Alltägliches

Umzugsgedanken: Unnützes Gepäck oder die vielleicht wertvollste PET Flasche der Welt?


Anscheinend bin ich stolze Besitzerin der einzigartigsten PET Flasche und des wohl wertvollsten Rollkragenpullis der Welt! Wie ich zu der Annahme komme? Naja, ich bin gerade umgezogen und packe nach und nach die Kartons aus. Ich habe mich beim Einpacken schon von sehr vielen unnützen, veralteten und kaputten Dingen getrennt, nichtsdestotrotz haben die PET Flasche und der Rollkragenpulli den Weg hierher gefunden. 

Warum? Ich hasse Rollkragenpullis! Ich finde sie bei anderen schön, aber ich kriege darin einfach Platzangst und ein Gefühl der Enge im Hals. Der Kauf dieses Pullis alleine war schon schwachsinnig, aber warum in aller Welt habe ich ihn behalten? Na weil nichts dran ist; er ist bestimmt 5 Jahre alt aber sieht aus wie neu. Logisch, ich trage ihn ja auch nie. Ich weiß nicht warum es mir so schwer fällt, mich von diesem Ding zu trennen… vielleicht, weil ich keine Verschwendung mag und „man“ ihn ja noch brauchen kann.

Okay, für den Pulli habe ich vielleicht ein wenig Verständnis erworben. Wie sieht es denn dann mit dieser hübschen Flasche aus?

Weißt du, da habe ich mal kondensiertes Wasser für mein Bügeleisen umgefüllt. Das Bügeleisen nutze ich immer noch, dann kann ich doch die Flasche nicht entsorgen. Die ist doch noch in Ordnung. An dieser Stelle erinnere ich mich selbst daran, dass diese Flasche Pfandfrei war und es auch in meinem neuen Wohnort Supermärkte gibt, in denen man Getränke kaufen kann… Warum kann ich dieses blöde Ding nicht einfach in den Müll schmeißen bevor ich umziehe? 

Ich hänge eigentlich gar nicht an Dingen. Ich habe gerade meine komplette Küche verschenkt und noch Tisch und Mikrowelle oben drauf gelegt, weil sie jemand wirklich brauchte. Ich habe gerade selber keine funktionierende Küche und keinen Esstisch, aber es ist mir völlig egal. Ich habe den ganzen Tag darüber nachgedacht, warum ich die Küche einfach so verschenken konnte, die PET Flasche aber eingepackt habe. Nun, ich bin zu folgendem Schluss gekommen: Ich hänge wirklich nicht an Dingen, ich möchte nur, dass sie irgendjemandem nützlich sind.

Das Problem beginnt aber leider da, wo ich niemanden finde, der schon immer so eine tolle PET Flasche haben wollte… wenn niemand anders sie brauchen kann oder ich keine Lösung sehe, dann muss ich sie ja wohl oder übel behalten…

Leider geht mir das oft auch in der geistlichen Dimension so. Wie oft halte ich an Dingen fest, die irgendwann einmal nützlich waren? Wie oft klammere ich mich an Gewohnheiten, die mich früher einmal weitergebracht haben? Wie oft nehme ich gar nicht wahr, was da draußen alles ist, denn ich kenne mich in meinem kleinen Bereich schließlich bestens aus. Wie viel Leid um mich herum sehe ich nicht und wie viele Chancen verpasse ich, dort Hoffnungsträger zu sein, nur weil ich nicht vor meine eigene Haustüre gehe? Wie oft scheue ich mich vor Veränderungen, einfach weil ich mir noch nicht vorstellen kann, wie es sein wird? Das, was ich habe ist doch in Ordnung, mein Zuhause ist schön gemütlich, warum sollte ich was verändern und riskieren?

Vor zwei Jahren war ich schon einmal an diesem Punkt und damals habe ich Gott ziemlich deutlich vernommen, dass er fragte: Willst du in Ordnung und Klarkommen oder Heilung und Wachstum? Meine Entscheidung ist immer noch die gleiche.

Früher bin ich öfter umgezogen, da konnte ich mich noch besser von Dingen trennen, manchmal ging es eben einfach nicht anders. Inzwischen bin ich aus der Übung und merke, dass ich ein wenig festgefahren und eingerostet bin, was Veränderungen angeht. 

Die PET Flasche liegt in der Gelben Tonne und der Rollkragenpulli im Altkleidercontainer. Da wo sie hingehören. Ja sie waren noch in Ordnung und man hätte noch was damit anfangen können, aber ich nicht. Für mich waren sie nutzlos und deswegen fehl am Platz. 

Was meine Reise mit Jesus angeht, möchte ich nicht einrosten und mich auch nicht festfahren. Was früher einmal gut war, muss nicht mein Leben lang so bleiben, ich darf mich entwickeln, verändern, wachsen und meine Vorlieben können sich auch ändern. 

Gott, bewahre mich davor, meine geistlichen PET Flaschen von Wohnung zu Wohnung mitzuschleppen, ohne je zu merken, dass sie überhaupt keinen Nutzen mehr haben. Ich möchte, dass meine Beziehung mit Jesus frisch und lebendig bleibt und um Platz für Neues und wirklich Wichtiges zu schaffen, will ich auch einfach mal ein paar alte Kisten ausmisten.

„Wir sind also von einer ganzen Wolke von Zeugen umgeben. Deshalb wollen auch wir den Wettkampf bis zum Ende durchhalten und jede Last ablegen, die uns behindert, besonders die Sünde, die uns so leicht umschlingt. Und dabei wollen wir auf Jesus schauen. Er hat uns gezeigt, wie man diesen Lauf beginnt und als Sieger ans Ziel kommt. Weil er wusste, welche Freude auf ihn wartete, hat er das Kreuz und die Schande dieses Todes auf sich genommen. Nun sitzt er auf dem Ehrenplatz an Gottes rechter Seite.“ (Hebräer 12,1-2 NBH)

Oft lesen wir diesen Vers doch so, dass wir Last mit Sünde gleichsetzen. Sicherlich ist Sünde eine Last, doch hier geht es um JEDE Last, BESONDERS die Sünde. Es gibt durchaus auch gute Dinge, die uns belasten und daran hindern können, Jesus mit voller Kraft nachzulaufen. Beim Sport können das ganz einfach Gewichte sein, die man zu Trainingszwecken mitnimmt, beim Wettkampf aber besser zu Hause lässt. Es könnte aber auch ein Rollkragenpulli sein, der sich als Fehlkauf entpuppt hat oder jede Sache, die eigentlich nicht verkehrt ist, mich aber auch nicht weiterbringt oder mir in dieser Situation hilfreich ist. Ich habe einfach schon so oft erlebt, dass Gott mich genau in den Bereichen zu neuem Wachstum herausfordert, in denen ich begonnen habe, mich wohl und kompetent zu fühlen.

Ich mach mich ja heute ein wenig über mich selbst lustig, aber eine Sache meine ich ganz ernst: Lass dich ermutigen auch mal alte PET Flaschen und falsch gekaufte Kleidung wegzuwerfen, auch wenn sie eigentlich noch ganz gut sind. Ich glaube nämlich nicht, dass Jesus für „eigentlich ganz gut“ gestorben ist, sondern für ein Leben in Fülle (Joh 10,10). Aber zwischen Fülle und überfüllt gibt es auch einen Unterschied. 

Der Schlüssel liegt für mich ganz klar im zweiten Vers oben:

Und dabei wollen wir auf Jesus schauen. Er hat uns gezeigt, wie man diesen Lauf beginnt und als Sieger ans Ziel kommt (Heb 12,2).

 

 

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