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Verankert

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Wünschst du dir nicht auch manchmal, so fest und sicher im Leben zu stehen, dass unvorhergesehene Ereignisse dich nicht aus der Bahn werfen? Früher dachte ich, je älter ich werde, desto ruhiger kann ich mit meiner Lebenserfahrung an Herausforderungen herangehen. Heute denke ich, je älter ich werde, desto mehr Gründe finde ich, mir Sorgen zu machen…

Montag habe ich Gott die Frage gestellt „Was machst du da?“ und ich muss sagen, ich bin immer noch nicht schlauer. Trotzdem bin ich heute morgen mit einer Gewissheit aufgewacht, dass ich in solchen Situationen auch einfach mal mehr meinem Wissen über Gott und seinen Charakter vertrauen darf, als meinen derzeitigen Gefühlen. Den folgenden Vers hatte ich vor einiger Zeit schon gelesen und auf meine „Schreibimpulse“ Liste gesetzt, weil mich das Wort „verankert“ aus der Neue Bibel Heute Übersetzung so angesprochen hat. Heute war es dann so weit, denn das Thema passt einfach gerade:

Schlimme Nachricht macht ihm keine Angst, / mit ruhigem Herzen vertraut er Jahwe. Verankert ist sein Herz, er fürchtet sich nicht, / denn bald schaut er auf seine Feinde herab. (Psalm 112,7-8)

Genau so stelle ich mir das vor. Keine Angst vor schlechten Nachrichten und ein verankertes Herz. Nur wer ist dieser Schreiber und wie kommt er da hin? Sehen wir uns doch mal den Anfang an

Halleluja, preist Jahwe! / Wie glücklich ist, wer Jahwe fürchtet, / wer große Freude an seinen Geboten hat! (Psalm 112,1)

Danach wird dieser Mensch noch weiter beschrieben und es lohnt sich natürlich immer, den ganzen Kontext zu lesen. Mich beschäftigt aber immer noch das Wörtchen „verankert“.

In anderen Übersetzungen heißt es auch „getrost“ (LUT), „beständig“ (ELB) oder „gefestigt“ (NGÜ). Ansonsten habe ich noch folgende Beschreibung gefunden: sich verlassen auf; (auf)legen; erhalten, versorgen; sich stützen auf. Ich denke, der Sinn ist deutlich. Die HFA geht sogar in Richtung unerschütterlich. Kein Wunder also, dass es mir direkt ins Auge gesprungen ist…

Da niemand von schlimmen Nachrichten verschont bleibt, frage ich mich also, wie kann ich mit einem ruhigen und verankertem Herzen darauf reagieren? Ich denke, das kommt ganz darauf an, wo ich meinen Anker ausgeworfen habe.

Ich schildere euch an zwei kurzen Beispielen, was ich damit meine:

2004 habe ich mein erstes Studium abgebrochen und bin in die USA gezogen. Einfach so. Ich hatte ein (zugegebenermaßen leichtsinniges) Versprechen abgegeben und als ich mir die „Was würde Jesus tun?“ Frage stellte, war die Antwort für mich klar: es halten. Ich wohnte in einer WG, lebte von Bafög und über Zukunft, Rente und sonstige Konsequenzen habe ich mir einfach keine Sorgen gemacht.

Heute dagegen habe ich eine eigene Wohnung und ein festes Einkommen. Heute würde mir diese Entscheidung nicht so leicht fallen. Warum? Weil ich gefühlte Sicherheiten aufgeben müsste.

2005 musste ich mit meiner Gastfamilie vor Hurricane Rita flüchten. Jeder durfte eine Reisetasche mitnehmen und musste den Rest einem ungewissen Schicksal überlassen. Ich packte ein paar Klamotten, meine Tagebücher und meinen Laptop mit den Uni Hausaufgaben. Um den Rest machte ich mir keine Sorgen, denn erstens besaß ich nicht viel und zweitens war ich einfach sicher, dass meine Gastfamilie schon eine Lösung finden und ich nicht auf der Straße landen würde.

Vor ein paar Jahren wurde eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg in der Nähe meiner Wohnung gefunden und ich musste während der Evakuierung eine Nacht auswärts schlafen. Das hat mich fast verrückt gemacht, weil ich jetzt irgendwie für mich selbst verantwortlich war und auch mit den eventuellen Schäden selbst hätte klarkommen müssen. (Es ist nichts passiert, außer einer schlaflosen Nacht.)

Irgendwie wünsche ich mir dieses kindliche Vertrauen wieder, das ich einmal hatte. Damit meine ich nicht die leichtsinnige „ach wird schon irgendwie“ Einstellung und auch nicht das „meine Gastfamilie regelt das schon“ Vertrauen. Natürlich muss ich mich um meine eigenen Angelegenheiten kümmern und mir tatsächlich auch ab und zu mal Gedanken über die Zukunft machen, aber ich wünsche mir dieses kindliche Gottvertrauen, das eben doch alles seinen Sinn und Gott einen guten Plan hat.

Bleibt also die Frage: Worin ist mein Herz verankert? Was gibt mir Sicherheit? Ist diese krisenfest und katastrophensicher?

 

 

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