Bibel

Wofür betest du?

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Glaubst du an die Kraft des Gebets? Glaubst du, dass Gebete Menschen und Situationen verändern können? Wenn ja, nutzt du diese Kraft aus? Und wenn du betest, wofür betest du?

Ich könnte euch zahlreiche Geschichten erzählen, wo Gott Gebete ganz konkret beantwortet hat. Die aktuellste ist sogar recht lustig und eignet sich hervorragend um mit einer kleinen Anekdote anzufangen. Und zwar gab es eine Situation, wo ich sehr überzeugt war, dass jemand einen Fehler macht, ich fühlte mich aber weder in der Position, diese Person aufzuhalten, noch wurde ich nach meiner Meinung gefragt. Ich habe lange überlegt, ob ich mich, trotz meiner Bedenken, einfach einmischen sollte oder nicht. Doch dann wurde mir folgendes klar: Ich rede die ganze Zeit davon, dass Gott Menschen verändern kann, dass er allmächtig ist und dass er durch den Heiligen Geist aktiv in unser Leben eingreift und am Werk ist. Warum vertraue ich ihm dann nicht, dass er es in dieser Situation auch tut, zumal besagte Person ganz eindeutig auch in einer lebendigen Beziehung mit Jesus lebt? Vielleicht klingt das nicht ganz so nett, aber ich habe beschlossen, nichts zu sagen und die Person stattdessen bei Jesus zu verpetzen (in frommen Kreisen nennt man das glaube ich Fürbitte). Und was soll ich sagen, ein paar Tage später erfahre ich, dass die Person eine Entscheidung getroffen hat und das Thema erledigt ist.

Ich will mir nicht anmaßen zu sagen, dass allein mein Gebet dies alles bewirkt hat, trotzdem war es eine sehr eindeutige Antwort. Außerdem hat es mir geholfen mich zu entspannen und das Problem an jemand weitaus kompetenteren als mich abzugeben. Man kann jetzt darüber streiten, wie viel freier Wille, Eigenverantwortung und göttliche Fügung da im Spiel war, aber mir hat das eindeutig bestätigt: Gebet wirkt oft mehr als tausend Argumente und Gott hört mir zu, wenn ich ihm etwas sage.

  • Wann hast du das letzte Mal bewusst gemerkt, dass Gott Gebete sehr ernst nimmt?
  • Falls du diese Erfahrung tatsächlich noch nicht gemacht hast, warum versuchst du es nicht einfach einmal?
  • Glaubst du, dass Gebet kraftvoll ist? Glaubst du es nur oder nutzt du es auch?

 

Gut, wenn Gebet also mächtig ist, habt ihr euch eigentlich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob Gott nicht nur unsere „Bitte gib mir“ sondern auch unsere „Und ich weiß schon, das wird so und so laufen und alles den Bach runtergehen“ Gebete hört? Also ich meine jetzt nicht nur die formellen Augen zu, Hände gefaltet Gebete. Ich meine die vielen Male, wo wir uns um Dinge sorgen unsere Gedanken kreisen lassen und sprichwörtlich den Teufel an die Wand malen. Erhört Gott diese eigentlich auch?

Etwas Ähnliches ist dem Volk Israel passiert. In 4. Mose 13 senden die Israeliten Kundschafter in das verheißene Land, sie kommen wieder und berichten von Riesen, Hindernissen und Gefahren. (Sollte mich das wundern? Verherrlicht Gott sich denn, indem er mir das „Land der Riesen“ überlässt oder erwarte ich ein rosa Willkommensschild mit Neonleuchtschrift „Hier bitte, nimm“?) Jedenfalls schreien und weinen sie die ganze Nacht durch und sagen zu Mose und Aaron:

„Ach, daß wir doch im Land Ägypten gestorben wären, oder noch in dieser Wüste sterben würden! Und warum führt uns der Herr in dieses Land, daß wir durch das Schwert fallen, und daß unsere Frauen und unsere kleinen Kinder zum Raub werden?“ (4. Mose 14,2-3)

Israel steht kurz davor einen Durchbruch zu erringen bzw. eine Verheißung erfüllt zu sehen sollten sie sich dann über Widerstand wundern? Warum fällt es ihnen noch schwerer zu glauben, wenn sie das gelobte Land quasi schon sehen können? Ist es, weil es von Riesen bewohnt wird und sie Gott vielleicht gerade einmal zugetraut haben, sie von Pharao zu befreien und das Meer zu teilen, aber nicht vor Riesen zu beschützen?

