforderung „Komm herauf zu mir“. Gott möchte uns in seinen Plan einbeziehen und nicht umgekehrt!

Ich kenne es selbst nur aus Erzählungen meiner Eltern, aber bei den Älteren unter uns weckt der Anhalter auf dem Bild vielleicht noch eigene Erinnerungen. So stelle ich persönlich mir Gottes Willen vor. Dadurch, dass ich mit ihm im Gespräch bin und er mir Ziele und Visionen gibt, habe ich zumindest eine grobe Idee wo es hingehen soll. Nun stehe ich dort auf der Straße meines Lebens und überlege, wie ich von A nach B komme. Auf einmal spüre ich, wie von hinten der Heilige Geist angebraust kommt und strecke den Daumen raus. Die grobe Richtung steht fest, trotzdem setze ich mich in ein unbekanntes Fahrzeug und lasse mich ein Stück des Weges mitnehmen. Meistens so lange, bis ich so viel Angst vor meinem eigenen Mut bekomme, dass ich mich an der nächsten Kreuzung erstmal für eine Verschnaufpause absetzen lasse.

Eine Sache, die ich immer wieder höre ist: „Du musst Ziele haben und du musst konkret beten!“. Ja, stimmt! Trotzdem habe ich damit sehr gekämpft, denn es gibt genug Stellen in den Evangelien wo Leute einfach nur zu Jesus gekommen sind und gesagt haben „Ich habe ein Problem, rette mich“ und ihm nicht konkret gesagt haben, was sie genau brauchten. Außerdem weiß ich doch so oft noch gar nicht was Gottes Wille für eine Situation ist, wie soll denn dann konkret und in seinem Namen beten? Also was ist nun besser, zu sagen „Jesus Dein Wille geschehe, was auch immer das bedeutet“ oder „Jesus, bitte mach dass xy eintritt“? Das erste was ich zu dem Thema hörte war, dass beides seine Zeit hat. Denke ich auch, aber wie merke ich wann welche Zeit ist?

Nehmen wir wieder den Anhalter. Solange ich an der Straße stehe und darauf warte, dass der Heilige Geist mich in seine Pläne und sein Etappenziel einweiht, ist es für mich besser, wenn ich Gott von meinem Problem berichte und ihn bitte irgendwie einzugreifen. Sitze ich aber einmal im Auto und habe eine grobe Vorstellung wo es hingeht, dann kann ich anfangen konkret für das Wetter, die rote Ampel, die Baustelle, die Stopps am Weg und alles andere zu beten, was mir auf dem Weg widerfahren könnte.

Ich habe keine Verse über Anhalter in der Bibel gefunden und vielleicht funktioniert dein Gebetsleben auch völlig anders, ich habe das auch bei weitem noch nicht alles begriffen. Das was ich aber begriffen habe ist: Es ist besser, nicht zu wissen wie man richtig betet und tut es trotzdem, als sich davon abschrecken zu lassen, dass man es nicht versteht. Und lasst uns doch einfach mal darüber nachdenken, wie wir uns selber einschränken, wenn wir Gott immer nur zu uns herunter bitten wenn er doch deutlich sagt „Komm herauf zu mir…“.

 

 

1 Blackaby, Henry T und King, Claude V (2005): Gott erfahren.  4. Aufl. Kassel: Oncken.

 

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