AlltäglichesBibelGemeindelebenMotivation

Wie man die richtige Gemeinde findet

Eine passende Gemeinde zu finden ist wirklich nicht einfach. In Texas gab es so viel Auswahl, so dass ich von dem Überangebot nahezu überfordert war. Zurück in Deutschland kam mir die Suche manchmal wie das Aufspüren des geringsten Übels vor. Die eine Gemeinde war zu weit weg, die andere zu altmodisch, die nächste zu charismatisch, hier gab’s zu wenig Mission, da zu wenige Hauskreise usw. Und selbst wenn man eine gute Gemeinde gefunden hat, mit der Zeit machen sich dann doch die ersten Mängel bemerkbar. Heißt das dann, dass ich doch noch nicht die richtige gefunden habe? Sollte ich weiter suchen? Aber wie finde ich die richtige Gemeinde für mich?

Wenn du gerade auf der Suche oder irgendwie unzufrieden bist, dann erhoffst du dir von mir jetzt vielleicht eine Checkliste. Die hätte ich nämlich auch wirklich gerne gehabt. Im Prinzip gibt es sowas auch, zum Beispiel hat Mark Dever ein ganzes Buch über die 9 Merkmale einer gesunden Gemeinde geschrieben. Das kann hilfreich sein, trotzdem muss ich dich leider enttäuschen, so etwas wie eine perfekte Gemeinde hier auf Erden gibt es nämlich gar nicht.

Gestern war ich im Römerbrief unterwegs und da begegnete mir das Thema auch wieder, in dem Abschnitt „Das Leben der Gemeinde“ (Römer 12,9-21).

Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und verflucht sie nicht. Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Ist das also sowas wie Paulus‘ Checkliste, um eine gute Gemeinde zu erkennen? Heißt das, wir sollten bei der Gemeindesuche darauf achten, dass die Liebe untereinander spürbar ist, die Menschen dort brennend im Geist sind, dem Herrn dienen, fröhlich in Hoffnung sind, beten, etc? Das sind definitiv gute Qualifikationen, aber ich denke nicht seine Absicht. Paulus schreibt diesen Brief an die bestehende Gemeinde in Rom.

Kann es also sein, dass die Suche nach der perfekten Gemeinde damit beginnt, genau diese Gemeinde zu werden? Kann es sein, dass es weniger darauf ankommt, diese Qualitäten zu suchen, als sie selbst zu entwickeln?

Ein wenig spreche ich da tatsächlich aus Erfahrung, denn ich war an einem Punkt, wo ich für mich in meiner Gemeinde keine Zukunft mehr sah. Doch irgendwie wollte Gott mich nicht gehen lassen… In der folgenden Zeit entstanden übrigens auch die Gedanken zu dem Aus Mangel geben Post.

Aber zurück zu der Römer Stelle:

Stell dir vor, deine Liebe sei ungeheuchelt.
Stell dir vor, du würdest das Böse hassen und das Gute tun.
Stell dir vor, deine Liebe zu deinen Mitchristen sei herzlich und zuvorkommend.
Stell dir vor, du wärst nicht träge, sondern brennend im Geist.
Stell dir vor, du würdest dem Herrn dienen.
Stell dir vor, du seist fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal und beharrlich im Gebet.
Stell dir vor, du würdest dich um die Nöte in deiner Gemeinde kümmern.
Stell dir vor, du wärst einladend und gastfreundlich und bemüht, dass alle sich wohl fühlen.
Stell dir vor, du würdest die segnen, die dich gerade am meisten aufregen.
Stell dir vor, du würdest dich mit den Fröhlichen freuen und mit den Traurigen weinen.
Stell dir vor, du würdest dich mehr auf das gemeinsame Ziel konzentrieren als auf die Verschiedenheiten.
Stell dir vor, du würdest anderen in Demut begegnen und nicht immer Recht haben wollen.
Stell dir vor, du seist auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Stell dir vor, du wärst auf Frieden aus und nicht auf dein gutes Recht.
Stell dir vor, du würdest Kränkungen und Verletzungen Gott überlassen anstatt zu schmollen oder Rachegedanken zu schüren.
Stell dir vor, dein Ziel wäre, das Böse mit Gutem zu überwinden.

Was würde DAS mit deiner Gemeinde machen?

 

 

Bibeltext:
Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere