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Wahre Stärke

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Kennst du eine starke Person? Was bewunderst du am meisten an ihr? Wie äußert sich diese Stärke?

Für manche drückt sich Stärke körperlich aus. Das sind die, die sich für einen guten Wettkampf und ein ordentliches Kräftemessen begeistern können.

Andere sehen Stärke darin, ihre Meinung zu verteidigen. Sie sind rhetorisch geschickt und können den Gegenüber in Grund und Boden diskutieren. Sie lassen sich von niemandem über den Mund fahren oder etwas verbieten und sind um kein Argument verlegen.

Dann gibt es emotionale Stärke. Manche verkraften Enttäuschungen, Streit und Anfeindungen einfach besser als andere.

Wieder andere habe eine enorme Willensstärke. Die Diät ziehen sie eisern durch und die Arbeit ist weit vor dem geforderten Termin erledigt.

Es gibt sicherlich noch unzählige andere starke Menschen :Jemand, der sich von Schicksalsschlägen nicht aus der Bahn werfen lässt oder jemand, der stets seinen Prinzipien treu bleibt oder, oder, oder…

 

Gut, dann denke jetzt an jemanden, dessen Schwäche du bewunderst…

Ich weiß nicht wie es dir geht, aber Schwäche ist nicht die erste Eigenschaft, die ich mit dem Wort „bewundernswert“ in Verbindung bringe. Ich habe Verständnis für Schwache und ich empfinde Mitleid, aber schwach sein klingt nicht unbedingt erstrebenswert. Wer ist schon gerne schwach?

Worauf will ich hinaus? Ich glaube, manchmal haben wir solch eine Angst vor Schwäche, dass wir uns krampfhaft als starke Leute beweisen müssen. Wir wollen schließlich nicht von anderen überrollt oder nicht ernst genommen werden. Also müssen wir kämpfen.

Ich will nicht sagen, dass eine der oben aufgezählten Stärken falsch oder verwerflich sei. Ganz im Gegenteil. Ich frage mich nur manchmal, ob wir alles so extrem betreiben müssen. Warum kämpfen wir oft so verbissen darum, stark zu erscheinen? Dürfen wir keinerlei Schwäche zulassen? Dann kann es auch schnell geschehen, dass aus dem körperlich Starken ein Grobian wird. Dann kann aus dem rhetorisch Starken ein rechthaberischer Streithammel und aus dem emotional Starken ein Unnahbarer werden. Dass wir Menschen es auch immer übertreiben müssen und denken, mehr sei besser.

Ich frage mich aber auch, ob wir Stärke nicht irgendwie doch grundlegend falsch definiert haben. Muss ich denn, um stark zu sein, unbedingt Recht haben, erster sein oder Dinge rigoros und fehlerfrei durchziehen? Ich habe selbst ein Problem damit, als schwach angesehen zu werden. Ich sage nur so viel, über Jahre hinweg war mein größter Motivator: „Das schaffst du doch eh nicht!“. Dann wurde ich fuchsig und habe es allen gezeigt – mit Erfolg.

Doch wenn ich in die Bibel schaue, finde ich tatsächlich noch eine ganz andere Art von Stärke: Demut. Nein, diese Definition finden wir nicht im Duden. Trotzdem möchte ich sie als die wahre Stärke bezeichnen.

Egal was für ein Gottesbild du hast, wenn du an einen Gott glaubst, dann wirst du mir wahrscheinlich zustimmen, dass dieser per Definition ziemlich stark und mächtig ist. Also lass uns doch einfach einmal nachsehen, mit welchen Charakterzügen Gottes Macht in der Bibel beschrieben wird, hier in seiner irdischen Gestalt als Jesus Christus:

Er, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen. Aber er erniedrigte sich ´noch mehr`: Im Gehorsam gegenüber Gott nahm er sogar den Tod auf sich; er starb am Kreuz ´wie ein Verbrecher`.
(Phil 2,6-8 NGÜ, Hervorhebung von mir)

Jesus ist Gott und er ist stark, dennoch verzichtet er freiwillig darauf, es durch Machtkämpfe zu beweisen. Er wusste, wer er war und es war ihm egal, ob ihn jemand für einen Schwächling hielt oder sich über ihn lustig machte. Er tat zielstrebig das, wozu er gekommen war. Nun, ich bin nicht Jesus und mir ist es nicht egal, was andere von mir denken, da bin ich ehrlich. Trotzdem sehe ich eine größere Stärke darin, auf mein gutes Recht zu verzichten, als es mit aller Macht durchzusetzen.

Wir sprechen hier übrigens nicht von einer kleinen Auseinandersetzung, die Jesus ruhen ließ, sondern von seinem Leben. Bevor er sich schlagen und verspotten ließ und neben den Verbrechern am Kreuz starb, sagte er über sein Leben: „Niemand nimmt es mir; ich gebe es freiwillig her. Ich habe die Macht, es herzugeben, und ich habe die Macht, es wieder zu empfangen“ (Joh 10,18, NGÜ).

Als Jesus gefangen genommen wurde, wollte Petrus ihm sogar noch zur Hilfe eilen, indem er sein Schwert zückte und auf einen der Angreifer losging. Doch Jesus rief ihn zurück und fragte: „Oder glaubst du nicht, dass ich meinen Vater um Hilfe bitten könnte und dass er mir sofort mehr als zwölf Legionen Engel zur Seite stellen würde?“ (Mt 26,53, NGÜ). Die Macht dazu hätte er gehabt, doch er verzichtete.

Demut ist auch eins dieser Wörter, die nicht sehr populär sind. Oft wird Demut mit Schwäche verwechselt, doch nach Jesu Beispiel sehe ich Demut als ganz große Stärke. Ich finde es deutlich schwieriger und charakterstärker zu verzichten, obwohl ich weiß, ich könnte gewinnen.

Und so frage ich mich, kann ich nicht stark sein und trotzdem nachgeben? Kann ich nicht stark sein und mich trotzdem nicht beweisen und auf Neid und Konkurrenz einlassen müssen? Kann ich nicht stark sein, meinen Standpunkt behalten, aber darauf verzichten ihn durchzusetzen? Kann ich nicht stark sein und trotzdem jemand anderem den Vortritt lassen?

Ja, mit Jesu Hilfe kann ich das! Denn ihm muss ich meine Stärke nicht beweisen und wenn ich mir das bewusst mache, dann muss ich sie mir selbst und anderen auch nicht mehr beweisen. Demut zu zeigen fällt mir nicht leicht und wenn es mir überhaupt gelingt, dann häufig nur zähneknirschend. Doch Jesus hat es uns selbst vorgelebt und Paulus fordert uns auf, es ihm gleichzutun:

Nun, dann macht meine Freude vollkommen und haltet entschlossen zusammen! Lasst nicht zu, dass euch etwas gegeneinander aufbringt, sondern begegnet allen mit der gleichen Liebe und richtet euch ganz auf das gemeinsame Ziel aus. Rechthaberei und Überheblichkeit dürfen keinen Platz bei euch haben. Vielmehr sollt ihr demütig genug sein, von euren Geschwistern höher zu denken als von euch selbst. Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat. (Phil 2,2-5, NGÜ)

Es geht absolut gegen meine Natur und gegen unseren Zeitgeist. Es fällt mir wirklich nicht leicht und manchmal finde ich es schlichtweg unfair, dass Gott so etwas von mir verlangen kann. Demut geht mir gegen den Strich und gegen meinen Stolz. Trotzdem vertraue ich darauf, dass Gott solche Glaubensschritte segnet. Wenn wir uns demütigen, riskieren wir natürlich ausgelacht und ausgenutzt zu werden, aber ich darf auch noch einmal daran erinnern, wer dann auf unserer Seite steht!

So heißt es auch in der Schrift: »Gott stellt sich den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er Gnade.« Deshalb ordnet euren Willen Gott unter! (Jakobus 4,6-7, NLB)

Demut ist eine bewusste Entscheidung und das ist wahre Stärke.

 

 

 

Bibelstellen:
Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen
Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft
Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten

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