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Verankert – Zum kindlichen Vertrauen zurückfinden

„Werdet wie die Kinder“ heißt es in Matthäus 18,3. Der Vers ist zwar relativ bekannt und auch eine tolle Zielformulierung, aber wie macht man das eigentlich? Besonders wenn ich schon jahrelang Christ bin und gefühlt alles schon irgendwie mal gehört oder erlebt habe, wie komme ich dann zu dem ganz simplen Gottvertrauen zurück, was ich am Anfang mal hatte?

Zu jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Reich der Himmel? Und Jesus rief ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen! Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. (Matt 18,1-5)

 

Verankert

Am Donnerstag habe ich in „Verankert“ darüber geschrieben, wie ein fest verankertes Herz auf schlechte Nachrichten reagiert. Dabei habe ich das kindliche Vertrauen erwähnt, das nicht alles verstehen muss und trotzdem glauben kann. Daraufhin kam die Frage auf, wie man zu solch einem Vertrauen zurückfindet. Gute Frage! Schwere Frage… aber mit Kindern kenne ich mich ja tatsächlich sehr gut aus und deshalb habe ich mal in meinem Erfahrungsschatz gekramt und folgendes gefunden:

 

1. Kinder sind sorglos

Zugegeben, es gibt immer wieder mal Ausnahmen besonders „reifer“ Kinder, die sich sehr wohl Sorgen um sehr kuriose Dinge machen, doch diese Ausnahmen fallen genau deswegen auf, weil Kinder normalerweise unbefangen sind. Sie haben meist noch nicht viele schlechte Erfahrungen gemacht, auf die sie zurückblicken können und selbst wenn, werden sie diese gesammelten Erfahrungen selten auf neue Situationen anwenden. Für uns als Eltern und Erzieher ist es eher nervig, dass ein Kind die Erfahrung „von der Treppe kann ich herunterfallen und das tut weh“ nicht auch auf den Hocker, den Fernsehtisch und das Regal überträgt. Was den Glauben angeht, ist das aber vielleicht gerade ein positives Merkmal, weil wir uns eben nicht auf unsere Erfahrungen verlassen sollen. Durch die ganze Bibel hindurch sieht man, dass Gott zwar oft sehr seltsame Methoden wählt, aber nie die gleichen. Was einmal funktioniert hat, muss nicht beim zweiten Mal auch noch Gottes Wille sein (siehe Mose und der Stein) und was beim ersten Man nicht funktioniert hat, muss nicht beim zweiten, dritten, vierten Mal auch scheitern (z.b. um Jericho herumlaufen). Kindlicher Glaube macht sich keine Sorgen um Erfolg oder Misserfolg der Vergangenheit oder Zukunft sondern lebt im Hier und Jetzt.

Wenn ihr für ihn lebt und das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen macht, wird er euch jeden Tag geben, was ihr braucht. Deshalb sorgt euch nicht um morgen, denn jeder Tag bringt seine eigenen Belastungen. Die Sorgen von heute sind für heute genug. (Matt 6,33-34)

 

2. Kinder wissen, dass sie nicht alles alleine können oder verstehen

Abgesehen von der „kann das alleine“ Phase der Zweijährigen, finden Kinder sich doch ganz gut damit ab, dass sie eben bei vielen Dingen Hilfe benötigen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sie sich deswegen schlecht oder inkompetent fühlen oder Gewissenbisse haben, wenn sie Hilfe annehmen. Es ist für sie einfach normal, dass sie etwas noch nicht können.

Warum fühlen wir uns als Erwachsene also direkt komisch, wenn wir auf Hilfe angewiesen sind? Was stört uns so daran, hilflos zu erscheinen? Warum wollen wir alles alleine machen können? Das mag unterschiedliche Gründe haben, aber eins ist klar, es ist nicht kompatibel mit dem Evangelium, denn nichts können wir alleine, wenn es um unsere Errettung geht. Kindlicher Glaube akzeptiert, dass ich mich weder selbst retten, noch selbst begaben, noch selbst etwas Tolles für Gott erreichen kann und nimmt Jesu Hilfe dankbar an.

Weil Gott so gnädig ist, hat er euch durch den Glauben gerettet. Und das ist nicht euer eigenes Verdienst; es ist ein Geschenk Gottes.  Ihr werdet also nicht aufgrund eurer guten Taten gerettet, damit sich niemand etwas darauf einbilden kann. (Eph 2,8-9)

Mit dem Verstehen ist das ähnlich. Dazu empfehle ich den Beitrag „Was machst du da?“ – auch eine von Kindern häufig gebrauchte Frage.

 

3. Kinder vertrauen vorbehaltlos

Stell dir mal vor, du könntest dich an deine eigene Geburt erinnern. Monatelang war alles schön dunkel, kuschelig warm und um Hunger musstest du dir auch keine Sorgen machen. Dann passiert etwas, auf einmal musst du selber atmen, die Enge und Wärme sind auch weg und dann sieht dich jemand an und sagt „Hallo ich bin deine Mama“. Gut, vermutlich verstehst du nicht, was diese Person von dir will, aber was bleibt dir schon anderes übrig, als ihr zu vertrauen? Du kannst ja nicht einmal weglaufen. Nach und nach machst du positive Erfahrungen, diese Person namens Mama gibt dir Nahrung und Wärme und sorgt dafür, dass es dir gut geht.

Im Idealfall bleibt das auch so. Da das Leben aber nicht ideal ist, du mal einen schlechten Tag (oder eine Kolik) hast und auch Mama hin und wieder überfordert ist, gibt es also auch Momente, in denen du nicht das bekommst, was du möchtest. Spätestens wenn du krabbeln kannst, wird Mama ziemlich häufig das Wort „nein“ benutzen und das passt dir eigentlich gar nicht. Aber gut, du willst zwar die Wohnung entdecken, aber Mama ist erstens schneller und zweitens scheint sie zu wissen, was sie tut.

Wenn nicht etwas schrecklich schief läuft, dann bist du zwar nicht immer derselben Meinung wie Mama und bist auch manchmal ziemlich sauer auf sie, aber tief im inneren weißt du doch irgendwie, sie meint es gut mit dir. Hin und wieder entscheidest du dich, nicht auf Mama zu hören und die Konsequenzen passen dir leider gar nicht, trotzdem kletterst du – nachdem du genug geschmollt hast – immer wieder dankbar auf ihren Schoß. Egal was eben war, sie ist schließlich immer noch deine Mama.

Bei uns Menschen spielt ja immer noch Tagesform, eigene Probleme und Fehler und eine sündhafte Natur mit hinein. Bei Gott gibt es die nicht, eigentlich also noch mehr Grund, ihm vorbehaltlos zu vertrauen.

 

Ein spannendes Thema und mir fallen immer mehr Parallelen ein, vielleicht gibt es also noch einen weiteren Teil. Mal sehen…

Mir ist klar, dass das immer noch keine wirkliche „3 Schritte zum Erfolg“ Antwort ist, aber das ist auch nicht meine Absicht. Wie oben bereits gesagt, glaube ich nicht, dass Gott immer die selbe Methode verwendet und deshalb war mein Anspruch auch eher, Impulse zu geben und den Heiligen Geist das Übrige tun zu lassen.

Für mich persönlich hat kindlicher Glaube zum Beispiel sehr viel mit der Antwort auf die Frage „Meint Gott es wirklich gut mit mir?“ zu tun.

Was sind deine Gedanken zum Thema kindlicher Glaube und wie findest du ihn wieder? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

 

 

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