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Wessen Geschichte erzählst du?

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Ich habe mich im Urlaub mit Jona beschäftigt. Jona, der Prophet Gottes, der Berufs- oder eher Berufungsbedingt, eigentlich ziemlich vertraut mit ihm und seinen Absichten gewesen sein muss. Nun bekommt er seine große Aufgabe, nämlich nach Ninive zu gehen und dort Gottes Gericht zu verkünden und was tut er? Er versucht so weit wie möglich von Gottes Gegenwart zu fliehen. Da er Gott gut kannte, wird er wohl auch gewusst haben, dass man vor Gott nicht wegrennen kann. Trotzdem scheute er keine Kosten und Mühen und verlor auch keine Zeit, seinen Fluchtplan in die Tat umzusetzen. Warum? Was waren seine Motive?

Ich lese gerade das Arbeitsbuch Jonah – Navigating a Life Interrupted von Priscilla Shirer und dort geht es – wie der Titel schon andeutet – um göttliche „Störungen“. Jona führte ein ganz normales, wohlhabendes Leben (er hatte genug Geld, um Cash für eine Überfahrt an das Ende der bekannten Seekarte zu bezahlen). Doch eines Tages kam das „Wort des Herrn“ zu ihm (Jona 1,1) und änderte alles. Man sollte meinen, er müsse sich über diese ehrenvolle Aufgabe freuen, denn schließlich stand in seinem „Arbeitsvertrag“ so etwas wie „empfange und verkünde das Wort des Herrn“. Doch Jona hatte überhaupt keine Lust, diesen Job zu erledigen.

Möglicherweise hatte er Angst um sein Leben. Gott war ließ sein Gericht schließlich nicht umsonst verkünden, diese Stadt war definitiv durch und durch böse. Ich habe auch mal in einer Predigt gehört, dass es für Jona wohl ungefähr so sein musste, als würde Gott dich oder mich in das Hauptquartier einer Terroreinheit senden, um dort zu verkünden: „Noch 40 Tage und ihr werdet zerstört“. Ganz ehrlich, dafür würde ich mich nicht freiwillig melden.

Doch interessanterweise sagt Jona nie, dass er aus Angst nicht gegangen ist, sondern weil er von Gottes Barmherzigkeit wusste. Wie bitte? Ja genau, die Gnade Gottes sollte doch nicht für solche Leute „verschwendet“ werden. Und so betete Jona: „Darum wollte ich ja auch so rasch wie möglich nach Tarsis fliehen! Ich wusste es doch: Du bist ein gnädiger und barmherziger Gott. Deine Geduld ist groß, deine Liebe kennt kein Ende. Du lässt dich umstimmen und strafst dann doch nicht“ (Jona 4,2). Als Israelit hätte Jona sicherlich lieber Gnade und Rettung für sein eigenes Volk gesehen, denn schließlich waren sie ja Gottes auserwähltes Volk. Dass Gott seinen Erzfeinden noch eine Chance geben wollte, passte einfach nicht in seinen Plan.

Zwischenfrage: Fällt es uns nicht auch oft leichter selber Gnade in Anspruch zu nehmen, als sie an unseren Widersachern verschwendet zu sehen?

Aber zurück zu Jonas Plan… Ja genau, SEINEM Plan. Jona kannte Gott sehr gut, vielleicht so gut, dass er dachte, er könne ihm ein wenig nachhelfen. Priscilla Shirer vermutet, dass Jona sich mit seinem Verhalten sogar absolut im Recht wähnte, denn schließlich hatte Gott Wohlstand und Wachstum für seine Nation Israel versprochen und Barmherzigkeit gegenüber Ninive schien da eher kontraproduktiv (1).

Und so komme ich zu der eigentlichen Frage, die mich in dem Buch bisher am meisten beschäftigt hat: Wessen Geschichte erzähle ich? Ist es meine Geschichte oder seine? Stelle ich mich Gott als „Schauspieler“ zur Verfügung und überlasse ihm die Wahl der Rolle? Oder versuche ich Hauptdarsteller, Regisseur und Autor meines eigenen Werkes zu sein und möchte Gott lieber als Souffleuse haben, falls ich mal hängen bleibe?

„Dein Leben erzählt Gottes Geschichte und zeigt seinen Charakter“ (2), sagt Shirer und an einer anderen Stelle schreibt sie, „Ein Leben, dass durch einen heiligen Gott unterbrochen wird, ist ein Privileg“ (3). Ich finde das eine wirklich interessante und erfrischende Perspektive, diese unerwarteten Wendungen, Schicksalsschläge oder „göttlichen Störungen“ als Privileg zu sehen. Wenn er mir mehr darauf ankommt, mit meinem Leben Gottes Geschichte zu erzählen, dann muss ich auch nicht verzweifeln, fliehen oder bocken, wenn es nicht nach meinem Plan verläuft. Ärgerlich, beängstigend oder nervig ist es, keine Frage, doch kann ich Gott in dem ganzen Gefühlschaos trotzdem vertrauen, dass er den Überblick behält? Kann ich ihm vertrauen, dass seine Geschichte ein Happy End haben wird, auch wenn es gerade nicht danach aussieht?

Und noch eine Sache, die dieses Buch bisher bei mir angestoßen hat: Wenn du Gott egal wärst und er keinen wirklich relevanten Auftrag für dich hätte, dann müsste er sich nicht die Mühe machen, dich in deinem gut durchdachten und geplanten Lebensweg zu unterbrechen. Deshalb sieh es nicht als Schikane oder Strafe, sondern als Chance und Privileg, wenn Gott deine Pläne über den Haufen wirft. 

(Im Urlaub hatte ich jede Menge Gelegenheit, Erfahrungen mit „nicht nach Plan verlaufen“ zu machen. Dazu sicher in der nächsten Zeit mehr…)

Was läuft bei dir gerade so gar nicht nach Plan? Bist du bereit, Gottes Geschichte zu schreiben und deine Pläne dafür stören zu lassen?

 

Das Buch ist übrigens (auf Englisch) unter der ISBN 1415868492 zu finden.

Anmerkungen:
(1) Shirer, Priscilla (2010): Jonah. Nashivlle, Tenn: LifeWay Press, 37.
(2) Shirer, 27.
(3) Shirer, 16.

Bibelstellen:
Hoffnung für Alle® (Hope for All)
© 1983,1996, 2002, 2009, 2015 by Biblica, Inc.®

 

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