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Was Gott wirklich will – von Opfern, guten Absichten und echter Umkehr

Nobody is perfect. Der Gedanke zählt. Wenigstens der Wille war da. Er war stets bemüht. Gott kennt mein Herz und weiß, wie ich das meine… Stimmt doch oder? Jona und König Saul könnten jeder von einem Ereignis berichten, wo Gott von ihren guten Absichten nicht so angetan war.

Jona –Prophet Gottes- hatte von Gott den Auftrag bekommen, in Ninive das bevorstehende Urteil anzukündigen, stattdessen floh er in die entgegengesetzte Richtung. Er charterte ein Schiff, geriet in einen Sturm, erkannte, dass Gott da seine Hand im Spiel hatte und ließ sich von den Seeleuten über Bord werfen. Gleich darauf wurde er von einem Fisch verschluckt, in dessen Bauch er drei Tage verweilte. Jona bereute seine Entscheidung und bevor der Fisch ihn wieder ausspuckte, betete er zu Gott und endete mit den Worten:

Ich aber will dir danken und dir die Opfer darbringen, die ich dir versprochen habe; denn du, Herr, bist mein Retter. (Jona 2,10 GNB)

In meinem „Jonah“ Arbeitsbuch von Priscilla Shirer heißt es, dass die Opfer von denen Jona hier redet, der sichtbare Teil seiner Buße waren1. Aus dem Bauch des Fisches hatte er schon mit Gott gesprochen und seine Rebellion zugegeben, doch es gab auch genaue Vorschriften zu unterschiedlichen Opfern, die zur Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott dienten. Diese Opfer wurden in Jerusalem im Tempel dargebracht.

So stand Jona nun, nass und reumütig wieder an Land. Er hatte gute Absichten. Er wollte sich an die Regeln halten. Er wollte seiner Reue Ausdruck verleihen und die geforderten Opfer bringen. Allerdings lag Jerusalem in einer Richtung und Ninive in der anderen…

Interessanterweise erging das Wort des Herrn in diesem Moment ein zweites Mal an Jona: »Geh nach Ninive, der großen Stadt, und rufe dort aus, was ich dir auftrage!« (Jona 3,2 GNB) Ob Jona jemals in Jerusalem ankam, erfahren wir nicht mehr. Fest steht nur, dass Gott hier weniger Interesse an Jona‘s Opfer zeigt, als daran, dass er seinen Auftrag endlich erfüllt. Und so ging Jona ohne weitere Umwege nach Ninive. Was ich Jona hoch anrechne: Er hat immer noch keine große Lust, aber er tut es.

Aber wie kann es sein, dass Gott Jona‘s gute Absichten nicht zu würdigen weiß? Ich glaube darauf hat David eine Antwort:

Dir liegt nichts daran, dass ich dir Tiere als Schlachtopfer darbringe – ich würde es sonst bereitwillig tun. Nein, nach Brandopfern hast du kein Verlangen. Ein Opfer, das Gott gefällt, ist tiefe Reue; ein zerbrochenes und verzweifeltes Herz wirst du, o Gott, nicht zurückweisen. (Psalm 51,18-19 NGÜ)

Tiefe Reue hatte Jona bereits bezeugt, nun durfte er seine Umkehr beweisen.

König Saul erging es da ähnlich, auch er hatte einen Auftrag von Gott (nachzulesen in 1. Samuel 15), den er nur so halb erfüllte. Auch er hatte noble Absichten. Zumindest erklärt er, dass was er tat, nur dazu diente dem Herrn ein Opfer zu bringen (vgl. 1. Sam 15,21). Doch die Antwort, die er darauf erhielt war niederschmetternd:

Doch Samuel erwiderte: »Was meinst du, was gefällt dem Herrn besser: Brandopfer und Mahlopfer oder Gehorsam gegenüber seinem Befehl? Lass dir gesagt sein: Wenn du dem Herrn gehorchst, ist das besser als ein Opfer; und wenn du ihm richtig zuhörst, ist das besser als das Fett von Widdern. (1. Sam 15,22 GNB)

Gut gemeint, schlecht gemacht. Allerdings muss ich sagen, kenne ich das auch. Es gibt Dinge die tue ich, weil ich denke sie würden Gott gefallen und stelle dann fest, dass ich mich damit bei Gott nicht „einschleimen“ kann. Ich glaube zwar nicht, dass es generell unsinnig ist, Gott eine Freude machen zu wollen, sehe darin aber auch überhaupt keinen Widerspruch zu Jona oder Saul. Denn ihr Problem war, dass sie beide nicht bereit waren, den Willen Gottes zu tun. Uns so sieht man hier, dass Gott sich eben nicht durch Nettigkeiten und Opfer bezirzen lässt und dann gerne über unseren Ungehorsam hinwegsieht. Nein, so läuft das nicht. Jona hat das wohl auch bemerkt und hat sich im zweiten Anlauf dann für den Auftrag entschieden.

