Alltägliches

Das Problem mit den Rollos – Wenn Jesus zum Fensterputzen kommt…

Ich hasse Fensterputzen! Aber jetzt im Herbst, wenn die Sonne tief steht, müsste ich das eigentlich dringend mal wieder tun. Irgendwann… wenn ich dazu komme…

Szenenwechsel – Ich sehe im Supermarkt zufällig weiße Rollos im Angebot, die genau zu meinen Wohnzimmerfenstern passen würden. Da mir letztes Jahr beim Umbau die Handwerker meine Vorhangstange und die Jalousien kaputt gemacht hatten, brauchte ich sowieso neue, ich hatte mich nur noch nie darum gekümmert. Irgendwann… wenn ich mal dazu komme…

Nun, es ist so weit. Ich habe die Rollos gekauft und angebracht und bin zufrieden mit dem Ergebnis. Dann breche ich in schallendes Gelächter aus, denn mein Fensterputz-Problem hat sich damit quasi auch erledigt. Also zumindest sieht man den Schmutz jetzt nicht mehr, denn wenn die Sonne direkt darauf scheint mache ich die Rollos doch eh herunter. Ich fühle mich gewieft und erfolgreich.

Das Problem ist nur, wenn einer meiner Gäste auf die Idee käme, das Rollo hochzuziehen, wäre es mir gleich doppelt peinlich – erstens, weil die Fenster dreckig sind und zweitens, weil mein Täuschungsversuch aufgeflogen ist. Der Dreck ist immer noch da, vielleicht nicht mehr so offensichtlich, aber definitiv vorhanden.

Erneuter Szenenwechsel – Auch als Christ habe ich mir irgendwann einmal Rollos gekauft. Diese Rollos hatten den Zweck, von meinen Fehlern und Unsicherheiten abzulenken und den Gästen eine makellose Fensterfront zu präsentieren. Das Problem war nur: Der ganze Dreck war noch da. Es durfte also keiner auf die Idee kommen, hinter die Fassade zu blicken.

Was Jesus von solchen Täuschungsversuchen hält, sagt er ziemlich deutlich in Matthäus 23,25-28:

Weh euch, ihr Gesetzeslehrer und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr reinigt das Äußere von Becher und Schüssel, aber was ihr drin habt, zeigt eure Gier und Maßlosigkeit. Du blinder Pharisäer! Wasch den Becher doch zuerst von innen aus, dann wird auch das Äußere rein sein. Weh euch, ihr Gesetzeslehrer und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie weiß getünchte Gräber: Von außen ansehnlich, von innen aber voller Totenknochen und allem möglichen Unrat. Von außen erscheint ihr den Menschen gerecht, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.

Und in Lukas 18,9-14

Dann wandte sich Jesus einigen Leuten zu, die voller Selbstvertrauen meinten, in Gottes Augen gerecht zu sein, und deshalb für die anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgendes Gleichnis:  „Zwei Männer, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer, gingen zum Gebet in den Tempel.  Der Pharisäer stellte sich hin und betete für sich: ‚Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, all diese Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder wie dieser Zolleinnehmer dort.  Ich faste zweimal in der Woche und spende den zehnten Teil von all meinen Einkünften.‘ Der Zolleinnehmer jedoch blieb weit entfernt stehen und wagte nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich an die Brust und sagte: ‚Gott, sei mir gnädig. Ich bin ein Sünder.‘ Ich sage euch: Dieser Mann wurde von Gott für unschuldig erklärt, der andere nicht. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird von Gott erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, wird von Gott erhöht werden.“

Meistens wissen wir, dass wir uns vor Gott nicht verstecken können. Wir wissen auch, dass es nichts bringt, Rollos zu kaufen, den Schein zu wahren oder uns hinter frommen Ritualen oder guten Werken zu verstecken. Trotzdem tun wir es. Aber warum?

Na, wer gibt schon gerne zu, dass er etwas nicht geschafft hat (oder nicht zur Priorität gemacht hat)? Vor allem wenn wir anfangen uns mit anderen zu vergleichen, die vielleicht den perfekten Haushalt führen, dann wird es noch unangenehmer.

Aber Gott sagt ganz klar, nur derjenige, der seine Unfähigkeit einsieht und zugibt, kann Gottes Gnade in Anspruch nehmen.

Wisst ihr, was ich an Rollos noch ungünstig finde? Für mich bergen sie 2 Gefahren:

  • Sie täuschen anderen etwas vor bzw verstecken Dreck ohne ihn zu beseitigen. Das ist nicht ehrlich und wahrscheinlich werde ich irgendwann auffliegen.
  • Sie bieten mir eine schnelle und oberflächliche Lösung und halten mich davon ab, das eigentliche Problem mal in Angriff zu nehmen (aka Fenster putzen). Dadurch, dass ich mir den Dreck nicht mehr täglich ansehen muss, ist das Beseitigen desselben ein ganzes Stück weiter auf meiner Prioritätenliste nach unten gesunken.

 

Folgende Botschaft haben wir von ihm gehört und geben sie hiermit an euch weiter: „Gott ist Licht; in ihm gibt es keine Spur von Finsternis.“ Wenn wir behaupten, mit Gott Gemeinschaft zu haben und trotzdem in der Finsternis leben, dann lügen wir: Unser Tun steht im Widerspruch zur Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, so wie Gott im Licht ist, sind wir miteinander verbunden, und das Blut seines Sohnes Jesus macht uns von jeder Sünde rein. Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Wenn wir unsere Sünden eingestehen, zeigt Gott, wie treu und gerecht er ist: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von jedem begangenen Unrecht. Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott zum Lügner. Dann lebt sein Wort nicht in uns. (1. Johannes 1,5-10)

 

Ist dir aufgefallen, dass wir unsere Fenster nicht einmal selbst putzen müssen? Jesus steht quasi mit Putzeimer und Leder bewaffnet vor der Tür – nur die Rollos müssen wir ihm wohl hoch machen…

 

 

Bibeltext
Neue evangelistische Übersetzung © 2017 by Karl-Heinz Vanheiden (Textstand 17.05)

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