AlltäglichesGebetWahre Geschichten

Die Sehnsucht nach dem Unbezwingbaren

Ich komme aus dem Flachland. Der höchste Punkt liegt bei uns so bei 80m über dem Meeresspiegel – vermutlich dicht gefolgt von der Autobahnbrücke.

Ich kann es nachvollziehen, dass Menschen ihre Götter immer auf irgendwelchen Bergen oder anderen Höhen anbeten wollten. Logisch, ist man ja auch irgendwie näher dran. Als Flachländer reicht mir diese Erklärung.

Heute bin ich durch eine Schlucht gewandert. Von etwa 600m ging es auf knapp 5km hinunter zum Meer. Von allen Seiten umschlossen steht man dann mitten zwischen massiven, schroffen, beeindruckenden und gleichzeitig wunderschönen Felswänden. Oben ein kleines Fleckchen Himmel zu sehen, unten rechts, links, vorne, hinten Felsen. Nur ein kleines Rinnsal begleitet von einem manchmal sehr schmalen Pfad findet seinen Weg hinab zum Meer.

17059464-6705-4CB5-9162-8143689AF0BB.jpegUmringt von solcher Größe kann man einfach nur staunen und sich irgendwie klein fühlen. Und das eröffnet ganz neue Dimensionen:

Die richtige Perspektive
Offenbarungen von Gottes Kreativität und seiner schöpferischen Gewalt gibt es zwar in jeder Form der Natur zu erkennen, doch zu mir spricht diese nunmal am verständlichsten durch Berge. Sie sortieren mich irgendwie wieder in die richtige Größenordnung ein.

„Ehe die Berge wurden und du die Erde und den Erdkreis hervorbrachtest, ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott!“ ‭‭(Psalm 90,2‬)

„Wie Berge Jerusalem rings umgeben, so ist der Herr um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit.“ (Psalm 125,2‬)

„Erhebe dich über die Himmel, o Gott, Über der ganzen Erde sei deine Herrlichkeit!“ ‭‭(Psalm 57,6‬)

Diese Berge waren lange vor mir da und sie werden mich überdauern. Dass ich nun heute durch diese Schlucht wandere trägt vielleicht zwei, drei Sandkörnchen ab und hinunter zum Meer, doch erschüttern werde ich sie dadurch nicht.

Die Sehnsucht nach dem Unbezwingbaren
Man spricht ja nicht umsonst davon, einen Berg zu bezwingen. Das zeugt von Risiko, Gefahr, Anstrengung und letztendlich einem Erfolgserlebnis. Das ist wie die Frage: „Wie weit kann ich gehen, bevor etwas passiert?“ Es ist das Spiel mit der Gefahr und dem Herantasten an meine persönlichen Grenzen, die die Berge für mich so reizvoll machen.

Ähnlich geht es mir mit Anbetung. Bevor ich dich an diesem Punkt verliere: Nein, ich sehe Gott nicht als Gefahr, denn Hebräer 4,16 spricht von „Freimütigkeit“ und vom „Thron der Gnade“. Aber, immerhin ist es ein Thron und kein Barhocker. Ja, Jesus ist mein Freund aber irgendwie auch mehr als nur ein Kumpel. Gott ist gefährlich und ohne Jesus würde ich mich tatsächlich nicht hin trauen. Aber er ist auch liebevoll und gnädig.

Diese und viele andere Gegensätze sind es, die für mich die Sehnsucht nach dem Unbezwingbaren ausmachen. Ich will Gott nah sein und doch will ich das ehrfürchtig tun. Ich will ihn kennen und doch reizt mich das Geheimnisvolle und Unergründliche. Ich versuche so oft ihn zu verstehen und in eine schöne logische Box zu stecken und dennoch mag ich es, dass er sich nicht auf meine Spielchen einlässt.

Auch wenn ich keinen Berg brauche, um ordnungsgemäß anzubeten, kann ich es doch irgendwie verstehen, warum Menschen sich solche Orte ausgesucht haben. Irgendwie bringt mich das in die richtige Stimmung.

Jesus begegnete einmal einer Frau, die sich auch die Frage stellte, wo Gott denn nun angebetet werden will. Die einen sagen der Berg, die anderen sagen im Tempel in Jerusalem. Doch Jesus sagt ihr:

„Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter.“ (Johannes‬ ‭4:23‬)

Ich glaube nicht, dass Gott etwas gegen Hilfsmittel hat, sofern sie das auch bleiben und nicht zur leeren Tradition werden.

Welche Dinge, Orte, Aktivitäten helfen dir in die richtige Haltung zu gelangen?
Wie kannst du bewusst Gelegenheiten schaffen, wo dir Anbetung „leicht“ fällt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere