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Warum tu ich mir das an?

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Wenn ich Schlafsack, Zelt und das Allernötigste an Essen und Klamotten auf meinem Rad verstaut habe, beginnt für mich die Freiheit. Ich liebe es, den ganzen Tag draußen zu sein. Ich liebe die körperliche Anstrengung und abends das Gefühl, etwas getan zu haben. Ich liebe es, herumzukommen und etwas zu sehen, aber am meisten reizt mich der Hauch von Abenteuer. Natürlich plane ich meine Etappen grob vor, ich verzichte auch nicht auf Luxusartikel wie Smartphone (Anmerkung: Das mit dem Smartphone nehme ich zurück, denn am selben Abend ging es aus und ließ sich erst nach meiner Rückkehr nach Hause wieder einschalten, kein Witz!) oder Mückenspray, trotzdem gibt es immer wieder ungewisse Momente, Überraschungen und Planänderungen. Manchmal ärgere ich mich darüber, aber eigentlich ist es genau das, was die Sache für mich spannend macht.

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Heute zum Beispiel, zog auf einmal eine Gewitterfront auf. Stundenlang auf besseres Wetter warten ist keine Option, mitten im Wald vom Blitz getroffen werden aber auch nicht. Und so hangelt man sich von Dorf zu Dorf und Hütte zu Hütte und entscheidet immer wieder aufs Neue: Abwarten oder noch eine Unterstellmöglichkeit weiter fahren? (Das Gewitter ist übrigens knapp an uns vorbei gezogen und hat uns bis auf einen kurzen Schauer verschont)
Gestern war aber auch schon so ein Tag, an dem nichts nach Plan verlief (oder im Prinzip doch aber nicht nach unserem). Eigentlich wollten wir gestern 106km und heute 50 fahren. Weil es aber so heiss war, hatten wir spontan einen neuen Campingplatz herausgesucht und die Etappen getauscht: gestern 50km, heute 106.

So weit, so gut. Morgens haben wir uns richtig Zeit gelassen, tagsüber ausgiebig besichtigt, Lebensmittel gekauft und getrödelt, nur um dann um 15 Uhr, nach 55km, vor einem verwahrlosten und verlassenen Campingplatz zu stehen…

Und jetzt? 2 Möglichkeiten: Zelt zwischen die verrottenden Wohnwagen stellen und ohne Wasser und Dusche trotzdem dort übernachten oder noch 55km bis zum nächsten Platz fahren. Um es kurz zu machen, wir sind nach 110km um 20 Uhr angekommen, total erschöpft und mit Schmerzen an Stellen, die man sich nicht vorstellen möchte, aber irgendwie glücklich und definitiv sehr dankbar. (Anmerkung: Das war der ursprünglich geplante Platz, bevor wir alles über den Haufen geworfen haben. Was soll man dazu noch sagen? Aber im Nachhinein war alles gut, so wie es kam)

Aber warum um alles in der Welt tu ich mir so etwas freiwillig an?

Das ist eine berechtigte Frage, die ich aber glaube ich nur mit „das muss man einfach mal erlebt haben“ beantworten kann. Zwischendurch will ich manchmal auch nicht mehr, nicht alles macht immer Spaß und es ist definitiv anstrengend. Aber das Gefühl, wenn man auf die überwundenen Hindernisse zurückblickt und auf der Karte sieht, wie weit man schon gekommen ist, das ist für mich einfach unbezahlbar. Das kann man auch kaum beschreiben.

Ganz ähnlich geht es mir auch häufig in meinem Glaubensleben. Manchmal – meist dann, wenn ich mich zwischen dem richtigen und dem einfachen Weg entscheiden muss – frage ich mich auch da, warum ich mir das antue. Und ganz ehrlich, ein guter Verkäufer seines Weges war Jesus wohl auch nicht, denn als ein Schriftgelehrter zu ihm kam und sagte, „Meister, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst!“, gab Jesus ihm folgende Antwort:
„Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber der Sohn des Menschen hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ ‭‭(Matthäus‬ ‭8:19-20‬ ‭SCH2000‬‬)

An einer anderen Stelle sagt er:
„Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ (Matthäus‬ ‭16:24‬ ‭SCH2000‬‬)

Also ich weiß nicht, ob ich euch den Glauben und die Nachfolge so schmackhaft machen kann… aber ich fürchte auch, dass ich niemanden mit Fotos von meinen blauen Flecken und Berichten von Angst, Verzicht und Pannen für Radtouren begeistern kann. Doch diese Dinge gehören einfach dazu und die Freude über die bestandene Herausforderung lässt einen die Strapazen irgendwie unwichtig erscheinen.

Ich schreibe das in der Sonne liegend und bei aufgebautem Zelt, also im Nachhinein. Mittendrin sieht es immer ganz anders aus. Doch im Glaubensleben befinden wir uns nun einmal mittendrin. Auf manche Dinge können wir bereits zurückblicken, auf viele aber noch nicht. Dennoch können wir gewiss sein, dass es am Ende gut für uns ausgeht, wenn wir das „Risiko“ eingehen und Jesus nachfolgen (vgl. Römer 8:28).

Paulus war auch jemand, der sich gut mit unvorhergesehenen Planänderungen wie zum Beispiel Schiffbruch, Inhaftierung oder Hunger auskannte. Doch genau deswegen erlebte er auch Gottes Versorgung. Und so schreibt der der Gemeinde in Philippi, um sich für die Gaben zu bedanken und sie in ihrem eigenen Glauben zu ermutigen:

„Und was eure eigenen Bedürfnisse angeht, so wird derselbe Gott, der für mich sorgt, auch euch durch Jesus Christus mit allem versorgen, was ihr braucht – er, der unerschöpflich reich ist und dem alle Macht und Herrlichkeit gehört.“ (Philipper‬ ‭4:19‬ ‭NGU2011‬‬)

Jesus nachzufolgen ist kein Geheimtipp für ein einfaches, entspanntes und glückseliges Leben. Das heißt, glückselig wird es schon, aber nach Jesus Definition von „glückselig“ (zu finden in Mt 5-7). Also bin ich schon wieder bei der Frage „Warum tu ich mir das an?“.

Ich werde es nicht vernünftig erklären können. Doch, wie beim Radfahren, überwiegen für mich einfach die Momente in denen ich Gott in meinen Schwierigkeiten und Entbehrungen erfahre. Die Betonung liegt auf „erfahre“, denn unser Gott ist tatsächlich ein persönlich erfahrbarer Gott und außer „das musst du selbst erlebt haben“, kann ich auch nicht mehr viel dazu sagen.

Bibelstellen:

Bibeltext der Schlachter Übersetzung Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf

Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft

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