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Welcher tut eher den Willen Gottes?

Heute gibt es mal wieder* ein paar Gedanken zu Jona. Ich mag Jona, aber ist euch mal aufgefallen, dass so ziemlich jeder in seiner Geschichte bessere Entscheidungen trifft als er selbst?

Jona ist ein wunderbares Beispiel für Gottes Langmut und seine Bereitschaft, uns eine zweite Chance zu geben. Als Gott ihm das erste Mal sagte, er solle nach Ninive gehen und dort dessen Untergang predigen, rennt er so weit und so schnell er kann in die andere Richtung. Irgendwann sieht er seinen Fehler ein – nach einem Sturm, nachdem das Los auf ihn fiel und nachdem er lebendig von einem Fisch verschluckt wurde. Aus dem Bauch des Fisches betet er dann inbrünstig und schließt mit dem Versprechen:

Ich aber will dir mit lauter Stimme Lob opfern; was ich gelobt habe, das will ich bezahlen. Die Rettung kommt von dem HERRN! (Jona 2,10 SCH)

Daraufhin wird Jona an Land gespuckt und er erhält erneut denselben Auftrag, in Ninive das Gericht anzukündigen. Diesmal tut er es zwar, bleibt dabei aber doch ziemlich wortkarg. Jona 3,4 hat definitiv Chancen auf den Titel „kürzeste aber effektivste Predigt“. Auf die Worte „Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört!“ bekehrt sich eine ganze Stadt. Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Ob Jona sich gedacht hat, wenn er sich wenig Mühe gibt und nur kurz und knapp das von Gott verlangte erledigt, werden seine Worte vielleicht weniger effektiv sein? Denn schließlich wollte er ja nicht, dass seine Feinde umkehren und Gottes Gnade empfangen (Jona 4,2). Ich könnte es also absolut verstehen, wenn er zähneknirschend nur das Nötigste getan hätte, um gerade noch in Gottes Willen zu bleiben.

Und spätestens an dieser Stelle packe ich mich an die eigene Nase und denke an all die Situationen, in denen ich Gott gesagt habe: „Gefallen tut‘s mir nicht, aber bitte, dann mach ich es halt, wenn du das so willst… da reicht das?“. Ja ich mag Jona, zumindest denke ich, er versteht mich.

Natürlich ist das nur eine Vermutung, es kann auch sein, dass er nur diese 7 Worte gesprochen hat, weil Gott ihm genau diese aufgetragen hat. Doch Jonas Laune in Kapitel 4 lässt mich doch eher bei meiner ersten Vermutung bleiben. Jona hat also am Ende alles erledigt, was Gott im geboten hat, mehr oder weniger widerwillig und mit ein wenig Nachhilfe, aber er hat es getan. Er hätte sich ja auch schlichtweg weigern können. Allerdings stelle ich es mir sehr, sehr schwierig vor, ein so ehrliches, tiefgehendes und emotionales Gespräch mit Gott zu haben, wie Jona es im Bauch des Fisches hatte, und dann zu sagen „Nö, mach ich nicht!“.

Jona war ein von Gott berufener Prophet, deshalb unterstelle ich ihm jetzt einfach mal, dass er generell schon Interesse daran hatte, Gottes Willen zu tun. Nur, wie sich hier zeigt, nicht immer ganz so überschwänglich. Aber sind wir da nicht alle ein bisschen Jona? Wie oft fragen wir, wie viel Gehorsam genug ist und wie weit wir unsere Grenzen austesten können, bis Gott eingreift?

Ich war letztens so genervt von einem Bus, dass ich, als sich die Möglichkeit zum Überholen bot, einfach nur schnell vorbei wollte. Leider etwas zu schnell und leider wartete hinter der Bushaltestelle die Polizei. Tja, Pech gehabt. Ich wusste, dass ich die Regeln gebrochen hatte und ich brauchte auch nicht diskutieren oder erklären, warum der Bus mich genervt hat. Ich hab mein Verwarnungsgeld bezahlt und gut war. Ich denke, für Jona war das etwa ähnlich, nur etwas krasser. Er wusste, dass er vor Gott nicht fliehen konnte und er brauchte auch nicht mit ihm zu diskutieren, denn Gott würde sowieso Recht behalten. Er wusste auch, dass er eigenltich mit Gott gehen wollte und dass er somit wohl nicht um seinen Auftrag herum kommen würde, zumindest nicht ohne Rebellion. Also ging er hin und erledigte es mal eben.

Nach meinem letzten Eintrag über Jona kam die Frage auf: „Wenn ich also nicht tue, was Gott will, dann nimmt er mir einfach alles?“. Das glaube ich tatsächlich nicht. Gott versucht uns definitiv zu überzeugen, seinen Willen zu tun, wie man sieht, manchmal auch mit Nachdruck, aber er zwingt niemanden zur Nachfolge. Außerdem hatte Jona sich als Prophet ja schon längst freiwillig in den Dienst des Herrn gestellt, genauso wie wir es als Christen tun, wenn wir sagen, dass wir im nachfolgen wollen. Das sind ja auch ziemlich spezielle Voraussetzungen und hat für mich nichts mit „Du tust jetzt was ich sage oder ich nehme dir alles“ zu tun. Jona brauchte seine 3 Tage Pause auf dem Meeresgrund, um sich seinen Zielen wieder bewusst zu werden. Einen anderen erreicht Gott vielleicht durch eine Krankheit, einen verlorenen Job oder was weiß ich. Fakt ist, Jona erinnert sich plötzlich wieder daran, wer Gott ist, was er schon alles getan hat, was er zu tun vermag und welche Versprechen er selber Gott gemacht hatte. Zwischen Salzwasser und Seetang besinnt Jona sich darauf, dass er ja eigentlich den Willen Gottes tun und eben nicht aus seiner Gegenwart fliehen wollte.