Und wie ist das eigentlich mit uns? Wie beten wir, wenn wir den Hoffnungsschimmer am Horizont zerplatzen sehen? Beten wir dann immer noch mit voller Zuversicht, oder jammern wir dann auch Gott die Ohren voll, dass es in der Sklaverei in Ägypten doch sooooo viel besser war. Ich finde dann oft so tolle Argumente wie: Es kann doch gar nicht Gottes Plan sein, denn es geht doch gar nicht glatt, die Tür ist doch fest zu! Das rosa Willkommensschild fehlt. Ich muss mich verhört haben… Ach dass wir doch in der Wüste gestorben wären…

Wenn ich am Anfang eines Glaubensschrittes stehe, ist es zwar meist schwer loszugehen aber da denke ich dann wenigstens noch ziemlich positiv „Yeah, Gott kann das und ich vertraue ihm“. Wenn sich dann aber länger nichts tut oder es erst einmal schlimmer zu werden scheint, dann wird es schwer. Dann will ich krampfhaft an dem Anfangsvertrauen festhalten aber so langsam schleicht sich dann auch der Realismus ein und ich mache mir Gedanken darüber, wie ich damit klarkommen werde, wenn Gott mich enttäuscht (oder in anderen Worten, wenn er nach seinem und nicht nach meinem Willen handelt und die beiden sich leider nicht decken). Dann bete ich leider auch weniger zuversichtlich oder hänge vorsichtshalber ein „wenn es dein Wille ist“ hinten dran, damit ich zumindest eine Erklärung für meine Enttäuschung habe.

Zurück zu Israel, denn jetzt meldet Gott sich selbst zu Wort:

„Darum sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht der Herr: Ich will genauso an euch handeln, wie ihr vor meinen Ohren geredet habt! Eure Leichname sollen in dieser Wüste fallen… (4. Mose 14,28-29a)

Ganz ehrlich, DAS ist eine Gebetserhörung auf die ich lieber verzichten möchte… Was ist hier passiert? Ganz nüchtern betrachtet hat Israel Gott gesagt, wie sie sich die Zukunft vorstellen und Gott sagt jetzt: Ok können wir so machen.

Versteht mich nicht falsch, über allem steht selbstverständlich Gottes Gnade und natürlich sieht er mehr auf das Herz als auf das Wort. Gott sitzt nicht da und überlegt sich Schlupflöcher für unsere Gebete, um uns eins auswischen zu können, weil wir uns nicht präzise genug ausgedrückt haben. Ich habe Gott im Nachhinein auch schon oft dafür gedankt, dass er mir eben nicht das gegeben hat, worum ich in meiner Unwissenheit gebeten habe. Trotzdem hat mir diese Geschichte bewusst gemacht, dass auch negative Worte die Macht haben, Dinge zu beeinflussen. Nur deshalb stelle ich die Frage: Wofür betest du?

Im Fall Israel hat dieses negative Gebet zwar nicht verhindert, dass Gottes Plan sich erfüllt und das Volk in das gelobte Land einzieht, dennoch hat es die Wüstenwanderung um 40 Jahre verlängert.

Ich glaube, ich nehme Gebet manchmal wirklich nicht ernst genug…

Müssen wir also immer voller Zuversicht sein, dürfen uns niemals sorgen oder zweifeln? Das denke ich nicht, Petrus fordert uns sogar auf unser Sorgen zu nehmen und zu Gott zu bringen: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). Auch in den Psalmen lesen wir von allen möglichen Gefühlen, von Zorn über Trauer über Zweifel bis hin zu Rachegedanken, doch am Ende steht immer ein: Gott, ich vertraue dir!

  • Wie gehst du mit Sorgen und Zweifeln um?
  • Ändern sich deine Gebete, wenn scheinbar nichts geschieht?
  • Wie kannst du Gott deine Zweifel bringen und ihm trotzdem vertrauen?
  • Hast du eine konkrete Situation, für die du vielleicht künftig anders beten möchtest?

 

Ich hoffe, ich habe euch jetzt keine Angst gemacht, beim Beten etwas falsch zu machen. Es gibt genauso viele Bet-Angewohnheiten und Stile, wie es Menschen gibt. Ziel ist jedenfalls eine Unterhaltung und Beziehung mit einem lebendigen Gott und da fände ich es seltsam, eine starre Formel vorzugeben. Ich wollte also nicht auf die Gefahren des „Falsch-betens“ hinweisen, sondern nur noch einmal verdeutlichen, welchen Einfluss unsere Gebete haben.

Und wer sich immer noch unsicher ist, welche die beste Formulierung ist, der lese weiter und sei gewiss, dass es nicht auf die genaue Wortwahl ankommt, sondern auf die Gemeinschaft:

„Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.“ (Mt 6,7-8)

Wissen wir doch nicht einmal, wie wir beten sollen, damit es Gott gefällt! Deshalb tritt Gottes Geist für uns ein, er bittet für uns mit einem Seufzen, wie es sich nicht in Worte fassen lässt. Und Gott, der unsere Herzen durch und durch kennt, weiß, was der Geist für uns betet. Denn im Gebet vertritt der Geist die Menschen, die zu Gott gehören, so wie Gott es möchte. Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten. Dies gilt für alle, die Gott nach seinem Plan und Willen zum neuen Leben erwählt hat. (Römer 8,26b-28 HFA)

 

Bibelstellen:
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