Paulus schreibt:
Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf. (Römer 12,1 NGÜ)

Ein Opfer, dass Gott Freude bereitet ist, sich ihm mit Leib und Leben zur Verfügung zu stellen, egal wie bequem oder unbequem das aussieht. Aber mal ehrlich, kennen wir nicht alle so Situationen, wo wir Gott etwas schön reden, ihn beschwichtigen oder mit ihm verhandeln wollen? Wir weigern uns, etwas Schweres zu tun, bereuen unseren Ungehorsam und hoffen, mit einem Opfer unserer Wahl ist die Sache dann erledigt. Das heißt in unserem Fall sogar eine bloße Entschuldigung, denn das Opfer hat Jesus ja bereits gebracht. Blöd nur, wenn Gott dann sagt: „Alles klar, ich nehme die Entschuldigung an und nun tu, was ich dir aufgetragen habe“.

Einfaches Beispiel aus meinem Leben: Ein Kind hatte keine Lust aufzuräumen und hat gehofft, das Ganze aussitzen zu können. Irgendwann habe ich ihr gesagt: „Wer nicht aufräumt, kann in dieser Ecke auch nicht spielen“. Ein paar Stunden später überreichte mir dieses Kind ein selbstgemaltes Bild und machte sich auf den Weg in besagte Spielecke. Auf meine Nachfrage, ob sie die Konsequenz von heute Morgen nicht verstanden habe, erwiderte sie: „Aber ich hab doch ein Bild gemalt!“. Netter Versuch, schöne Geste, vielleicht eine gute Absicht, eventuell ein Zeichen echter Reue, ABER aufräumen musste sie trotzdem noch. Doch auch wenn ich über diese Geschichte schmunzeln muss, finde ich mich da leider allzu oft drin wieder.

Genauso wenig, wie ich mich von dem Bild habe beeindrucken lassen (obwohl ich den Gedanken dahinter anerkenne), ist Gott von unseren Opfern beeindruckt, wenn wir sie mit der Absicht bringen, von unserem Ungehorsam abzulenken oder uns aus der Nummer herauszuwinden. Solche Opfer kann ich mir dann eigentlich wirklich sparen. Wenn ich Gott eine echte Freude machen will, dann frage ich ihn, was er gerne hätte (siehe Römer 12,1). Was man im Übrigen mit Geburtstagsgeschenken ja auch tut, warum dann nicht mit Gott?

Das Problem mit den Opfern ist nämlich auch, dass ich mir da noch schön aussuchen kann, was ich bereit bin zu geben, wie viel davon und wie lange. Wenn ich Gott nach seinem Willen frage, kann es tatsächlich sein, dass es mich deutlich mehr kostet als ich bezahlen wollte. Wir alle kennen diese Verhandlungen mit Gott, oder? Gott, wenn du das machst, dann geh ich jeden Sonntag in die Kirche. Wenn du dies tust, verspreche ich mehr zu beten, mehr zu geben, übernehme einen weiteren Dienst usw. Alles gute Sachen, aber ist es das was Gott wirklich von uns will?

Unseren Willen dem Willen Gottes unterzuordnen ist oft schwieriger, als sich vor einen Altar zu knien und um Vergebung zu bitten.2 (Priscilla Shirer, Übersetzung von mir)

Bei dem Wort „Gehorsam“ oder „unterordnen“ sträuben sich verständlicherweise in diesem Teil der Welt einige Nackenhaare. Doch ich möchte noch einmal auf den feinen Unterschied hinweisen, denn Gott ist kein größenwahnsinniger Diktator, sondern ein liebevoller Vater. Er selber sagt von sich:

denn mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Das sage ich, der Herr.  (Jer 29,11 GNB)

Ich für meinen Teil habe beschlossen, mich auf das Abenteuer einzulassen und Gott zu vertrauen, auch wenn meine Wünsche und seine Wünsche manchmal unterschiedlich sind. Doch dann verlasse ich mich darauf, dass er deutlich mehr Erfahrung, Weisheit und Möglichkeiten hat als ich.

 

 

Ältere Beiträge zu Jona:
Wessen Geschichte erzählst du?
Welcher tut eher den Willen Gottes?

 

Quellen:
(1) Shirer, Priscilla (2010): Jonah. Nashivlle, Tenn: LifeWay Press, 98.
(2) Shirer, 100.

Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen
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