Ab und zu tut es wirklich mal gut, sich seine Ziele und Absichten noch einmal vor Augen zu führen und – wenn es nach mir geht – lieber freiwillig und ohne Fischgestank.

 

Aber was ist mit den anderen Personen in dieser Geschichte, was meine ich damit, dass sie bessere Entscheidungen trafen als Jona? Die 2 anderen Personengruppen, die ich damit meine, sind die Seeleute und die Einwohner Ninives. Alles Heiden. Keiner davon hat jemals behauptet den Willen Gottes zu suchen, geschweige denn tun zu wollen. Zu Beginn der Geschichte sind sie absolut unwissend, doch dann hören sie von Gott und handeln SOFORT. Beeindruckend!

 

Die Seeleute:

[Jona] aber sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer; und ich fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat. (Jona 1,9 SCH)

Während Jona gerade dabei war, aus der Gegenwart Gottes zu fliehen, reagierten die Seeleute, indem sie ihn suchten:

Da schrien sie zu dem HERRN und sprachen: »Ach, HERR! lass uns doch nicht um der Seele dieses Mannes willen untergehen, rechne uns aber auch nicht unschuldiges Blut an; denn du, HERR, hast getan, was dir wohlgefiel!« (Jona 1,14 SCH)

Da bekamen die Männer große Ehrfurcht vor dem HERRN und brachten dem HERRN ein Schlachtopfer dar und legten Gelübde ab. (Jona 1,16 SCH)

 

Die Einwohner Ninives:
Stellt euch vor, Jona geht in die abtrünnige, heruntergekommene, verlorene, blutrünstige und durch und durch schlechte Stadt Ninive, sagt kurz und knapp „Ihr werdet zerstört“ und geht wieder. Die Reaktion ist grandios:

Und die Leute von Ninive glaubten Gott; und sie riefen ein Fasten aus und legten Sacktuch an, vom Größten bis zum Kleinsten unter ihnen. Und das Wort gelangte bis zum König von Ninive; und er stand von seinem Thron auf, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in Sacktuch und setzte sich in die Asche. (Jona 3,5-6 SCH)

Sie glaubten Gott und kehrten um, ohne wenn und aber, sofort und mit allen Konsequenzen. Ich finde es großartig, wie Gott aus so einer unfassbar schlechten Predigt so eine Erweckung hervorbringt!

 

Mein Jona-Zwischenfazit:

  1. Ich mag Jona immer noch und ich verstehe ihn so gut!
  2. Gott zwingt mir seinen Willen nicht auf, aber wenn ich ihm sage, dass ich ihn suche und ihm folgen will, dann kann es sein, dass er mich mit Nachdruck daran erinnert, was mein eigentliches Ziel war. Und natürlich hat jede Entscheidung Konsequenzen.
  3. Es ist möglich –und menschlich- Gottes Willen zähneknirschend und übel gelaunt zu tun. Ideal ist es sicher nicht, aber vielleicht ein Anfang? **
  4. Die wahren Helden der Geschichte sind für mich allerdings die Seeleute und die Einwohner Ninives. Sie glaubten und sie handelten. Und obwohl Jona von sich behauptete, Gott zu fürchten, die Seeleute taten es wirklich.
  5. Gottes Wort ist kraftvoll, egal wie unfähig oder ungehorsam wir gerade sind. Schließlich heißt es, die Menschen in Ninive glaubten Gott, nicht Jona. Also, Mut zur schlechten Predigt? Vielleicht nicht, aber es entspannt mich ungemein, dass es nicht so sehr auf mein perfektes Handeln, meine Fähigkeit oder meine Einstellung zu dem Ganzen ankommt, wie auf meine Bereitschaft, nach Gottes Wort zu leben und es weiterzugeben.

 

 

Anmerkungen:

* Hier geht’s zum ersten Teil: Wessen Geschichte erzählst du?.
** Dazu fällt mir ganz spontan das Gleichnis von den zwei Söhnen ein, das Jesus erzählt hat:
Was meint ihr aber? Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und er ging zu dem ersten und sprach: Sohn, mache dich auf und arbeite heute in meinem Weinberg! Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Danach aber reute es ihn, und er ging. Und er ging zu dem zweiten und sagte dasselbe. Da antwortete dieser und sprach: Ich [gehe], Herr! und ging nicht. Wer von diesen beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Da spricht Jesus zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Reich Gottes als ihr! Denn Johannes ist zu euch gekommen mit dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und die Huren aber glaubten ihm; und obwohl ihr es gesehen habt, reute es euch nicht nachträglich, sodass ihr ihm geglaubt hättet. (Matt 21,28-32 SCH)

 

Bibelstellen:
Bibeltext der Schlachter Übersetzung
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