Alltägliches

Reserviert

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Hast du schon einmal in einem überfüllten Zug einen leeren Platz erspäht, bist frohen Mutes darauf zugeeilt, nur um im nächsten Moment das Reserviert Schild zu erkennen? Ich stelle mir 2 mögliche Reaktionen vor: 1. Du bist enttäuscht, weil der Platz doch nicht mehr frei ist, 2. dir gilt die Reservierung und du bist froh, sie an einem so gut besuchten Tag gemacht zu haben.

Ich kenne diese Reserviert Schilder auch aus Restaurants. Da ist ein hübsch gedeckter Tisch an dem gleich eine geschlossene Gesellschaft ein schönes Ereignis zusammen feiern wird. Doch ich werde nicht Teil davon sein, denn das Schild sagt mir ganz klar: „An diesen Tisch darfst du dich hier und heute nicht setzen, der ist für jemand anders bestimmt, such dir gerne einen anderen freien Tisch.“ Und wenn ich einen ganz schlechten Tag habe, dann sagt mir das Schild einfach nur: „Du bist hier unerwünscht!“

Es gibt aber auch Reserviert Schilder, die wir nicht auf Tische stellen, sondern mit uns herum tragen. Ich erinnere mich z.B. an meine Schulzeit und die ganzen Cliquen, für die ich nie cool genug war. Reserviert – In diesen Freundeskreis passt du nicht rein, such dir gerne andere Freunde. Ich erinnere mich an den Startblock beim Marathon für den meine Leistung einfach nicht ausreichte. Reserviert – In diesen Startblock passt du nicht rein, nimm gerne den für langsamere Läufer. Es gibt diese Schilder auch noch subtiler. Selbst, wenn es keine Absicht ist, hängen wir auch oft Reserviert Schilder an Lebenseinstellungen, Alter, Geschlecht, Glaube, Beziehungsstatus usw. Reserviert –Du bist Single, du bist zu jung, zu alt, zu emotional, zu anstrengend, zu klein, zu groß, geschieden, hast zu viele Kinder, bist kinderlos, zu weltlich, zu spießig, zu was weiß ich nicht was…

Manchmal denke ich mir, „ok, was soll’s“ aber manchmal tut es auch einfach weh, ausgeschlossen zu werden. Dann frage ich mich, was mit mir nicht stimmt. Dann frage ich mich, wie ich mir doch noch Anerkennung, oder noch besser Teilhabe, erarbeiten kann. Beim Marathon mag das funktionieren, wenn ich genug investiere und trainiere, allerdings wird der Erfolg in allen anderen Bereichen vermutlich auf sich warten lassen.

Doch was ist mit dem zweiten Fall? Da ist ein hübsch gedeckter Tisch an dem gleich eine geschlossene Gesellschaft ein schönes Ereignis zusammen feiern wird und ich werde Teil davon sein, denn ich bin eingeladen. Es hat jemand diesen Tisch für mich vorbereitet und für alle sichtbar gemacht: „Ich habe schon bestimmt, wer hier sitzen soll, dieser Platz ist ausgewählt, für jemanden vorgesehen und bestimmt.“

Wusstest du, dass Gott auch einen Tisch für dich vorbereitet hat? So lesen wir zum Beispiel in Psalm 23 vom reich gedeckten Tisch oder in der Offenbarung vom Hochzeitsmahl des Lammes. Und auf diesem Tisch steht ein dickes, fettes Reserviert Zeichen. Gott hat sich Gedanken darüber gemacht, wo du sitzen sollst, wie er den Tisch für dich schmückt und zubereitet und er hat keine Kosten und Mühen gescheut dir die Einladung höchstpersönlich zu überbringen (indem er Jesus hat Mensch werden lassen und durch den Heiligen Geist, der uns immer wieder auf ihn hinweist). Gott hätte jedes Recht gehabt, zu sagen: „Mit euch Sündern setze ich mich nicht an einen Tisch, reserviert für Vater, Sohn und Heiligen Geist und vielleicht noch ein paar Leute die echt versucht haben meine Gebote zu halten…“.

Aber das hat er nicht. Auf seinem Schild steht: Reserviert für    DICH   . Einfach nur, weil ich dich liebe und Gemeinschaft mit dir haben will. Ich hole dich sogar da ab, wo du gerade bist und ich helfe dir auch, dich neu und passend einzukleiden1. Wirst du die Einladung annehmen? Denn ein Reserviert Schild alleine nützt gar nichts, wenn ich die Reservierung nicht in Anspruch nehme.

Wo der Vergleich – zu meiner Freude – aber gewaltig hinkt, ist dass mein Platz nicht neu vergeben wird, wenn ich zu klein, zu groß, zu langsam, zu Single oder zu sonstwas bin. Nur hingehen und sein Angebot annehmen, dass muss ich schon noch selber. Und wie jeder Restaurantbesitzer hat auch Gott in seinem Reich Hausrecht und so kann ich mich auch dort nicht benehmen, wie ich will. Wenn ich die Reservierung wahrnehme, willige ich selbstverständlich auch ein, seine Regeln zu respektieren2. Und versteh mich bitte nicht falsch, auch Gott hat „Öffnungszeiten“, nur weil er mir geduldig einen Platz freihält, kann ich nicht 2 Stunden nach Feierabend Einlass verlangen3. So möchte ich mich Paulus und Timotheus anschließen, wenn sie sagen: „wir bitten euch: Lasst die Gnade, die Gott euch schenkt, in eurem Leben nicht ohne Auswirkungen bleiben! […] Seht doch: Jetzt ist die Zeit der Gnade! Begreift doch: Heute ist der Tag der Rettung!“ (2.Kor 6,1-2, NGÜ) Trotz alledem muss ich aber niemandem den Platz streitig machen, denn Gott hat genug von diesen Reserviert Schildern, für jeden eins.

Reserviert… der eine hat es vielleicht als Ablehnung erfahren, der andere als Ablehnung gemeint. Aber bei Jesus bedeutet es:

Reserviert – Versuch nicht allen zu gefallen, alles aus eigener Kraft hinzukriegen oder dir einen Platz zu erkämpfen oder erarbeiten. Komm an meinen Tisch, ich warte auf dich und um die Rechnung kümmere ich mich.4

 

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1 vgl. Jes 61,10; Lk 15,22
2 vgl. Röm 10,9-10; Joh 14,15,21,23
3 vgl. Heb 9,27
4 vgl. Eph 2,8; 2.Tim 1,9; 1.Pet 1,18-19; Joh 3,16

Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen
Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

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